Seelenhain - Browserspiel des Tages - Bier brauen und verköstigen

Jeden zweiten Wochentag um 17:00 Uhr stellen wir Ihnen Browserspiele vor, die sich auf dem deutschen Markt etabliert haben. Dieses Mal nehmen wir das Strategiespiel Seelenhain unter die Lupe.

von Gerald Meyer,
07.11.2008 17:00 Uhr

Jeden zweiten Wochentag um 17:00 Uhr stellen wir Ihnen Browserspiele vor, die sich auf dem deutschen Markt etabliert haben. Dabei handelt es sich um bekannte und weniger bekannte, gute und weniger gute Browserspiele. Dieses Mal dreht sich alles um das Strategiespiel Seelenhain.

Die Macher von Seelenhain setzen auf das "bewährte" Konzept von Die Zunftmeister, d. h. eine Aufbau- und Handelssimulation, die wahren Anspruch erhebt, bei der man sich aber viel zu leicht verhaspeln kann. Mit anderen Worten: das weitgehend gleichgebliebene Konzept ist noch immer zu sperrig, kommt weiterhin zu bemüht herüber und lässt die Spieler die meiste Zeit in der Luft hängen.

Kein Korn, kein Bier, kein Steinmetz

Bevor man sich hier wirklich auf die Socken machen und mit dem Handeln beginnen kann, sind mehrere Dutzend Stunden Anlaufzeit und ggf. auch Neustarts von Nöten. Das liegt in erster Linie an der vertrackten Geldbeschaffung: zum einen brauchen Sie für den ersten Ausbau der Getreidefarm, des Müllers, des Bäckers, des Fischers, des Baumwollpflückers u. v. a. m. 300 Einheiten betriebseigener Rohstoffe – auf der anderen Seite werden Sie ständig genötigt, Ihre soeben hergestellten Waren zu verkaufen, um die tägliche Produktion zu gewährleisten. Hier klafft mal wieder die Schere von Spielelust und –frust weit auseinander. Auch sollten Sie die Abhängigkeiten der Betriebe untereinander erforschen. So lohnt es sich beispielsweise nicht, am Anfang in einen Steinmetz zu investieren, da der Alkoholiker ist und dringend täglich eine Fuhre Bier braucht, um seine Steine hauen zu gehen. Um Bier zu brauen, brauchen Sie vorerst eine Hopfenplantage und eine Brauerei; der Fischer hingegen ist auf Baumwolle angewiesen. Es kann Ihnen also passieren, dass Sie völlig sinnlos in eines der 13 Gebäude investieren, welches keinen Ertrag einbringt. Das läuft dann erst einmal unter Fehlinvestition, kann aber später noch in den Produktionskreislauf eingebunden werden – trotzdem ärgerlich. Hier lassen einen die Entwickler mangels eines Techtrees vollends allein und immer schön ins Messer laufen. Ob Sie letztendlich Händler, Bauer oder Krieger werden, hat weniger mit Selbstbestimmung zu tun, als einer Menge Überlebensglück und vager Strategien.

Allerdings können Sie allein durch Eigenbedarf auch kein eigenes Königreich gründen: fehlende Materialien müssen erhandelt bzw. ertauscht werden. Ob ein Tausch Bier gegen Kanonen funktioniert, darf bezweifelt werden. Ansonsten benutzen Sie entweder die relativ sicheren Kutschen- oder die gefährlicheren, aber schnelleren Seewege, um Ihre Güter ins Heimatland bzw. den Heimathafen zu transportieren und patrouillieren.

Fazit: Die Entwickler hätten selbst ein wenig Bier brauen und verköstigen sollen, um dem Spiel zu wahrer Genialität zu verhelfen. So stolpert und bremst sich die Entwicklung Ihrer kleinen Siedlung einfach nur dahin; von dem Aufbau eines noblen Stammbaumes kann hier in den ersten Wochen und Monaten keine Rede sein - höchstens von einem Stammbäumchen. Und das will immer schön mit einem Tsunami gegossen werden...

Name:

Seelenhain

Website:

Sprache:

Deutsch

Genre:

Strategie

Präsentation:

+++

Zugänglichkeit:

++

Spielspaß:

++

Downloadclient:

nein

Premium:

ja

Zeitaufwand:

hoch

Lästerfaktor:

++++

Alle bisher getesteten Browserspiele finden Sie in der Übersicht.

Gerald Meyer, Jahrgang 1975, ist freiberuflicher Autor; zuletzt erschien von ihm Das Abandonware-Lexikon . Meyer war Gründer des "G. Meyer Taschenbuch Verlag", in dem insgesamt 52 Titel erschienen sind, u. a. Klassiker-Neubearbeitungen, vorwiegend jedoch Newcomer aus dem Underground. Er ist Mitglied im Komitee des Kurd-Laßwitz-Preises. Website: www.geraldmeyer.de


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