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»Killerspiele« - »Verstörendes Phänomen«, sagt Amnesty (Update)

Die aktuelle Ausgabe des Amnesty Magazins beschäftigt sich unter anderem mit Kriegspielen.

Von Daniel Raumer |

Datum: 27.01.2010; 11:16 Uhr


»Killerspiele« : modernwarfare2walkthrough modernwarfare2walkthrough In der aktuellen Ausgabe des Amnesty Journals, einem Magazin der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, befindet sich unter dem Titel »Jeder wird zur Kampfmaschine« ein Artikel des Kulturjournalisten Thomas Lindemann. Der Berliner Autor schreibt über Kriegsvideospiele und nennt sein Essay einen »kritischen Blick auf ein verstörendes Phänomen.«

Killerspiele? Neues Niveau an Realität und Brutalität? Gewalt als Unterhaltung? Fast ist man als Spieler versucht, den Text wieder als einseitige Kritik an Videospielen abzutun und gar nicht erst zu lesen. Doch damit würde man dem Artikel nicht gerecht werden, denn hinter der provokanten Überschrift verbirgt sich ein Plädoyer für Kriegsspiele. Sie haben richtig gelesen, denn Lindemann stellt anhand der Spiele Call of Duty: ModernWarfare 2, Killzone 2 und Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots (letztere beide nur für PlayStation 3 erschienen) dar, worin die Faszination, Berechtigung und Kultur dieser Spiele liegt.

»Killerspiele« : Über Infinity Wards Shooter Modern Warfare 2 schreibt er: »Das Beklemmende ist nicht, dass ein Spiel den Krieg darstellt -- davon gibt es längst Hunderte. Sondern ausgerechnet dieses Videospiel ist das Beste unter den aktuellen. Eine spielerische Qualität wird man selbst als Pazifist anerkennen müssen. Das Dilemma besteht darin, dass es wirklich Spass macht.« Im weiteren Verlauf führt der Autor aus, dass Gewalt in Medien nicht neu, sondern schon immer Teil menschlicher Kulturwerke sei. Als Beispiel nennt er Homers Ilias (ca. 700 v. Chr.).

Zum Abschluss schreibt Lindemann noch über Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots. Das PlayStation 3-Spiel sieht er als gesellschaftskritische Parabel, denn in der hier dargestellten Zukunft werden Kriege von privaten Militärfirmen ausgefochten, die im Grunde nur noch zum Selbstzweck kämpfen. »Es wandte Mittel der Science Fiction so an, wie große Science-Fiction-Literatur das immer tat: Zur Kritik an der Welt.«

Eine solch fundierte und unhysterische Meinung zum Thema Videospiele, wie der Autor sie an den Tag legt, ist in fachfremden Medien eher selten anzutreffen.

Update (30.01.2010): Amnesty International hat den Artikel mittlerweile auch auf ihrer offiziellen Internetseite veröffentlicht.

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Avatar syccamore
syccamore
#1 | 27. Jan 2010, 11:30
Top! gibts den text online? wennja, kann der autor bitte mal die quelle verlinken?
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Avatar PbVeritas
PbVeritas
#2 | 27. Jan 2010, 11:32
Es gibt doch noch Gründe an die Menschheit zu glauben...
Endlich mal ein Autor der uns alle nicht als Massenmörder hinstellt...

Leider hab ich das Gefühl, dass das niemand der Killerspiel-Gegner lesen wird...
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Avatar itistoolate
itistoolate
#3 | 27. Jan 2010, 11:32
Ich weiß schon warum ich Amnesty International mag.
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Avatar Zurvan
Zurvan
#4 | 27. Jan 2010, 11:33
naja, so langsam sollte das wirklich jedem klar sein.
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Avatar Magicnorris
Magicnorris
#5 | 27. Jan 2010, 11:35
Wenn er den Singleplayer Part von MW2 meint und nicht die verkorkste pc version kann ichs verstehen. ;D
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Avatar blacksun84
blacksun84
#6 | 27. Jan 2010, 11:36
Krieg und Mensch gehören halt zusammen. Solange es den Menschen gibt, solange gibt es auch Krieg und dazu eben auch Medien, die den Krieg für sich nutzen (Bücher, Spiele, Filme, komplett neue, heute unbekannte Medien, etc.pp).
Den Punkt mit der "Ilias" finde ich gut, denn die wohl unbestritten gute Ilias ist im Grunde auch nicht mehr als eine Glorifizierung eines Angriffkrieges mit anschließendem Massenmord. Nur würde wohl kaum ein "F(l)achmann" Marke Pfeiffer dieses Werk verbieten wollen.
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Avatar Daniel Raumer
Daniel Raumer
#7 | 27. Jan 2010, 11:37
Zitat von syccamore:
Top! gibts den text online? wennja, kann der autor bitte mal die quelle verlinken?


Leider ist der Artikel im Moment nur in der Printausgabe (02/03-2010) zu finden. Möglicherweise wird er aber bald auch online eingestellt. Dann werden wir einen Link hier nachreichen.
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Avatar Maifeuer
Maifeuer
#8 | 27. Jan 2010, 11:53
Journalisten ausserhalb computeraffiner Magazine die objektiv über's Gamen berichten?

Angenehm verstörendes Phänomen! :)
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Avatar Der_Dutch
Der_Dutch
#9 | 27. Jan 2010, 11:56
Naja - also Modern Warfare 2 auf eine Stufe mit der Ilias zu setzen, finde ich vielleicht etwas zu viel des Guten. Dazu ist es erzählerisch zu schwach. Wie auch immer: Ich bin zwar kein Freund von Amnesty, aber ich begrüße mal einen Artikel, der eine andere Auffassung vertritt, als die gängige Abstempelung von Egoshootern als Wurzel allen Übels dieser Welt.
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Avatar B.U.M.
B.U.M.
#10 | 27. Jan 2010, 12:00
Nun, den hier abgedruckten Aussagen von ihm kann ich gänzlich zustimmen.
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