GDC: Steve Meretzky in Sorge

von Jörg Langer,
08.03.2003 03:09 Uhr

Kennen Sie noch Steve Meretzky? Niemals Planetfall, Leather Godesses of Phobos, Zork Zero oder Sorcerers get all the Girls gespielt? Bis auf letzteres alles Infocom-Spiele, und alles Klassiker der guten alten Textadventure-Zeit. Jetzt sorgt sich der Veteran um die Frühzeit der Computerspiele -- denn deren Source Codes verrotten in den Kellern ihrer Entwickler, ohne archiviert zu werden. Klingt belanglos? Aber wo wäre die Literatur heute, wenn es weder Überlieferungen noch erhaltene, uralte Bücher gäbe? Schon die Filmindustrie musste feststellen, dass es von manchen Stummfilm-Klassikern schlichtweg keine Exemplare mehr gibt. Also hat Meretzky auf der GDC 2003 einen Runden Tisch zum Thema einberufen, bei denen sich die anwesenden Veteranen auf die Gründung einer Kommission einigten. Die soll Source Codes, Spiele, Packungen, Controller und Konsolen sowie Marketing Material sammeln, um sie der Nachwelt zu erhalten. Auch Interviews mit Urgestein-Designern sollen geführt werden. Nur Geld haben sie dafür keines -- was an das gescheiterte Berliner Spielemuseum erinnert, das mangels Knete und öffentlichem Interesse wieder dichtmachen musste.

Und was tut der ehemalige Adventure Papst Meretzky heute? Kümmert sich als Creative Content Director bei der 60-Mann-Firma WorldWinner.com darum, Gelegenheitsspielern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Deren Anteil am Gesamtumsatz mit Computerspielen schätzt er in drei Jahren auf etwa 38%, denn "die Spielefans sind zwar weniger zahlreich, kaufen aber viel öfter neue Spiele. Ach übrigens, hast du eine Idee, wie man die Leute dazu bringt, uns minutenweise Geld zu zahlen?"

Auf welches Spiel seiner 20jährigen Karriere ist Steve besonders stolz? "Auf A Mind Forever Voyaging. Es war mein ernsthaftestes Spiel. Das einzige politische, das ich je gemacht habe. Und das einzige, zu dem ich momentan wieder EMails bekomme." A Mind Forever Voyaging (Ein Geist auf ewiger Wanderschaft) schickte den Spieler in eine Simualtion der realen Welt -- und warnte vor einem Rechtsruck der herrschenden Mächte. "Ich hatte das Spiel unter dem Eindruck der Reagan-Regierung designt. Nun fragen mich die Leute, ob ich ähnliche Tendenzen bei Bush sehe. Vielleicht wäre es Zeit für eine Fortsetzung?"


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