»Mauer-Shooter« : Es sei »geschmacklos und dumm«, findet Die Linken-Vorsitzende Gesine Lötzsch. Und Markus Meckel, von der SPD, nennt es »makaber und skandalös«. Gemeint ist 1378 km, ein Serious Game vom Medienkunststudenten Jens Stober an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Karlsruhe. Gegen dieses Source-Engine-Spiel laufen jetzt Politiker, Vertreter von DDR-Opferverbänden und der Leiter der Stasi-Gedenkstätte in Hohenschönhausen Sturm. Letzterer, Hubertus Knabe, geht sogar soweit, dass er jetzt scheinbar fordert, die Berliner Staatsanwaltschaft solle Strafanzeige wegen Gewaltverherrlichung stellen.

Selbst gespielt hat keiner der oben genannten Personen den angeprangerten Titel, der von Jens Stober im Rahmen seines Studiums als ernstzunehmende, interaktive Auseinandersetzung mit der deutschen-deutschen Geschichte entwickelt wurde. In dem kostenlos angebotenen Spiel 1378 km - das erst am 3. Oktober erscheint - übernimmt der Spieler im Jahre 1976 die Rolle eines Grenzsoldaten oder eines Mauerflüchtlings. Als Soldat kann er auf die Flüchtlinge schießen, doch dafür gibt es nicht etwa Punkte oder eine Belohnung. Im Gegenteil: Sollte sich der Spieler entscheiden, flüchtende Menschen zu erschießen, muss er sich in einem virtuellen Mauerschützenprozess im Jahr 2000 für seine Taten verantworten. Begleitet wird das Spielgeschehen von Informationstexten, die Hintergründe zur damaligen politischen Situation liefern.

Für den baden-württembergische Medienminister Helmut Rau (60, CDU) ist diese, vergleichsweise experimentelle Auseinandersetzung mit der Geschichte völlig inakzeptabel. Der Bild-Zeitung gegenüber, die das Spiel als »DDR-Ballerspiel« bezeichnet, sagte Rau: »Vor allem mit Blick auf den 20. Jahrestag der deutschen Einheit ist es wichtig, den jungen Menschen die schrecklichen Vorgänge an der Grenze zur DDR vor Augen zu führen. Dass dies allerdings mittels eines Spiels geschieht, halte ich persönlich für geschmacklos und für eine Verhöhnung der Opfer.«

Auch Rainer Wagner, Vorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) verurteilt das Projekt scharf, gegenüber Netzwelt.de sagte Wagner: »Es bedient, wie es allen Ballerspielen letztlich gemein ist, niedrigste menschliche Instinkte. Ein Aspekt dieses Spiels macht dieses aber im Vergleich zu anderen Ego-Shootern sogar noch schlimmer. Denn normalerweise schießt man in solchen Spielen auf bewaffnete Gegner - hier sind es unbewaffnete Zivilisten.«

Bislang ist 1378 km noch nicht erschienen. Ein Sprecher der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Karlsruhe mahnte dementsprechend auch an, dass sich die Kritiker das vermeintliche Spiel erstmal ansehen sollten. Ein Video zu 1378 km finden Sie im Folgenden, der des Programms bezieht sich auf die Länge der innerdeutschen Grenze, die die BRD von der DDR trennte.