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Report: Der bunte Rebell - Report

Rückblick: Die CDV-Story

Von Shareware, Sex-CDs und Sudden Strike: Als kleines badisches Unternehmen entwickelte sich CDV vom Diskettenvertrieb zeitweise zum größten deutschen Spiele-Publisher. Ihr Schmuddelimage wurde die Firma nie ganz los, inzwischen ist sie pleite.

Von Stefan Dworschak |

Datum: 30.06.2010


Als Wolfgang Gäbler und Christina Oppermann 1989 in Karlsruhe ihr Unternehmen mit dem sperrigen Namen »Computerdiskettenvertrieb « gründen, hat in Deutschland kaum jemand Internet, und in den Läden stehen nur Spiele von großen Anbietern. Kleine Entwickler und Hobbyprogrammierer setzen dagegen auf das Shareware-Konzept: Einen Teil der Software gibt’s kostenlos, nach einer Probefrist muss der Rest bezahlt werden. Gäbler und Oppermann speichern solche Shareware auf Disketten und schicken Sie mit der Post durch die Republik, auf Katalogbestellung und gegen Gebühr. So beginnt die Geschichte von CDV. Der Diskettenversand ist für Gäbler eigentlich nur ein Nebenverdienst während seines Physikstudiums. Aber das Geschäftsmodell erweist sich als so erfolgreich, dass sich die Weiterführung lohnt. Weil CDVs Kundenkartei wächst und Mitte der 90er die CD als neues Medium auftaucht, lohnt sich bald einweiterer Geschäftszweig: der Vertrieb erotischer Bildersammlungen. Lange vor dem Aufkommen der Internetpornografie ist das ein lukrativer Markt. Schon in jenen Tagen zeichnet sich CDV durch eine Firmenphilosophie aus, die untrennbar mit dem Erfolg der Firma verbunden bleiben wird, aber auch mit ihren Fehltritten: Das kleine Unternehmen kennt keine Berührungsängste, nimmt alles ins Programm, was Potenzial besitzt. Das Portfolio erstreckt sich von Shareware über Sexbildchen bis hin zu Lernsoftware.

Der bunte Rebell - Report : CDVs erster Auftritt als Publisher: die frivoleWirtschaftssimulation Wet: The Sexy Empire (1997). CDVs erster Auftritt als Publisher: die frivoleWirtschaftssimulation Wet: The Sexy Empire (1997).

CDV profitierte wie kaum eine andere Firma davon, dass der Software-Markt der Neunziger etwas von einem Abenteuerspielplatz hatte, auf dem der Mutige hochklettern konnte. »Die Jahre 96 bis 98 waren die spannendste Zeit«, erinnert sich Claudia Rieflin, anfangs persönliche Assistentin des CDV-Chefs Wolfgang Gäbler, später Pressesprecherin des Unternehmens. Da ist CDV bereits einige Zeit als Publisher im Spielesektor aktiv, wieder mit einem glücklichen Händchen in einer vermeintlichen Nische: Die Firma hatte sich den Deutschland-Vertrieb der beiden id-Software-Shooter Doom und Doom 2 sowie von Duke Nukem 3D (1996) gesichert, die aus der Shareware-Ecke kamen und den Massenmarkt aufrollten. Der Duke katapultiert die Karlsruher schließlich ins Rampenlicht. Ist man zuvor oft als Shareware-Klitsche verschrien und nicht selten belächelt worden, macht CDV nun von sich reden. Und lotet nebenbei noch die Grenzen des Jugendschutzes aus: Alle drei Shooter werden in Deutschland bald nach Erscheinen indiziert.

Aufbruchsstimmung

Trotz des wachsenden Erfolgs ändert sich am Charakter der Firma zunächst wenig, das Arbeitsklima bleibt familiär, die Hierarchien flach. Die Mitarbeiter hängen an der Firma.

Der bunte Rebell - Report : Im Jahr des Börsengangs landet CDV mit Sudden Strike einen gewaltigen Verkaufserfolg. Im Jahr des Börsengangs landet CDV mit Sudden Strike einen gewaltigen Verkaufserfolg. Allerdings hinkt die Professionalisierung der Geschäftsentwicklung hinterher, 1995 steckt die Pressearbeit bei CDV noch in Kinderschuhen. Als man dann beginnt, sich aktiv um Kontakte zu den Fachmedien zu kümmern, tut man es dafür umso intensiver. Ob IFA, ECTS, Frankfurter Buchmesse oder Cebit – die Karlsruher sind überall vertreten, wenn auch oft mit bescheidenen Mitteln. Auf der ersten E3 mit eigenem Stand, 1997, quetscht sich CDV in die letzte Ecke des Kellers. Um nicht ganz in der Masse zu versinken, schmuggeln die Mitarbeiter verbotenerweise eine Flasche mit Helium ins Messegebäude, um mit einem Ballon auf sich aufmerksam zu machen. Die unorthodoxe Arbeitsweise mit einem Hauch von Rebellion entspricht noch dem Lebensgefühl der Branche, in der Verträge schon mal mit einem Smiley unterschrieben werden. »Der Erfolg lag wohl daran, dass die Chemie stimmte zwischen den T-Shirt-Trägern von Epic Megagames, Apogee und CDV«, erinnert sich Claudia Rieflin. »Das waren kleine Garagenfirmen, irgendwelche Typen, die da in ihren ungewaschenen Klamotten saßen und deren Autos größer als ihre Büros waren. Das hat irgendwie gepasst. Es war ein bisschen anarchisch.«

Lula

Anarchisch geht es weiter. Hat sich CDV bis dato auf den Vertrieb von Erotiksoftware beschränkt, so tritt die Firma 1997 mit der in der Pornobranche angesiedelten Wirtschaftssimulation Wet: The Sexy Empire erstmals als Publisher auf.

Der bunte Rebell - Report : Bei Lula 3D verhindern immer neue Änderungswünsche und Abstimmungsschwierigkeiten einen Erfolg. Bei Lula 3D verhindern immer neue Änderungswünsche und Abstimmungsschwierigkeiten einen Erfolg. Das Spiel begründet eine ganze Reihe von Titeln um die Klischeeblondine Lula, die um die Jahrhundertwende zu einer der Ikonen des deutschen Spielemarkts aufstieg. Dass man sich an die leicht anrüchige Thematik überhaupt herantraut, liegt an der Hartnäckigkeit des Firmengründers. Wolfgang Gäbler ist überzeugt vom Potenzial des Titels und boxt das Projekt durch – gegen die Sorgen mancher Kollegen, man könnte sich mit Wet ins Abseits manövrieren, ja lächerlich machen. Tatsächlich gibt es hämische Reaktionen. Andererseits schafft es CDVs virtuelles Busenwunder sogar in das Magazin Stern, in dem ein Redakteur Einblicke in seine Gefühlswelt bezüglich der Desktop-Schönheit gibt. Mit ihrer Freizügigkeit sorgt die Lula-Reihe darüber hinaus für internationale Publicity. Vor allem nordamerikanische Medien zeigen großes Interesse am spielerischen Tabubruch.

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Avatar Casimir
Casimir
#1 | 30. Jun 2010, 18:02
War der Artikel nicht in einer der vergangenen Ausgaben im Heft? oO Sehr interessant zu lesen ist er aber trotzdem!
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Avatar MotW|masterburner
MotW|masterburner
#2 | 30. Jun 2010, 18:02
Toller Bericht. Ich liebe diese Hintergrundinformationen. Eigentlich hab ich die Zeitung auch nur noch aufgrund des Magazinteils im Abo.
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Avatar -=oWn4g3=-
-=oWn4g3=-
#3 | 30. Jun 2010, 18:04
Sudden Strike 2 war genial. Installiere ich heute noch ab und zu.

Schade, dass CDV den Bach runtergegangen ist, aber einige Spiele hätte man auch einfach schon sehr früh einstampfen sollen.
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Avatar IDkey
IDkey
#4 | 30. Jun 2010, 18:34
Hat jemand den Artikel Probe gelesen? Zwar ist er wirklich sehr interessant, aber voller Tipp-Fehler und teilweise fehlen ganze Worte. Scheinbar wurde hier eine Vorabversion veröffentlicht :P
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Avatar Razortec
Razortec
#5 | 30. Jun 2010, 18:56
Gutgeschriebene Story !!! Ich habe "Breed" nocdh in guter Erinnerung........... egal wie es gelaufe ist: "Schade um CDV" !!!
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Avatar SchmolleIchOderLolleIch
SchmolleIchOderLolleIch
#6 | 30. Jun 2010, 19:19
fehlen ein paar spielenamen im text
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Avatar Fred DM
Fred DM
#7 | 30. Jun 2010, 19:20
mir scheint als fehlen im artikel immer wieder die namen von spielen, auf die verwiesen wird.

sonst guter artikel, interessant. hab davon fast nichts gewusst und einen ganz anderen eindruck von CDV gehabt.
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Avatar Michael Obermeier
Michael Obermeier
#8 | 30. Jun 2010, 19:41
Zitat von IDkey:
Hat jemand den Artikel Probe gelesen? Zwar ist er wirklich sehr interessant, aber voller Tipp-Fehler und teilweise fehlen ganze Worte. Scheinbar wurde hier eine Vorabversion veröffentlicht :P


Das ist wie ich gerade sehe ein Bug. Und zwar sind alle Spielenamen die verlinkt wurden unsichtbar. Dadurch ergibt der Text natürlich keinen Sinn. Ich versuche das, sobald ich wieder im Büro bin zu reparieren.
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Avatar Heartwork
Heartwork
#9 | 30. Jun 2010, 19:53
Ich hab den Artikel schon im Heft gelesen und fand ihn sehr interessant, wie auch schon den Report zum Niedergang von Ascaron. Bitte mehr davon. Oh, und könnte man vielleicht WET als Vollversion demnächst mal auf die DVD-XL packen? Meine uralte Verkaufsversion verweigert unter Windows 7 64 bit den Dienst. Warum auch immer.
Auf jeden Fall Daumen hoch für den Artikel.
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Avatar Michael Obermeier
Michael Obermeier
#10 | 30. Jun 2010, 19:55
Danke für eure Hinweise, ich konnte das Problem von Zuhause aus lösen. Viel Spaß mit dem Artikel!
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