GameStar beim ZDF : Sie erinnern sich sicher: Am 26. April 2005 strahlte das ZDF in der Sendung Frontal 21 einen Bericht mit dem Thema »Gewalt ohne Grenzen -- brutale Computerspiele im Kinderzimmer« aus. Autor des Beitrags: Dr. Rainer Fromm. Deutschlandweit empfanden Spieler den Bericht als diffamierend, einseitig und unfair. In den Online-Foren des ZDF eskalierten die Proteste. Einige Spieler gingen sogar so weit, Morddrohungen gegen Dr. Fromm und seine Familie auszusprechen. GameStar veröffentlichte online eine Kolumne zur Sendung und Ende April einen Offenen Brief an den Chefredakteur des ZDF, Nikolaus Brender. Wir wollten damit den betroffenen Spielern eine Stimme geben und die erhitzte Diskussion in sachlichere Bahnen lenken. Über 50.000 Spieler unterzeichneten den Brief, es entwickelte sich eine offene Diskussion in den Foren von gamestar.de und auf den Leserbriefseiten unseres Heftes.

Anfang Juni nahmen wir die Petition offline und kontaktierten das ZDF, um die Übergabe der rund 51.000 Online-Unterschriften zu vereinbaren. Am 2.9 war es dann soweit: Unser Chefredakteur, Gunnar Lott, reiste nach Berlin in das ZDF-Hauptstadtstudio, wo die Redaktion von Frontal 21 arbeitet. Anwesend waren: Dr. Rainer Fromm, Dr. Claus Richter (Redaktionsleiter), Theo Koll (Moderator) und Nikolaus Brender, der Chefredakteur des ZDF. Allein die Besetzung zeigte, dass das ZDF die Angelegenheit ernst zu nehmen bereit war.

Konstruktive Diskussion

GameStar beim ZDF : GameStar-Chefredakteur Gunnar Lott im Gespräch mit den wichtigsten Akteuren der Frontal 21-Redaktion. GameStar-Chefredakteur Gunnar Lott im Gespräch mit den wichtigsten Akteuren der Frontal 21-Redaktion. Das Treffen begann in lockerer Atmosphäre: Die Herren vom Fernsehen hatten nicht nur GameStars Berichterstattung verfolgt, sie hatten sogar unsere Frontal 21-Parodie »Brontal 25« gesehen -- und nahmen die Sache sehr sportlich: »Ihren Moderator sollten wir abwerben«, scherzte Herr Brender. Im eigentlichen Gespräch ging es dann aber zur Sache. Gunnar Lott stellte dar, dass die Spieler die voreingenommene Art der Berichterstattung in Publikumsmedien leid sind. Seiner Meinung nach zeigen die großen Medien immer nur zwei Seiten der Spiele: die Gewalt und die wirtschaftlichen Aspekte der Industrie. Spiele als kulturelles Medium oder Massenphänomen kommen sehr selten vor. Dr. Fromm hielt dem entgegen, dass der letzte Frontal 21-Bericht (vom 23.8.) sehr differenziert mit dem Thema »World of WarCraft« umgegangen sei, Dr. Richter sekundierte, dass man die Frontal 21-Beiträge über Spiele (mittlerweile deren vier) als Ganzes sehen müsse, da man sich nach und nach verschiedener Facetten des Themas annähme. »Frontal 21 ist nicht für oder gegen etwas«, fügte er hinzu, »Frontal 21 berichtet. Die Zunahme der Gewalt in der Gesellschaft ist eben ein wichtiges Thema für uns«.

Gunnar Lott merkte an, dass sich seiner Meinung nach sachlichere Formen für das Thema hätten finden lassen. Dr. Richter entgegnete, dass Frontal 21 generell ein Magazin sei, bereit ist, sich Feinde zu machen, wenn es der Sache diene -- als politisches Format sei es ihre Aufgabe, auf erkannte Missstände hinzuweisen. Sein Chef, Herr Brender, fügte hinzu, dass er zwar selber nicht spiele (dafür immerhin seine Enkel), sich aber Sorgen über die Gewalt-Bilder mache, mit denen Jugendliche konfrontiert sind. Er verstehe schon, dass abstrahierte Gewalt beim Spielen wichtig sei (und erinnerte an seine Erfahrungen als Kind beim Spielen von »Cowboy und Indianer«), die Deutlichkeit der Darstellung ginge ihm aber mittlerweile zu weit. Das sei auch ein Thema für das ZDF allgemein, das auch bei den eigenen Nachrichten versuche, eine vernünftige Balance zu finden -- etwa bei Berichterstattung über Kriege und Katastrophen.