Am vergangenen Donnerstag kam es in einer jüdischen Synagoge in Moskau zu einem Zwischenfall, der sich langsam zu einem internationalen Konflikt hochschaukelt. Der 20-jährige Alexander Koptsev betrat am Donnerstag die besagte Synagoge mit einem Messer in der Hand. Ohne Vorwarnung attackierte er acht Menschen mit Messerstichen, alle acht sind im Krankenhaus, vier von ihnen wurden schwer verletzt. Einem Rabbi, der sich ihm in den Weg stellte, erklärte er nur schlicht: "Ich bin hierher gekommen, um zu töten" und beschimpfte ihn wüst mit antisemitischen Parolen. Der Mann wurde schließlich überwältigt und verhaftet.


Nach der Tat äußerte sich der Vater des Täters über die möglichen Beweggründe: "Mein Sohn war nie Mitglied in einer politischen oder antisemitischen Szene. Er kennt das nur aus dem Fernsehen."
Allerdings, und das ist der Knackpunkt, offenbarte der Vater, dass sein Zögling in den letzten Monaten intensiv und mit wachsender Begeisterung Postal 2 gespielt hatte, was vielleicht ein Grund für das Austicken sein könnte.


Jetzt kommt jemand auf den Plan, dem solch eine Story wie gerufen kommt. Richtig - Jack Thompson, der US-Anwalt mit der Phobie gegen Computerspiele. In einem Brief an den russischen Botschafter in den USA Yuri Ushakov zieht Thompson sämtliche Register gegen alles und jeden, der nicht seiner Meinung ist. Angefangen bei Running with Scissors, den Entwicklern der Postal-Reihe, über den Präsidenten der USA George W. Bush und seine finanziellen Verbindungen zur Spiele-Industrie, bis hin zu Defense Secretary Donald Rumsfeld, dem er unterstellt, dass dieser die Herstellung von "Mordsimulationen" nicht nur duldet, sondern über das Institute for Creative Technologies, dessen Vorsitzender er ist, auch noch fördert. Zum Schluss fordert er ein Vertriebs-Verbot der Postal-Reihe über das Internet, das ungünstigerweise drei Tage vor dem Attentat von RwS angekündigt wurde.
Alles in allem also eine recht verfahrene Situation. Die russische Botschaft hat sich noch nicht offiziell geäußert, allerdings haben Running with Scissors bereits eine Gegendarstellung im Internet veröffentlicht, in der sie alle Vorwürfe zurück weisen. Thompson fordert den russischen Botschafter zum Schluss seines Briefes dazu auf, eine formelle Protestnote an die Regierung der USA zu schicken, um den Import von Postal nach Russland über das Internet zu unterbinden.