»Es kann jeden treffen« : Prof. Dr. Christian Pfeiffer Prof. Dr. Christian Pfeiffer In einer Pressemeldung vom Montag sieht Klaus Wenzel vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) »eine neue, sich extrem schnell ausbreitende Gefahr« aufkommen. Anscheinend handelt es sich um ein Schmuddelthema, denn Wenzel sagt weiter, man müsse »das Problem aus der ›Grauzone‹ herauszuholen«. Wie man es sich denken kann, stecken wieder Computerspiele hinter den Horrorvisionen. Der BLLV startet im November eine Aufklärungs- und Informationskampagne, in deren Zentrum eine neue Broschüre steht, die mit Hilfe des Leiters des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), Prof. Dr. Christian Pfeiffer, erstellt wurde. Der Titel des Informationsblatts lautet »Verloren - wie Computerspiele unsere Kinder verführen.«.

Pfeiffer liefert dazu wieder Schock-Zahlen, die Eltern die Gefahren von Computerspielen aufzeigen sollen. Angeblich sollen in Deutschland mittlerweile 34.000 Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren süchtig nach PC-Spielen sein. Um der Kampagne ein Gesicht zu geben, hat der BLLV den 26-jährigen Sozialpädagogen Claudio von Wiese engagiert, der nach eigenen Angaben während seiner Jugend fast fünf Jahre lang süchtig nach Spielen war und deswegen nur einen Abitur-Notenschnitt von 2,4 schaffte. Von Wiese geizt nicht mit markigen Worten über Spielesucht: »Es kann theoretisch jeden treffen, vor allem Leute, die einen ausgeprägten Wettkampfgeist haben.

»Es kann jeden treffen« : Nach Untersuchungen des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsens seien in Deutschland 2,7 % der 15Jährigen computersüchtig und über 3 % gefährdet. Die meisten davon Jungen. Um seine Thesen zu beweisen, bemüht Christian Pfeiffer einen Vergleich. So hätten 1990 noch gleich viele Jungen und Mädchen Abitur gemacht, 2007 waren es nur noch 43 Prozent Jungen und 57 Prozent Mädchen. Pfeiffer sagt dazu: »Es muss der Medienkonsum sein, der den Unterschied macht«. Das Online-Rollenspiel World of Warcraft bezeichnet er deswegen als »den größten Leistungskiller, der je auf den Markt gekommen ist«. »Computersüchtige Kinder vernachlässigen die Schule, verlieren die Lust an Freizeitaktivitäten mit der Familie, treffen sich mit ihren Freunden zum PC-Spielen und spielen oft bis tief in die Nacht - meistens ohne Wissen der Eltern«, ergänzt Pfeiffer.

Interessanterweise fordert der BLLV jetzt keine strengeren Alterskennzeichnungen. Man müsse vielmehr attraktive Gegenangebote schaffen. So seien Ganztagesschulen eine Lösung. »Wenn diese Schulen optimal ausgestattet sind, können sie jungen Menschen Geborgenheit und Halt, Lebensfreude und Beschäftigung bieten. Musik, Tanz, Sport oder Projektarbeit steigern das Selbstwertgefühl und führen jungen Menschen vor Augen, dass es noch Schöneres gibt, als in fremde Identitäten zu schlüpfen. Wir müssen klar machen, dass die Flucht vor der eigenen Realität immer in der Sackgasse endet«, erklärte Klaus Wenzel vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband. In der Realität haben die bayerischen Schulen gerade immer mehr mit Personalmangel zu kämpfen.