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Report: Das Gesetz der Serie

Warum Fortsetzungen Pflicht sind

Spiele ohne Vorgänger werden immer seltener. Gehen Spieleentwicklern die Ideen aus? Wir gehen im Report näher auf diese Frage ein und zeigen unterschiedliche Fortsetzungs-Trends.

Von Dennis Kogel |

Datum: 15.07.2012


Das Gesetz der Serie :

Zum Thema » Gute Idee? Schlechte Idee! 5 gescheiterte Spielideen » Furchtbare Fortsetzungen 10 Sequels, auf die man verzichten kann »Mein Vater wird sterben. Er lebt in Los Angeles - das ist ganz schön weit weg von mir - und es geht ihm gut im Moment, aber er ist krank. Das klingt unglaublich deprimierend, aber die letzten Erinnerungen an einen Menschen sind so stark, dass es immer schwerer wird, sich an sie als gesund und glücklich zu erinnern. Ich bin nicht sicher, ob ich ihn in diesem Zustand sehen will. Letztens habe ich mir das aktuelle Mario Kart gekauft. Das hat sich überraschend ähnlich angefühlt.« Edmund McMillen, der Erfinder des Hardcore-Jump&Runs Super Meat Boy, macht sich Sorgen. Über die Gesundheit seines Vaters. Und über endlose Spielefortsetzungen, die seine Kindheitserinnerungen an glückliche Stunden vor dem Super Nintendo zerstören.

Auf eine überzeichnete und makabere Weise drückt McMillen etwas durchaus Wichtiges aus: Kaum ein modernes Spiel ist keine Fortsetzung. Etwa zwei Drittel aller PC-Titel, die 2011 von den größeren Publishern veröffentlicht wurden, waren: Fortsetzungen, Neuauflagen und Haustiermöbelstückerweiterungen für Die Sims 3 . Das Jahr 2011 war das Jahr, in dem Nummern zum wichtigsten Bestandteil eines Spieletitels geworden sind. Einige der beliebtesten Spiele des letzten Jahres waren Fortsetzungen, so wie Portal 2 , Battlefield 3 oder Batman: Arkham City . Es sind großartige Spiele.

Nur: Während die Fortsetzungen gefeiert werden, sind es immer öfter Spiele ohne Vorgänger, die binnen kürzester Zeit in Vergessenheit geraten. Bethesdas Brink , ein Team-Shooter mit innovativen Bewegungsmöglichkeiten, wird kaum noch gespielt. Epics clevere Drauflos-Ballerei Bulletstorm war ein Kritikererfolg - nur kaufen wollte sie fast niemand. So interessant neue Spielkonzepte häufig klingen, gekauft wird das, was die Spieler schon kennen. »Es ist alles Geschäft«, winkt McMillen ab, »wenn bei Spielen das Geschäft Vorrang vor der Kunst hat, dann werden gute Ideen gemolken, bis nichts mehr da ist. Bis sie leer sind.« Gehen der Industrie also die Ideen aus?

Ideen-Ebbe?

»Es war noch nie schlimmer«, klagt Mark Harris, meint aber gar keine Spiele, sondern Filme. Auch Hollywood leidet an chronischer Sequelitis, der Fortsetzungskrankheit. Jeden Sommer verwirklicht die Filmindustrie mehr Fortsetzungen und weniger frische Ideen.

Das Gesetz der Serie : The Secret World: Die Kombination aus Mystery-Geschichten, Puzzles und Shooter- Mechaniken macht Funcoms neues Online- Rollenspiel zu einem spannenden Projekt. The Secret World: Die Kombination aus Mystery-Geschichten, Puzzles und Shooter- Mechaniken macht Funcoms neues Online- Rollenspiel zu einem spannenden Projekt. Harris ist Filmkritiker für das US-Magazin GQ und rechnet ab: »Hollywood ist eine Institution, der mehr daran liegt, Actionfiguren zu verkaufen, als interessante Filme zu drehen«, schreibt er empört und sehnt sich eine Zeit zurück, in der Regisseure mit vielversprechenden Ideen mehr Macht hatten als Marketingabteilungen. Laut Harris ist Hollywood ausschließlich an Markennamen interessiert. An Filmen, die sich zielgruppengerecht verkaufen und fortsetzen lassen. Filme, die Produkt sind, keine Kunst.

Auch für große Spieleentwickler gehört das zunehmend zum Geschäft »Ich denke, das hängt mit der beginnenden Reife unserer Industrie zusammen«, argumentiert Aaryn Flynn, der bei Bioware als General Manager die Mass Effect-Serie verantwortet. Für Flynn ermöglichen die Blockbuster allerdings Kreativität in anderen Bereichen: »Wir sehen in jedem Fall die Notwendigkeit von vorhersehbarem Erfolg und kalkulierbaren Risiken. Mit diesen Erfolgen können wir unsere Entwickler auch bei etwas gewagteren Spielen unterstützen.« Heißt: Serien bringen dank ihrer Fanbasis sichere Einnahmen, die man dann in neue Ideen investieren kann. Oder zumindest könnte.

»Was der Spieler nicht kennt, spielt er nicht«

Ein Blick auf die großen Namen des Spielejahres 2012 zeigt folgerichtig viele dieser »kalkulierbaren Risiken«: Diablo 3 , Mass Effect 3 , Dota 2 , Max Payne 3 , Far Cry 3 , Grand Theft Auto 5 - das sind nur einige der wichtigsten Fortsetzungen. Wo bleiben die gewagten Projekte?

Das Gesetz der Serie : Dishonored: Ein spannender, an den Schleich- Klassiker Dark Project erinnernder Shooter im Steampunk-Stil von Harvey Smith, dem Lead Designer des ersten Deus Ex. Dishonored: Ein spannender, an den Schleich- Klassiker Dark Project erinnernder Shooter im Steampunk-Stil von Harvey Smith, dem Lead Designer des ersten Deus Ex.

Spiele, die keine Fortsetzungen, keine Remakes und keine Lizenztitel sind, lassen sich im Portfolio der großen Publisher an einer Hand abzählen: Arkanes spannender Steampunk-Shooter Dishonored , ein paar Multiplayer-Neuzugänge wie Firefall und The Secret World , seltene Ausnahmen wie das witzige Quantum Conundrum , ein Puzzlespiel im Portal-Stil über das Reisen zwischen Dimensionen.

Die Konzentration auf Fortsetzungen ist durchaus verständlich in einem Klima, in dem der Publisher THQ Verluste von über 55 Millionen Dollar schreiben musste, nachdem er versucht hatte, mit neuen Marken wie dem mittelmäßigen Shooter Homefront zu punkten. Doch was hat zu diesem Klima geführt? Weshalb ist die Entwicklung von originellen Ideen und Titeln so riskant geworden? Wieder lohnt sich der Blick auf Hollywood, um Antworten zu bekommen.

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Avatar Cd-Labs: Radon Project
Cd-Labs: Radon Project
#1 | 15. Jul 2012, 14:56
Ein sehr guter Report, der mich auch schon im Heft begeistert hat!

Allerdings sollte man auch bedenken, dass es selten gute Fortsetzungen gibt!
Bis auf Skyrim, Arkham City und Drakensang: aFdZ gab es in den letzten beiden Jahren eigentlich keine...

Und wieder hagelts unbegründet Downvotes...
Ich habe damit gemeint, dass es keine Spiele ansonsten gab, die den KERN des Vorgängers analysiert und verbessert haben!

Und ja, ich habe Witcher II vergessen...

Schreibt doch wenigstens, was ihr kritisiert, dann kann man auch vernünftig und interessant diskutieren!
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Avatar Acroneos
Acroneos
#2 | 15. Jul 2012, 14:57
Ist doch egal ob es die 100ste Fortsetzung ist - hauptsache das Spiel selbst macht Spaß! Ich zB freue mich auf Total War: Rome 2 !
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Avatar CrazyGamer
CrazyGamer
#3 | 15. Jul 2012, 15:00
Ich finde Fortsetzungen nicht schlecht aber diese schnell durchgeleierten Sequels alà Call of Duty sind doch echt langweilig. Jedes Jahr das gleiche Spiel zu kaufen geht wohl auch nur bei Spielen durch oder wer würde gerne Matrix doppelt schauen?
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Cd-Labs: Radon Project
#4 | 15. Jul 2012, 15:03
Zitat von CrazyGamer:
Ich finde Fortsetzungen nicht schlecht aber diese schnell durchgeleierten Sequels alà Call of Duty sind doch echt langweilig. Jedes Jahr das gleiche Spiel zu kaufen geht wohl auch nur bei Spielen durch oder wer würde gerne Matrix doppelt schauen?

Genau!
COD im Spielebereich (die immer gleiche Fortsetzung) und Fortsetzungen wie Matrix 2 und 3 (Fortsetzung ohne Seele) haben im allgemeinen Verständnis den Begriff "Fortsetzung" in den Dreck gezogen!

Dabei ist eine gute Fortsetzung, die also Stärken des Vorgängers ausbaut und die Schwächen eleminniert das beste, was es im Gaming-Bereich geben kann!
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Avatar shuno
shuno
#5 | 15. Jul 2012, 15:08
Zitat von :
Mass Effect 2 [...] komplexen[ Rollenspiel-Entscheidungen harmonieren


Humor hat der Autor.
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Avatar Ixal
Ixal
#6 | 15. Jul 2012, 15:09
Doppelpost
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Avatar Ixal
Ixal
#7 | 15. Jul 2012, 15:12
Zitat von :
Niemand wird sagen: ›Oh mein Gott, Mario Party 12 ist das beste Spiel aller Zeiten


Nein, aber viele sagen das Master of Orion 2, nicht 1, das beste 4X Spiel aller Zeiten ist.

Fortestzungen müssen nicht schlecht sein, aber sie müsen den Vorgänger erweitern und zwar richtig. Aber viele Fortsetzungen sind praktisch nur neue Level für das Hauptspiel.

Und der Kommentar zu Mass Effect ist Schwachsinn. ME1 war eine Mischung aus Shooter und RPG (Welche aber auch nicht komplett neu war, siehe Vampire Bloodlines). ME2 und 3 sind shooter mit ein bischen multiple choice Dialogen.

Heutzutage muss man aber schon froh sein wenn die Publisher Fortsetzungen machen anstatt einfach gleich Remakes.
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Avatar Dee-Jay
Dee-Jay
#8 | 15. Jul 2012, 15:17
Zitat von Ixal:


Nein, aber viele sagen das Master of Orion 2, nicht 1, das beste 4X Spiel aller Zeiten ist.

Fortestzungen müssen nicht schlecht sein, aber sie müsen den Vorgänger erweitern und zwar richtig. Aber viele Fortsetzungen sind praktisch nur neue Level für das Hauptspiel.


Das ist der Schlussel.

Zum einen muss die Handlung weitergefuhrt werden, oder zumindest die Welt weitergebildet werden.

Vor allem muss aber das Game-play reformiert werden ohne das Orginal total zu entfremden.
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Avatar patze86
patze86
#9 | 15. Jul 2012, 15:17
fortsetzungen an sich sind nichts schlechtes. ganz im gegenteil, wenn mich ein game oder eine spielwelt begeistert und gefesselt hat, freue ich mich riesig über ein erneutes abenteuer dort.

das problem ist nur, dass fortsetzungen häufig dazu misbraucht werden, um aus dem image eines oftmals guten ersten teils, einfach noch mehr cash rauszuholen ohne aber selbst ein gutes spiel zu sein. oder man startet darasu eine serie immer gleicher nur leicht bis minimal abgewandelter ableger, welche dann nicht nur neuentwicklungen ausbremsen, sondern teilweise zahlreiche nachamer finden, welches das problem potenziert.
aber dieses model muss ja anscheinend erfolgreich sein und genug fans haben, sonst würde es nicht solange bestand haben. mir ist das persönlich zwar unverständlich, aber wenn die scheinbare mehrheit es so will, wer bin dann ich....

ich jedenfalls freue mich über fortsetzungen ala kotor 2, witcher 2, deus ex hr, total war "X", ..... solange solche spiele nicht aussterben, bin ich glücklich.
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Avatar Bredator
Bredator
#10 | 15. Jul 2012, 15:22
Deus Ex war eine der wichtigsten Fortsetzung der letzten Zeit und hat seinen ersten Serienteil in Qualität und Atmosphäre erreicht... und ich warte immer noch auf System Shock 3 ... und nein, Bioshock hat nicht mal annähernd die Klasse eines System Shock 2 gehabt.
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