Von der Ankündigung eines Computerspiels bis zu dessen Erscheinen können viele Monate vergehen, mitunter sogar Jahre. Diese Zwischenzeit ist für die Hersteller von großer Wichtigkeit. In ihr entscheidet sich, welche Erwartungshaltung sich zu ihrem Spiel bildet, welche Stimmung unter den potenziellen Käufern vorherrscht. Im besten Fall natürlich große Vorfreude. Manchmal aber auch große Skepsis. So ein Fall ist Command & Conquer 4.

Am 9. Juli hatte Electronic Arts das Echtzeit-Strategiespiel über die US-Webseite Gamespot angekündigt. Command & Conquer ist die langlebigste Echtzeit-Strategieserie, sie hat weltweit Millionen von Fans. Laut Electronic Arts haben sich die C&C-Spiele global mehr als 25 Millionen mal verkauft. Command & Conquer ist eine große, beliebte Marke.

Man sollte meinen, dass die Fans jedes neue Spiel mit offenen Armen empfangen. Tatsächlich herrscht seit der Ankündigung von Command & Conquer 4: Tiberian Twilight gerade bei den Serienveteranen Katerstimmung. Durch die Community-Foren und News-Kommentare kriecht seit Monaten schlechte Laune. »Ich denke, das könnte einer der größten Spieleflopps dieses Jahr werden«, unkt ein User auf GameStar.de. »Seit ich weiß, wie die das Gameplay in C&C 4 versaut haben, steht der Titel auf meiner ›to ignore‹-Liste«, schimpfen die Fans, orakeln »C&C 4 wird die Serie zu Grabe tragen«, verspotten den Titel als »Command & Casual« oder bescheiden trocken: »Und tschüss.«

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»Das Spiel taugt nichts«

Nun ist es durchaus nicht ungewöhnlich, dass sich in Internet-Diskussionen Sorge und Unmut entladen, oft vorschnell. Aber im Fall von Command & Conquer 4 schwappte die Ernüchterung im November 2009 selbst durch das Forum der geschlossenen Beta, also durch den Kern der engagierten Spieler, die als erste zu Testzwecken Hand an den Multiplayer-Part des Spiels legen durften. »Hat dich die Beta davon überzeugt, das Spiel vorzubestellen?«, lautet eine Umfrage im internen Forum. Von 111 Teilnehmern sagten nur ein Drittel, sie würden das Spiel vorbestellen oder am Erscheinungstag kaufen. 28% fassten die Anschaffung »irgendwann« ins Auge, 40% der Abstimmer wählten dagegen die letzte Option: »Das Spiel taugt nichts.«

Command & Conquer 4 : Im Beta-Forum diskutieren die Spieler über ihre Erfahrung mit C&C 4. Im Beta-Forum diskutieren die Spieler über ihre Erfahrung mit C&C 4. »Die Erwartungen in der Community und teilweise auch in der Presse sind mittlerweile sehr gesunken«, beobachtet entsprechend Eric Krause, Redakteur bei der offiziellen Community-Seite CnC Inside. Den Grund für die Skepsis vieler Serienkenner fasst ein Kommentator auf GameStar.de bündig zusammen: »Kein (richtiger) Basisbau. Keine (selten dummen) Ernter. Kein richtiges Command & Conquer.«

»C&C ist eine Strategiereihe, die an sich selbst gehobene Ansprüche stellt, was Atmosphäre, Story, Einheitendesign und Sound angeht«, definiert Eric Krause den Markenkern des C&C-Universums. Viele Fans verbinden mit der traditionsreichen Serie ein ganzes Bündel lieb gewonnener Eigenschaften: die leicht trashigen Filmschnipsel natürlich, aber vor allem ausgefeilten Basisbau, ein solides Wirtschaftssystem, klar abgegrenzte Parteien und Kämpfe mit taktischem Mikromanagement. Das sind, einerseits, fast schon altmodische Tugenden der klassischen Echtzeit-Strategie. Andererseits ist genau das das Problem. Denn Electronic Arts möchte die Marke C&C gern modernisieren.