Ameisengame - Browserspiel des Tages - Das große Krabbeln

Die erste Frage, die man sich nach dem Anmelden stellt, ist die nach dem Sinn und Zweck des Spiels. Auch wenn man sich durch die Hilfe geklickt hat, sind einem zwar die Grundstrukturen klar bis vertraut, doch mysteriös bleibt: wofür?

von Gerald Meyer,
01.10.2008 17:00 Uhr

Jeden zweiten Wochentag um 17:00 Uhr stellen wir Ihnen Browserspiele vor, die sich auf dem deutschen Markt etabliert haben. Dabei handelt es sich um bekannte und weniger bekannte, gute und weniger gute Browserspiele.

Die erste Frage, die man sich nach dem Anmelden stellt, ist die nach dem Sinn und Zweck des Spiels. Auch wenn man sich durch die Hilfe geklickt hat, sind einem zwar die Grundstrukturen klar bis vertraut, doch mysteriös bleibt: wofür?

Für einen großen Haufen

Das Spiel funktioniert wie im richtigen Ameisenleben: gewisse hierarchische Strukturen sind vorgegeben, bspw. eine Königin oder Arbeiterameisen. Am witzigsten ist allerdings die Bezeichnung »Außendienst-Ameise« – das hört sich so bürokratisch und menschlich verblödet an, dass man sich einmal mehr die Frage stellt, ob nicht doch einem Finanzbeamten zu langweilig geworden ist und der in seiner Freizeit ein triviales, semi-strategisches Spiel programmiert hat. Denn die Strategie ist so übersichtlich, dass man eigentlich nicht viel falsch machen kann. Rechnet man den hohen Zeitfaktor hinzu, verliert das Spiel sehr schnell seinen Reiz.

Anfangs bleibt einem sowieso nichts anderes übrig, als wild drauflos zu bauen. Ohne Königin geht gar nichts – und schon ist die erste Hemmschwelle seitens der Entwickler aufgebaut. Eine halbe Stunde warten – hier wird die Zähigkeit angedeutet, die man braucht, um das Spiel einigermaßen zu bestreiten. In dieser Zeit kommt man abermals ins Grübeln, wo die eigentlichen Ziele des Spieles liegen.

Das große Brabbeln

Später versucht man, die Versorgung des Ameisenstaates durch den Bau von Pilz- und Vorratskammern zu gewährleisten, bis plötzlich die Rohstoffe ausgehen. Also werden die »Außendienstler« in die Pampa geschickt. Bleibt noch der Bau von Soldatenkammern, die dringend benötigt werden, und das Züchten von Blattläusen. So wird nicht geklotzt, sondern zeitmäßig gekleckert – mühselig ernährt sich ein Ameisenhaufen. Und noch länger braucht er, um konsequent ausgebaut zu werden.

Unter dem Stichwort PNuts finden Sie die Premium-Version, in der Sie drei Spielzüge nacheinander einplanen und im angegebenen Zeitfenster ausführen können. Die Bauzeiten von einer halben Stunde werden allerdings beibehalten; nur die Angriffszeiten ändern sich auf 15 Minuten. Zusätzliche Optionen über andere Ameisenhaufen werden eingeblendet, und ein eigenes Profil-Bild kann hochgeladen werden. Ob das Optionen sind, in die sich das Investieren von Echtgeld lohnt, muss der Leser selbst entscheiden.

Fazit: Das Ameisengame ist in seiner gesamten Grundstruktur nett gemeint, aber Zeitfrust und Spielelust liegen so weit auseinander, dass hier der Spruch »Nur die Harten kommen in den Garten« durchaus angemessen ist. Da brachte es auch nur wenig Abwechlsung, der Einladung eines Kollektives Folge zu leisten oder einzelne Gegner anzugreifen. Allerdings ist zur Zeit noch eine Kriegs-Beta in der Erprobung, die das Spiel aufwerten soll. Ich greife lieber zu dem Abandonware-Klassiker -> It came from the desert und nehme den Kampf mit Riesenameisen auf...

Name:

Ameisengame

Webseite:

http://www.ameisengame.de

Sprache:

deutsch

Genre:

Strategie

Präsentation:

+++

Zugänglichkeit:

+++

Spielspaß:

++

Downloadclient

nein

Premium:

ja

Zeitaufwand

hoch

Lästerfaktor:

++++

Alle bisher getesteten Browserspiele finden Sie in der Übersicht.

Gerald Meyer, Jahrgang 1975, ist freiberuflicher Autor; zuletzt erschien von ihm Das Abandonware-Lexikon. Meyer war Gründer des „G. Meyer Taschenbuch Verlag“, in dem insgesamt 52 Titel erschienen sind, u. a. Klassiker-Neubearbeitungen, vorwiegend jedoch Newcomer aus dem Underground. Er ist Mitglied im Komitee des Kurd-Laßwitz-Preises. Website: www.geraldmeyer.de


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