Es gibt zwei Arten von Pokémon Go-Spielern. Diejenigen, die das Spiel mehr oder weniger nebenbei spielen, Pokéstops abklappern und die kleinen Biester fangen, während sie ohnehin unterwegs sind. Und dann gibt es noch solche, die ganz gezielt auf die Jagd gehen, wenn eines der virtuellen Monster in ihrer Nähe auftaucht. Letzteren hat Entwickler Niantic mit dem neusten Update zur beliebten App einen gehörigen Dämpfer verpasst.

Pokémon Go : Der Autor
Julius Busch träumt schon von klein auf davon, der Allerbeste zu sein. Nun streift er laut singend durch die Straßen Münchens und propagiert für das eindeutig beste Team Rot. Nach 14753 Taubsi und 3566 Rattfratz hat er immer noch genügend Pokebälle für den ganz großen Fang. Dass er auf diesen nun nicht mehr aktiv hinarbeiten kann, beunruhigt ihn mindestens genauso, wie in einer dunklen Ecke von einem wilden Rossana aufgelauert zu werden.

Das sogenannte »Tatzen-Feature« war schon seit längerem durch einen Bug unbrauchbar geworden. Gab das Spiel in früheren Versionen durch die Anzeige einer bestimmten Anzahl von Tatzen noch einen Hinweis auf die ungefähre Entfernung der umliegenden Monster-Spawns, war eine gezielte Ortung zuletzt nicht mehr möglich, da das Spiel stets nur noch drei Tatzen anzeigte. Anstatt diesen Fehler zu beheben, entschloss sich Entwickler Niantic nun dazu, das Tatzen-Feature vorerst komplett aus dem Spiel zu entfernen. Pokémon in der Nähe werden fortan zwar angezeigt, es gibt jedoch kein Indiz mehr für ihre Entfernung, was eine gezielte Verfolgung unmöglich macht.

Die Entwickler halten sich derzeit noch darüber bedeckt, ob dies nun als Übergangslösung fungieren oder eine finale Veränderung sein soll, aber klar ist: Sollte es dabei bleiben, dann verliert das vom Funktionsumfang ohnehin ja eher einfach gestrickte Pokémon Go hier eine gehörige Portion Spieltiefe - und entwickelt sich meiner Meinung nach damit genau in die falsche Richtung. Nach dem Ausnahme-Erfolg der ersten Wochen wäre es so wichtig, das Potenzial der so interessanten Spielidee weiter auszuschöpfen, weitere Features nachzureichen.

Ein weiteres Ärgernis für Freunde des gezielten Pokémon-Suchens ist das Einschreiten von Niantic gegenüber Service-Seiten wie Pokévision. Diese Seiten sammeln Daten von den offiziellen Servern, um so aktuelle Pokémon-Fundorte möglichst genau abzubilden. Laut John Hanke, dem CEO von Niantic Labs, entspricht das nicht den Nutzer-Richtlinien und schadet dem Spielspaß. Pokévision ist daher seit Kurzem nicht mehr funktionsfähig. Für uns Vollzeit-Pokéjäger waren diese Services aber unverzichtbar geworden, nachdem die spielinterne Such-Mechanik aufgrund des Tatzen-Bugs ausfiel.

Stille ist keine Lösung

Ich kann die Haltung von Niantic hier schon verstehen. Aber dann muss das Spiel selber eben sinnvolle Alternativen zu besagten Services bieten. Alternativen, die funktionieren. Und es kann doch keine Lösung für einen Bug sein, das gesamte Feature einfach aus dem Spiel zu entfernen. Vielleicht war der Ansturm auf die Server einfach zu groß und das Feature wurde nur temporär deaktiviert, bis eine funktionierende Lösung gefunden werden kann, aber dann könnte man immer noch das Schweigen kritisieren, in das sich die Entwickler hüllen und ihre enorme Fanbase damit einfach hängen lassen.

Ich wünsche mir neue Features, die das aktive Spielen von Pokémon Go belohnen und mir mehr Möglichkeiten geben, meine Zeit im Spiel sinnvoll zu investieren. Ich will seltene Pokémon, die meiner Sammlung noch fehlen, aktiv verfolgen können und nicht blindlings darauf hoffen müssen, ihnen irgendwann zufällig über den Weg zu laufen. Natürlich: Wie anfangs erwähnt gibt es auch eine große Gruppe Spieler, die das Spiel genau auf diese Weise spielen. Womöglich ist das sogar der deutlich größere Anteil der Nutzer. Aber es ist auch der Anteil, der im Laufe der kommenden Monate mit Abnahme des anfänglichen Hypes am schnellsten das Interesse verlieren wird.

Es wäre so schade, wenn es nicht gelingen würde, auf besagtem Hype aufzubauen und der richtig treuen und aktiven Spielerschaft zunehmend etwas für ihr Engagement zu bieten. Denn wie gesagt: Neben einer unglaublich interessanten Spielidee und einem sehr komplexen System ist Pokémon Go momentan noch sehr leicht an Gameplay-Mechaniken. Die Entwickler sprechen ja oft davon, dass sie in Zukunft noch einiges vorhaben. Ich sehe meine bisher im Spiel verbrachte Zeit so ein wenig als Investition in diese Zukunft an. Eine Investition in eine so vielversprechende Idee. Doch nun sollten sich die Entwickler nicht auf ihrem Erfolg ausruhen, sondern beweisen, dass ihre Vision dem auch gerecht wird.

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