Es gibt Orte, an denen sollte man lieber nicht das Smartphone zücken und Pokémon Go spielen. Als Fahrer in einem Auto zum Beispiel. Oder als durch Ortsunkenntnis glänzender Besucher an einer fremden Steilküste. Oder als Russe in einer russischen Kirche.

In Russland herrschen nämlich strikte Anti-Blasphemie-Gesetze. Und die sind nun dem russischen YouTuber und Video-Blogger Ruslan Sokolovsky zum Verhängnis geworden. Das ist jedenfalls seine Meinung. Tatsächlich dürfte es aber sein allzu provozierender Umgang damit gewesen sein.

Zwei Monate Untersuchungshaft

Von den russischen Behörden wurde der bekennende Atheist nun jedenfalls erst einmal für zwei Monate weggesperrt. »Volksverhetzung« und »Beleidigung religiöser Gefühle« werden ihm zur Last gelegt.

Sollte Sokolovsky für Schuldig befunden werden, drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft. Und die Beweislage steht nicht gerade zu seinen Gunsten - immerhin hat er seinen rebellischen Akt auf Video festgehalten und bei YouTube hochgeladen.

Seine Intention: Protest gegen den staatlichen News-Sender Russia-24, der unter Hinweis auf die Anti-Blasphemie-Gesetze und im Zuge des weltweiten Hypes um das Spiel davor warnte, Pokémon Go in Kirchen zu spielen.

Provokantes Gehabe wohl Grund für harsches Vorgehen

Grund für die Verhaftung von Sokolovsky ist dann auch weniger das Spielen von Pokémon Go in der Church of All Saints von Jekaterinburg, sondern vielmehr die provokante Art und Weise, wie er das tat. Das zumindest deutet mit Vladimir Legoyda der Sprecher der Russisch-Orthodoxe Kirche an.

Es ist klar, dass Herr Sokolovski kein normaler Passant war, der im Zuge seiner Spiele-Passion in die Kirche rannte, sondern viel mehr ein populärer junger Blogger aus der Stadt, der im Stile von Charlie Hebdo arbeitet.

Allerdings hat der provokante Video-Blogger auch Fürsprecher. Jaroslav Nilov, der Vorsitzende des Religions-Komitees der russischen Staatsduma, äußerte Zweifel daran, dass Sokolovsky gegen das Anti-Blasphemie-Gesetz verstoßen habe.

Das Einfangen von Pokémon verletze aus seiner Sicht keine religiösen Gefühle. Es sei einfach nur die Nutzung einer Mobile-App innerhalb eines religiösen Gebäudes.

Wie das zuständige Gericht in diesem Fall letztlich entscheiden wird, bleibt abzuwarten. Für Sokolovsky dürften die zwei Monate Gefängniserfahrung aber sowieso schon unangenehm genug sein.

Immerhin hat er eine Antwort auf seine ursprüngliche Frage erhalten: Wer solle sich schon davon verletzt fühlen können, wenn man mit einem Smartphone in der Hand durch eine Kirche laufe?

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