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Report: Helden mit Brüsten

Frauenfiguren in Computerspielen

Warum Frauenfiguren in Computerspielen selten mehr sind als Anziehpuppen und Klischeeweiber – und warum sich das ändern muss.

Von Christian Schmidt |

Datum: 16.11.2009


Die erste Heldin in einem Videospiel trug ein rotes Schleifchen und leuchtenden Lippenstift, was in einem interessanten Kontrast stand zu ihrem gelben, runden Gesicht. Einen Körper besaß Ms. Pac-Man nicht. So blieben, um sie vom normalen (wohl männlichen) Pac-Man zu unterscheiden, nur Makeup und modische Accessoires, die unverwechselbaren Attribute der Weiblichkeit.

Seit dem Debut von Ms. Pac-Man im Jahr 1981 haben sich Computerspiele immens weiterentwickelt; moderne 3D-Programme sind längst in der Lage, Frauen wie Männer samt ihrer Körper darzustellen, und das in einem Detailgrad und einer Ausdrucksfähigkeit, die nah an die Realität heranreichen. Der Zwang, Geschlechtsunterschiede durch Lippenstift und Schleifchen herauszustreichen, ist ein Relikt grauer Vergangenheit. Inzwischen herrscht technologische Gleichberechtigung.

Helden mit Brüsten : Heldin: Faith rennt und springt durch Mirror’s Edge. Heldin: Faith rennt und springt durch Mirror’s Edge.

Es ist also nicht so, dass Computerspiele kein ausgewogenes, wirklichkeitstreues Abbild von Frauen wiedergeben könnten. Wenn sie es nicht tun, dann muss es am Wollen liegen.

704 Einträge führt die Internet-Spieledatenbank Mobygames.com in der Kategorie »Weibliche Hauptfigur«, eine eindrucksvolle Liste. Nur: Insgesamt kennt Mobygames 48.000 Spiele. Zwar hat nur ein Bruchteil davon überhaupt einen identifizierbaren Protagonisten, und die Heldinnen-Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aber am grundlegenden Missverhältnis ändert das nichts: Frauen sind in Spielen sehr viel seltener in tragenden Rollen zu finden als Männer. Und das nicht nur historisch, sondern bis heute. Dabei ist die Heldinnen-Rolle nicht mal der entscheidende Punkt, sondern die Frage welches grundsätzliche Frauenbild Computerspiele vermitteln. Auch in Hollywood herrscht Kulturchauvinismus, harte Helden sind überwiegend Kerle, an deren Seite Frauen auch mal die Knarre ziehen dürfen, aber im rechten Moment verliebt in starke Arme sinken. Das Medium Film bringt als Ganzes aber eine solche Bandbreite von Werken hervor, dass es die Rollen und Positionen von Frauen in unserer Welt mindestens so facettenreich widerspiegelt wie die der Männer. Davon kann in Computerspielen keine Rede sein.

Wie Frauen sind

Helden mit Brüsten : Begleiterin: Bastila aus Knights of the Old Republic. Begleiterin: Bastila aus Knights of the Old Republic. Warum ist es überhaupt wichtig, wie Frauen in Spielen auftauchen? Männer retten Frauen, Frauen sind immer sexy angezogen, Lara Croft hat eine riesige Oberweite – na und?

Computer- und Videospiele sind auf dem besten Weg dazu, das Leitmedium der jungen Generation zu werden. Noch liegt das Fernsehen vorn. Aber die Zahl der Stunden, die Kinder im Schnitt am Tag vor der Glotze verbringen, nimmt seit einigen Jahren ab, die Stunden vor dem Monitor nehmen zu. Dass Kids und Jugendliche unter Dauerberieselung von TVTrash womöglich zweifelhafte Dinge lernen, leuchtet praktisch jedem ein. Am Computer ist das nicht anders. Und das gilt unabhängig vom Medium nicht nur für Gewalt und schlechte Umgangsformen, sondern eben auch für die Geschlechteridentität. Sprich: Was es heißt, ein Mann zu sein oder eine Frau. Menschen lernen durch das Beobachten und Imitieren von Vorbildern, und starke Figuren in Computerspielen sind solche Rollenmodelle. Welche Vorbilder die Frauen in Computerspielen sind, hängt davon ab, welche Positionen sie im Spiel einnehmen und wie ihre Charaktere gezeichnet sind: Heldin? Opfer? Biest? Oder spielen sie am Ende überhaupt keine Rolle, weil alle wichtigen Handelnden sowieso Männer sind?

Wo Frauen fehlen

Helden mit Brüsten : Gegenspielerin: Shodan aus System Shock. Gegenspielerin: Shodan aus System Shock. Dazu kommt, dass eine zunehmende Zahl moderner Spiele durchaus für sich in Anspruch nimmt, ein Spiegelbild der Wirklichkeit zu sein. Hochgradig populäre Titel wie Grand Theft Auto 4 oder Call of Duty: Modern Warfare handeln zwar von fiktiven Orten und Konflikten, aber ihre gesamte Inszenierung drückt aus: »So könnte es tatsächlich sein.« Im Krieg von Modern Warfare tauchen keine Frauen auf. Dabei mag es noch einleuchten, dass die militärischen Spezialeinheiten und deren machtbesessene Gegenspieler nur Männer sind, obwohl alle westlichen Armeen längst Frauen in Führungspositionen kennen. Schwerer wiegt, dass Spiele wie Modern Warfare ausschließlich Männer als Kriegsopfer zeigen. Wer im eindrucksvoll inszenierten Intro von Modern Warfare durch die Straßen einer arabischen Stadt gefahren wird, der sieht mit Erschießungen, Plünderungen und Angriffen auf Zivilisten erschütternde Szenen einer Militärdiktatur. Er sieht nur keine Frauen. Die Unterdrückung der Bevölkerung und die Gewalt richten sich allein gegen Männer. Das ist perfide, weil es unterschwellig nahelegt, dass es das, was man nicht sieht, auch nicht gibt; dass Krieg und Unrecht Frauen also nicht betreffen. Dabei lehrt die Geschichte, dass es in der Regel gerade die Frauen sind, die am schwersten leiden und als Erste erniedrigt werden. So vermitteln genau die Spiele, die durch eine besonders glaubwürdige Simulation der Realität bestechen, oft ein besonders verzerrtes Bild von der Rolle der Frauen, und sei es durch deren vollständige Abwesenheit.

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Avatar FKFlo
FKFlo
#1 | 16. Nov 2009, 18:00
Klasse Text^^
Pers. muss ich sagen spiele ich auch viel lieber einen weiblichen Charactar^^
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Avatar White Saturn
White Saturn
#2 | 16. Nov 2009, 18:12
Wie üblich ein sehr schöner Artikel von Schmidt. Sehr vorbildlich ist in dieser Hinsicht Dragon Age. Das Spiel bietet nicht nur sexy männliche Helden zum anbaggern sondern sogar erlaubt sogar Homosexualität.
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Avatar Darkan*
Darkan*
#3 | 16. Nov 2009, 18:19
Zitat von FKFlo:
Klasse Text^^
Pers. muss ich sagen spiele ich auch viel lieber einen weiblichen Charactar^^

Ja, weil du dann das ganze Spiel über was zu Gaffen hast? ^^
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Avatar Joeamarsh
Joeamarsh
#4 | 16. Nov 2009, 18:25
Zitat von Darkan*:
Zitat von FKFlo:
Klasse Text^^
Pers. muss ich sagen spiele ich auch viel lieber einen weiblichen Charactar^^

Ja, weil du dann das ganze Spiel über was zu Gaffen hast? ^^


is doch logisch^^
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Avatar Kleinkariert
Kleinkariert
#5 | 16. Nov 2009, 18:37
Oh ja ich erinnere mich noch an das gute alte Fallout, bei dem zwischen männlichem und weiblichem Charakter noch kleine spielerische unterschiede gab, die es im dritten Teil überhaut nicht mehr gab.

Kleines Beispiel:
Als Mann konnte man in Fallout 2 mit anderen Frauen schlafen. Hat man das oft genug getan bekam man den "Gigolo Perk". Später konnte man sogar zum Pornostar werden und somit nach einer Nacht mit der Frau eines Mafiabosses den Code zum Tresor bekommen.
Hatte man im Spiel noch keine "sexuelle Erfahrung" ist die Dame nach dem Sex direkt eingeschlafen und man konnte somit nicht an den Code des Tresors rankommen :)
Als Frau hingegen konnte man dafür öfter seinen Körper "verkaufen", musste aber z.B. um am Boxtunier teilnehmen zu können, erstmal den Trainer überreden können, da der nichts von Frauen im Ring hält.
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Avatar OldestVisitor
OldestVisitor
#6 | 16. Nov 2009, 18:43
In manchen Generes sind nun mal Männer die Zielgruppe und das mit großem Abstand und natürlich sieht man große Brüste lieber wie einen leeren Ausschnitt als Mann. Männer gefällt sowas, und weiter?

Im übrigen haben Frauen auch eine ganz andere gesellschaftliche Stellung in Deutschland, in Sachen Moral trotz allem Gleichheitsgeschwätz. Wer das nicht erkennt der lässt grundlegendes auser Acht.
z.B. Unfall: 100 Tote, darunter auch viele Frauen und Kinder....na was an dieser alltäglichen Meldung gemerkt???
Richtig, klingt fast so das es schade ist, das es nicht nur Männer getroffen hat, oder wie sonst kann man so eine Formulierung erklären?
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Avatar Major Zer0
Major Zer0
#7 | 16. Nov 2009, 18:53
Zitat von White Saturn:
Wie üblich ein sehr schöner Artikel von Schmidt. Sehr vorbildlich ist in dieser Hinsicht Dragon Age. Das Spiel bietet nicht nur sexy männliche Helden zum anbaggern sondern sogar erlaubt sogar Homosexualität.


Das wusst ich garnicht, ich finds dumm, dass spiele sich immer mit realpolitischen dingen messen und anpassen müssen. Soll ich dann bei dragon age in die richtige stadt gehen wo homoehe erlaubt ist oder wie? Die sollen am teppich bleiben, spiel ist spiel. Außerdem wenn sich schon über sexismus in spielen beschwert wird, sollte man die schuld beim entwickler und nie beim spieler suchen.
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Avatar rbue
rbue
#8 | 16. Nov 2009, 18:57
Zitat von OldestVisitor:
[...]

z.B. Unfall: 100 Tote, darunter auch viele Frauen und Kinder....na was an dieser alltäglichen Meldung gemerkt???
Richtig, klingt fast so das es schade ist, das es nicht nur Männer getroffen hat, oder wie sonst kann man so eine Formulierung erklären?


Man muß sie so verstehen, wie sie gemeint ist. Der "normale Mensch" ist immer männlich bis zum Beweis des Gegenteils. Deshalb wird pauschal von 100 Toten geredet und deshalb wird gesagt, daß auch Mitglieder von Randgruppen darunter sind.


Im Satz

Zitat von :
Diese Fallhöhe ist dann am größten, wenn sich eine vermeintlich wohlgesinnte Begleiterin als Femme Fatale und Verräterin entpuppt, ...


stehen spoiler. Kann man das bitte ändern. Für mich ist es leider zu spät.

.
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Avatar GradCelsius
GradCelsius
#9 | 16. Nov 2009, 19:06
Finde Gemma Atkinson aus Command & Conquer: Alarmstufe Rot 2 weit hübscher als diese Polygon-Damen.

Hier einige Bilder von Gemma:
[url]http://www.wallpaperbase.com/celebs-g emmaatkinson.shtml[/url]
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Avatar White Saturn
White Saturn
#10 | 16. Nov 2009, 19:15
Zitat von Major Zer0:
Das wusst ich garnicht, ich finds dumm, dass spiele sich immer mit realpolitischen dingen messen und anpassen müssen. Soll ich dann bei dragon age in die richtige stadt gehen wo homoehe erlaubt ist oder wie? Die sollen am teppich bleiben, spiel ist spiel. Außerdem wenn sich schon über sexismus in spielen beschwert wird, sollte man die schuld beim entwickler und nie beim spieler suchen.


Ich finde erwachsene Spiele sind weit mehr als Holzbauklötze und ein wichtiges Stück gerade unserer Kultur. Das heisst aber auch die sie mit der selben Verantwortung umgehen müssen wie andere Kulturgüter.

Ich bevorzuge durchaus Spiele die mehr sind, als "nur am Teppich". Davon abgesehen thematisiert Dragon Age keine Diskussionen über Feminismus oder Homosexualität. Die Elemente sind vorhanden und natürlich wie es Mana oder Magie gibt.
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