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Special: Christian Schmidts Jubiläumsrückblick

Gleichzeitig Clown und Professor

Christian Schmidt war von 1998 bis 2011 in verschiedenen Positionen bei GameStar. Heute ist er Analyst bei Bigpoint. Er beschreibt, was es heißt, ein GameStar-Redakteur zu sein.

Von Christian Schmidt |

Datum: 02.09.2012


Christian Schmidts Jubiläumsrückblick : Christian Schmidt in seinen jungen Jahren bei GameStar. Christian Schmidt in seinen jungen Jahren bei GameStar. Zum Thema » 15 Jahre GameStar Tops, Flops, Videos und Meinungen Ich hatte mein Aha-Erlebnis im Winter 1998, als in der U-Bahn in Nürnberg ein junger Mann auf mich zukam und sagte: »Bist du nicht bei GameStar?« Ich war überrumpelt und dann furchtbar stolz. Vor allem aber dämmerte mir damals zum ersten Mal eine Ahnung davon, in was für eine privilegierte Position ich gerutscht war: Dass meine Arbeit das Leben von hunderttausenden Menschen berühren würde. Ich bin Spieletester geworden, weil ich für nichts anderes geeignet war. Ich ging zu GameStar, weil es damals das einzige Spielemagazin war, das mich haben wollte. Ich hatte als 21jähriger keine großen Ambitionen, keine Ideologie, ich wollte einfach nur über Spiele schreiben. Und auf einmal las eine Viertelmillion Menschen meine Texte.

Eine Viertelmillion Menschen, die mich kannten, weil sie mein Bild im Heft sahen, mein engagiertes Dilettieren in den Raumschiff-GameStar-Sketchen belächelten, meine Artikel lasen. Ich kann nicht sagen, dass mir diese Dimension von Anfang an bewusst war. Ich testete doch nur Spiele. Ich begriff erst später, was für ein Geschenk die Jahre bei GameStar waren - wieviele Menschen die GameStar-Redaktion als einen Zirkel von Freunden sahen, mit denen sie groß wurden und auf deren monatliche Abenteuer sie sich freuten wie auf die nächste Folge einer liebgewonnenen TV-Serie. GameStar-Redakteur zu sein hieß, gleichzeitig Clown und Professor, gleichzeitig Freund und Autorität zu sein.

Christian Schmidts Jubiläumsrückblick : Christian Schmidt kann auch heute überhaupt keinen Spagat. Und lächerlich hat er sich sowieso nie gemacht. Christian Schmidt kann auch heute überhaupt keinen Spagat. Und lächerlich hat er sich sowieso nie gemacht. Man kann sich bei diesem seltsamen Spagat leicht lächerlich machen. Bei GameStar gelang er, und das daran, dass sich die Redaktion der Verantwortung bewusst war, die das Vertrauen der Leser mit sich brachte. Die Verpflichtung zu Wahrheit, Sorgfalt, Aufrichtigkeit und Rechenschaft. Der unbedingte Wille zu Exzellenz. Wir wollten die Besten sein, nicht für uns, sondern für unsere Leser. Wir nannten GameStar »Das Schlachtschiff«, wir hatten eine Mission. Ich habe diesen Geist als junger Redakteur aufgesogen, er hat mich geprägt. Ich war immer überzeugt davon, dass unsere Werte, unser Qualitätsstreben - auch unsere Kreativität! - auf unsere Leser abstrahlen würden, und dass wir auf unsere Weise einen Beitrag zur Bereicherung ihres Lebens leisten. Das hat meine Arbeit mit großem Sinn erfüllt. Es war eine fantastische Zeit. Ich bin stolz, für eine Weile Teil dieser Mannschaft gewesen zu sein.

Es ist kein Geheimnis, dass die großen Tage dieser Zeitschrift einige Jahre zurückliegen; heute wird ihr Erbe im Internet weitergetragen. Das Heft wird auf seinem Weg zum 20. Jubiläum einen neuen Sinn für sich suchen müssen. Geburtstagskinder dürfen sich bekanntlich etwas wünschen, aber ich möchte die Gelegenheit nutzen, um stattdessen einen Wunsch an GameStar zu richten: Erzählt mehr Geschichten über Spiele statt nur Geschichten aus Spielen! Und tragt den Geist von GameStar weiter. Papier vergeht. Inspiration überdauert.

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Avatar maximiZe
maximiZe
#1 | 02. Sep 2012, 13:35
:hoch:
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Avatar OwningMethod
OwningMethod
#2 | 02. Sep 2012, 13:47
Ich befürchte, dass die Wahrheit nicht mehr über allen Tests liegt. Bei einigen Spielen denke ich schon, dass dort die Spieleentwickler Einfluss genommen haben.
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Avatar kidow
kidow
#3 | 02. Sep 2012, 13:50
Er war bis zuletzt mein Lieblingsredakteur von Gamestar.
Sein Schreibstil hat mich immer gefesselt und das spiegelt sich jetzt auch in diesem grandiosen Rückblick wieder.
Und wie recht ich Ihm in seinem letzten Absatz gebe ...
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Avatar Black Baron
Black Baron
#4 | 02. Sep 2012, 13:56
Man beachte vor allem den letzten Absatz. Überhaupt merkt man dem Rückblick an, dass da jemand schreibt, der Spiele nicht nur als Hobby versteht, das man nach ein paar Jahren gegen ein anderes Interessen-Feld eintauscht.

Ich danke der GameStar-Redaktion, dass sie Christian hier schreiben lassen, nachdem sein Abgang eher schwierig gewesen sein muss, wenn man im Nachhinein seine ausführliche und beschwörende Kritik an der Spieletester-Branche bei SpOn in Betracht zieht.

Und generell danke ich dafür, dass man diesen wirklich ausführlichen und umfangreichen Rückblick in Form so vieler Texte auch von ehemaligen GS-Schreibern auch hier auf der Online-Präsenz zeigt. Man hätte das Ganze auch leicht als exklusive Artikel für die Jubiläums-Ausgabe zurückhalten und deutlich später ins Netz stellen können, das hatte ich zumindest zunächst befürchtet. Ein ausdrückliches Lob dafür und natürlich für die Arbeit dahinter!
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Avatar Lehtis
Lehtis
#5 | 02. Sep 2012, 13:58
"Erzählt mehr Geschichten über Spiele statt nur Geschichten aus Spielen! Und tragt den Geist von GameStar weiter. Papier vergeht. Inspiration überdauert."
Da kann man nur zustimmen.

Ich hoffe das er mal wieder Artikel schreibt. Vll auf StayForever?
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Avatar Wertungsfanatiker
Wertungsfanatiker
#6 | 02. Sep 2012, 14:03
Wie immer beeindruckt der Schreibstil von Christian. Auch wenn der The Witcher - Test 2007 unangebracht negativ war, hat Christian gerade bei den Rollenspielen stets die Faszination, aber auch klare Kritik deutlich herausgestellt.

Daran kann sich die aktuelle Gamestar - Redaktion noch immer ein Beispiel nehmen.
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Avatar Bastius
Bastius
#7 | 02. Sep 2012, 14:18
Der Beste, den Gamestar je hatte.
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Avatar RD.SQUIRREL
RD.SQUIRREL
#8 | 02. Sep 2012, 14:20
Zu Befehl, Commander Shepard! ;-)

Der Mittelteil liest sich wie eine Ansprache an die, die aktuell als Redakteure die Fahne von GAMESTAR (in welcher Form auch immer) tragen.

Vermutlich aber wird durch die ersten 20+ Kommentare diesem positiven und als Motivation gedachten Kommentar durch sinnlose Meckereien jeglicher Schwung genommen.
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Avatar Ludwig
Ludwig
#9 | 02. Sep 2012, 14:36
Vielen Dank an Herrn Schmidt für die gute Arbeit!

Er und der Herr Lott waren mir die liebsten. Besonders Herrn Schmidt's Reportagen haben es mir angetan. Sehr guter Spielejournalismus, auch abseits des GS-Tagesgeschäfts (Vorschauen & Testberichte).
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Avatar Zippo Bibrock 5X10^8
Zippo Bibrock 5X10^8
#10 | 02. Sep 2012, 14:49
Christian, du hast bei GS immer nen Höllenjob gemacht. Deine Artikel waren stets die besten (mit Abstand). Immer wenn ich das Heft am Erscheinungstag in den Händen hielt, hab ich zuerst nach den Artikeln gesucht, die Du geschrieben hast und es danach meist weg gelegt.

Schade, dass du heute nicht mehr für GS schreibst.... Die Qualität hat auf jeden Fall gelitten. Heute findet man hier in der Hauptsache noch irrelevante "News", journalistisch mies aufbereitet (gerne mit Fragezeichen in der Überschrift), die meist bewusst so formuliert sind, dass sie zu vielen Klicks führen.

"Apple: Chinesische Arbeiter begehen wegen Arbeitsbedingungen Selbstmord?"

"Nvidia: Neue GPU-Generation schneller als alte?"

"Diabolo 3: ..."
"Minecraft: ...."
"Diabolo 3: ..."
"Minecraft: ...."
"Diabolo 3: ..."
"Minecraft: ...."
"Diabolo 3: ..."
"Minecraft: ...."
"Diabolo 3: ..."
"Minecraft: ...."

Man sollte deinen Vorschlag im letzten Abschnitt beherzigen. Leider fehlt mir etwas der Glaube daran, dass sich da nochmal was ändert. Die GS war wirklich mal großartig, heute kann ich das meiste nur belächeln. Schade.

BTW: Heute wurde Half Life: Black Mesa offiziell angekündigt. Das wäre doch tatsächlich mal ne News wert.
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