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1378 km - Release des DDR-Grenzspiels vorerst gestoppt

Nach den Vorwürfen der Gewaltverherrlichung gegen das Serious Game 1378 km reagiert die Karlsruher Hochschule für Gestaltung und hat die Veröffentlichung vorerst abgesagt.

Von Christian Schneider |

Datum: 01.10.2010; 10:34 Uhr


1378 km : Um das Serious Game 1378 km vom Medienkunststudenten Jens Stober herrscht inzwischen mediale Aufregung (wir berichteten). Die zeigt auch bei der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Karlsruhe Wirkung, denn die Veröffentlichung des Spiels wurde vorerst von Seiten der Bildungseinrichtung gestoppt. Ursprünglich sollte das Projekt am 3. Oktober zum kostenlosen Download angeboten werden, nun hat sich die Hochschulleitung mit folgender Erklärung gegen die Veröffentlichung entschieden: »Einem Teil der Presseberichterstattung und persönlichen Anschreiben an die Hochschule mussten wir entnehmen, dass sich durch das Spiel Opfer der Todesgrenze oder deren Angehörige verletzt fühlen. Die Leitung der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe bedauert das sehr.«

Dem Ego-Shooter, der im Rahmen des Medienkunststudiums entstand wird von mehreren Seiten Gewaltverherrlichung und die Verhöhnung von Maueropfern vorgeworfen. Die Hochschule hingegen betonte, dass das Programm die Brutalität einer Grenze vermittelt, die von einem undemokratischen Regime gegen seine Bevölkerung errichtet wurde. Golem.de zitiert die Hochschulleitung weiter: »Nichts anderes ist das Ziel dieses Spiels, das aus unserer Sicht einen hohen moralischen und künstlerischen Anspruch vertritt.«

Nachdem bereits einige Politiker zu dem Medienprojekt Stellung genommen haben, meldete sich inzwischen auch der kultur- und medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Wolfgang Börnsen und der Obmann der Arbeitsgruppe Kultur und Medien, Marco Wanderwitz, zu Wort. Beide konnten das Spiel bislang nicht ausprobieren, werden aber mit folgender Aussage zitiert: »Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion verurteilt die Entwicklung des Computerspiels 1378 km, das eine virtuelle Jagd auf DDR-Flüchtlinge im Todesstreifen zum Ziel hat. Für uns ist diese makabere Spielidee eine unsägliche Verhöhnung der fast 1.000 Opfer an der innerdeutschen Grenze und ihrer Hinterbliebenen.«

Bei 1378 km handelt es sich um ein so genanntes Serious Game, also ein Spiel, das weniger einen Unterhaltungsanspruch als einen Informations- und Bildungsanspruch anstrebt und dazu auf die interaktiven Möglichkeiten eines Computerspiels zurückgreift. Es gibt zwei Teams von je maximal 16 Spielern. Eine Gruppe stellt die Mauerflüchtlinge, die im Jahre 1976 versuchen, die innerdeutsche Grenze zu überqueren. Die zweite Gruppe sind die Grenzsoldaten der DDR, die versuchen müssen, die Flüchtlinge aufzuhalten. Die Interaktionsmöglichkeiten sind dabei vielfältig. Die potenziellen »Mauerschützen« können mit den Flüchtlingen sprechen, sie verhaften oder sich selbst zur Flucht überreden lassen. Sie haben aber auch die Wahl, die unbewaffneten Zivilisten zu erschießen. Eine Belohnung gibt es dafür nicht, im Gegenteil. Wer zum Mauerschützen wird, muss sich in einem virtuellen Gerichtsprozess im Jahre 2000 für seine Taten verantworten. Technisch basiert das Projekt auf der Source-Engine, die auch bei Half Life 2 oder Portal zum Einsatz kommt.

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Avatar Helldiver
Helldiver
#1 | 01. Okt 2010, 11:20
Freut mich, sowas sollte nicht in einem Spiel behandelt werden
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Fred DM
#2 | 01. Okt 2010, 11:25
soviel zum thema schöpferische freiheit.

es scheint so als ob die politik unliebsames kulturgut ganz einfach von der bildfläche verschwinden lassen kann, in dem sie sich öffentlich darüber aufregt und strafanzeige androht.

wer braucht da noch zensur und diktatur?

dass sich gewisse bürger offenbar noch darüber freuen, wie sie von oben zensiert werden, setzt dem ganzen die krone auf.

aber sich bloss nicht selbst damit beschäftigen und im fall des nichtgefallens halt ignorieren. nein, lieber gleich verbieten. aus den augen aus dem sinn, was?
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Mandaron
#3 | 01. Okt 2010, 11:25
Oh man, da nässen sich die ganzen Gutmenschen wieder ein. Warum kann sowas (und noch ganz andere Geschichtliche Ereignisse) in Filmen verarbeitet werden, aber nicht in einem Videospiel?
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GeneralGonzales
#4 | 01. Okt 2010, 11:27
@Fred DM:
ich sehe, du hast die Diskussion nicht verstanden! Es geht nicht ums Verbieten oder schöpferische Freiheit, sondern einfach um moralischen Anstand!
Hättest du Famileinangehörige oder Freunde dort verloren, würdest du es vielleicht auch anders sehen, wenn man daraus ein "Spiel" machen will!
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uncleistvan
#5 | 01. Okt 2010, 11:28
Wäre schön wenn das Programm "zufällig" geleakt wird.
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Mandaron
#6 | 01. Okt 2010, 11:28
Zitat von GeneralGonzales:
@Fred DM:
ich sehe, du hast die Diskussion nicht verstanden! Es geht nicht ums Verbieten oder schöpferische Freiheit, sondern einfach um moralischen Anstand!
Hättest du Famileinangehörige oder Freunde dort verloren, würdest du es vielleicht auch anders sehen, wenn man daraus ein "Spiel" machen will!


Aber Filme sind ok?

Ich glaube einfach, dass die meisten Bürger noch nicht im Jahr 2010 angekommen sind und sich einfach nicht mit neuen Medien auseinander setzen/verstehen wollen.
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Fred DM
#7 | 01. Okt 2010, 11:30
Zitat von GeneralGonzales:
@Fred DM:
ich sehe, du hast die Diskussion nicht verstanden! Es geht nicht ums Verbieten oder schöpferische Freiheit, sondern einfach um moralischen Anstand!
Hättest du Famileinangehörige oder Freunde dort verloren, würdest du es vielleicht auch anders sehen, wenn man daraus ein "Spiel" machen will!


ich glaube, ich hab das besser verstanden als du.

seit wann gilt denn persönliche betroffen- oder befangenheit als verbots- oder zensurgrund? und was ist mit den angehörigen von gefallenen soldaten aus dem 2. WK? wieso werden denn spiele und filme über den 2. WK nicht niedergeschrien und verboten?

es wird ja niemand gezwungen, sich mit der thematik auseinander zu setzen und das spiel zu spielen. wenns einem nicht passt - bitte, dann einfach weitergehen. aber wie kommen gewisse leute zur arroganten einstellung, was ihnen nicht genehm ist soll gleich für alle verboten werden?

das ist totalitäres gedankengut, und ihr deutschen müsstet am besten wissen, wozu das führen kann...
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RaT
#8 | 01. Okt 2010, 11:31
Zitat von Helldiver:
Freut mich, sowas sollte nicht in einem Spiel behandelt werden


Es handelt sich hier um ein Serious Game, d.h. es ist kein Spiel im eigentlichen Sinne, sondern ein Programm das versucht Informationen zu vermitteln. Es wird versucht Geschichte bildhafter, und zugleich einprägsamer und imposanter zu erklären. Ähnlich wie ein Lehrfilm. Dass solche Programme als Spiel bezeichnet werden führt offensichtlich bei einigen Leuten zu Missdeutungen und zeigt zeitgleich auf wie wenig sich gewisse Personen über Dinge informieren die sie kritisieren.
Schade, denn Serious Games haben in meinen Augen ein sehr hohes Bildungspotential.
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Helldiver
#9 | 01. Okt 2010, 11:32
Zitat von Fred DM:
soviel zum thema schöpferische freiheit.

es scheint so als ob die politik unliebsames kulturgut ganz einfach von der bildfläche verschwinden lassen kann, in dem sie sich öffentlich darüber aufregt und strafanzeige androht.

wer braucht da noch zensur und diktatur?

dass sich gewisse bürger offenbar noch darüber freuen, wie sie von oben zensiert werden, setzt dem ganzen die krone auf.

aber sich bloss nicht selbst damit beschäftigen und im fall des nichtgefallens halt ignorieren. nein, lieber gleich verbieten. aus den augen aus dem sinn, was?

Ich wette du würdest einen Judenverbrenunngs- und Vergsungssimulator auch toll finden oder?
Stimmt die Betroffenen habn kein Recht sich darüber aufzuregen.

@Mandaron
Weil Filme weit aus kritischer und weniger Unterhaltsam sind. Filme die diese Ereignisse auffassen sind weitaus tiefsinniger und setzten das Geschehene nicht als Spaß um. Denn das Spiel wird niemals so nachdenklich machen und hinterfragend sein wie ein ernsthafter Film oder ähnliches zu diesem traurigen Thema

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Avatar RaT
RaT
#10 | 01. Okt 2010, 11:34
Zitat von Helldiver:

Filme die diese Ereignisse auffassen sind weitaus tiefsinniger und setzten das Geschehene nicht als Spaß um. Denn das Spiel wird niemals so nachdenklich machen und hinterfragend sein wie ein ernsthafter Film oder ähnliches zu diesem traurigen Thema



Was du nicht verstehst ist, dass das kein SPIEL ist! (Es heißt nur so, leider.) Es ist ein Serious Game, da ist ein himmelweiter Unterschied.
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