Artikel

Die Artikel-Übersicht auf GameStar.de mit Previews, Hintergrund-Berichten, Reports, Kolumnen, Interviews, Kinofilm-Kritiken und mehr.

Special: Werd erwachsen, Deutscher Computerspielpreis

Warum Andre Peschke und Heiko Klinge ihre Jurytätigkeit beenden

Fünf Jahre lang haben sich Andre Peschke und Heiko Klinge ehrenamtlich beim Deutschen Computerspielpreis als Jurymitglieder engagiert. Doch die Weigerung der Ausrichter, Computerspiele als Kulturmedium ernst zu nehmen, zwingt sie zum Austritt.

Von André Peschke |

Datum: 13.05.2014


Der Deutsche Computerspielpreis ist der höchstdotierte Preis für Computerspiele in Deutschland. Er wird seit 2009 gemeinsam von der Bundesregierung und den Branchenverbänden G.A.M.E. und BIU vergeben. Seit Gründung des Preises sind auch GameStar-Redakteur Andre Peschke und GamePro-Chefredakteur Heiko Klinge Mitglieder der Jury. Bis jetzt.

Stein des Anstoßes ist die folgende Neuregelung der Vergabekriterien des Preises, in der beide ehemaligen Jury-Mitglieder eine rückwärtsgewandte Abkehr im offenen Umgang mit Spielen für ein erwachsenes Publikum sehen:

Die genannten Kategorien des DCP werden unter folgenden Voraussetzungen durch eine neue achte, als »Jury Award« bezeichnete und dotierte Kategorie des DCP ergänzt, die im Detail wie folgt gehandhabt wird: Diese Kategorie wird nur aktiviert, wenn ein Spiel mit der Alterskennzeichnung »USK 18« von der maßgeblichen 2/3-Mehrheit der Hauptjury zwar zum Sieger einer der sieben Kategorien des DCP bestimmt wird, mindestens drei Mitglieder der Hauptjury jedoch der Ansicht sind, dass das betreffende Spiel nicht im Sinne der Kriterien »pädagogisch und kulturell wertvoll« ist.

Dies führt dazu, dass der Titel in die dann wirksam werdende Kategorie »Jury Award« einfließt. Liegt in dieser Kategorie nur ein Titel vor, wird dieser automatisch Sieger in dieser Kategorie; liegen mehrere Titel in dieser Kategorie vor, so entscheidet die Jury wie in den anderen Kategorien mit 2/3-Mehrheit, welcher von ihnen Sieger in der Kategorie »Jury Award« wird.

Mit anderen Worten: Selbst wenn die überwiegende Mehrheit der Jury ein Spiel für preiswürdig hält, kann eine kleine Minderheit die Auszeichnung in den regulären Kategorien, wie insbesondere mit dem Hauptpreis Bestes deutsches Spiel, unterbinden. Eine Regelung, die Ausschließlich für Titel mit einer USK-Freigabe ab 18 Jahren gelten soll. Der betroffene Titel würde in einem solchen Fall in eine neu geschaffene Jury-Kategorie abgeschoben, wo er ohne Beteiligung der politischen Träger prämiert wird. Eine Bestimmung, die für beide Redakteure unter Beweis stellt, dass die Ausrichter des Preises die Behandlung von Spielen als Kulturgut zweiter Klasse befördern, oder zumindest tolerieren.

Computerspielen, so scheint es, soll nach wie vor ein mit anderen Medien gleichberechtigter Umgang mit erwachsenen Inhalten und Themen verwehrt bleiben. Andre Peschke und Heiko Klinge übereinstimmend: »Solange diese Regelung und die mit ihr verbundene Geisteshaltung Bestand haben, distanzieren wir uns von unserer Beteiligung am Deutschen Computerspielpreis«.

In unserem Video sprechen Andre und Heiko insbesondere auch darüber, warum sie trotz vorhergehender Frustrationen Mitglieder der Jury geblieben sind, über den Wert, den der Deutsche Computerspielpreis hat und wieso sie gerade jetzt diese bereits seit letztem Jahr existierende Regelung zum öffentlichen Austritt getrieben hat.

Diesen Artikel:   Kommentieren (222) | Drucken | E-Mail
Sagen Sie Ihre Meinung (» alle Kommentare)
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten!
» Zum Login

Sie sind noch nicht in der GameStar-Community angemeldet?
» Zur kostenlosen Anmeldung
Erster Beitrag  |  » Neuester Beitrag
1 2 3 ... 19 weiter »
Avatar ZuluVier
ZuluVier
#1 | 13. Mai 2014, 14:18
Dieser Kommentar wurde ausgeblendet, da er nicht den Kommentar-Richtlinien entspricht.
Avatar Timber.wulf
Timber.wulf
#2 | 13. Mai 2014, 14:19
Gleich der erste Post eine Verschwörungstheorie, geil! :corn:
rate (138)  |  rate (51)
Avatar hennim
hennim
#3 | 13. Mai 2014, 14:21
Vollkommen nachvollziehbar und meiner Meinung nach gerechtfertigt.
Irgendwie hab ich das Gefühl, das Deutschland immernoch Probleme mit diesen 'neuen' Medium namens Videospiel hat.
rate (150)  |  rate (3)
Avatar RedRanger
RedRanger
#4 | 13. Mai 2014, 14:25
Zitat von Timber.wulf:
Gleich der erste Post eine Verschwörungstheorie, geil! :corn:


Naja bis auf "vollständig fremdgesteuert" beschreibt das doch ziemlich gut die deutsche Regierung.

Davon abgesehen finde ich es arg weit ausgeholt von diesem Computerspiele-Preis den Bogen zu einer "Verschwörungstheorie" zu spannen.

Das zeigt einfach nur, das die alte Führungsriege erstmal aussterben muss, bevor dann in 2-3 Politikergenerationen endlich frische Ideen aufkommen können, wo man dann auch Computerspiele so ernst wie sonstige Kulturprodukte wie Filme, Bücher und Musik nimmt.
rate (88)  |  rate (12)
Avatar leonlykos
leonlykos
#5 | 13. Mai 2014, 14:29
Austritt ist längst überfällig, aber besser spät als nie.
rate (38)  |  rate (2)
Avatar Bakefish
Bakefish
#6 | 13. Mai 2014, 14:30
Respekt, dass ihr euch dann auch wirklich daran haltet und es in die Wahrheit umsetzt.
Schon schade. In den letzten Jahren haben immerhin schon viele Vorurteile gegen Zocker abgenommen, doch bis zur vollständigen Integration dieser in unsere Gesellschaft ist es wohl noch ein langer Weg...
rate (45)  |  rate (1)
Avatar servana
servana
#7 | 13. Mai 2014, 14:30
Zitat von ZuluVier:
Diese Regelung gibt es in fast allen Bereichen. Der Vasallenstaat BRD ist vollständig fremdgesteuert und heuchelt eine FAST perfekte Scheindemokratie vor.

Hat Schäuble sogar öffentlich zugegeben. Und dieser Lügenapparat Deutschland wagt es mit dem Finger auf Russland zu zeigen. Naja, Lügenapparat eben


Pff...wayne Deutschland, die gesamte EU ist eine Marionette von den USA. Die Russen sind halt noch die einzigen die frei entscheiden können, und werden als Ausgleich dafür von allen schlecht geredet.

*Öl ins Feuer gieß*
rate (34)  |  rate (67)
Avatar Aldaris85
Aldaris85
#8 | 13. Mai 2014, 14:32
Von der Bundesregierung vergeben. Und die besteht aus CDU und SPD, deren Altersdurchschnitt bei jeweils über 60 Jahren liegt. Ich glaube nicht, dass sich da in der nächsten Zeit etwas ändern wird.
rate (57)  |  rate (2)
Avatar Kehool
Kehool
#9 | 13. Mai 2014, 14:35
man hätte noch anmerken können wie viele mitglieder die jury eigentlich hat, sonst ist die bemerkung "kleine minderheit" im bezug auf 3 gegenstimmen etwas nichtssagend

ansonsten kann ich diesen schritt allerdings nachvollziehen

es ist ein unding wie PC spiele hierzulande nach wie vor behandelt werden
rate (22)  |  rate (9)
Avatar cpt.ahab
cpt.ahab
#10 | 13. Mai 2014, 14:35
Ich müsste mal den Preis gewinnen. Bei der Rede hätte ich was nettes zu sagen.
rate (18)  |  rate (2)

PROMOTION
 
top Top
Werde Fan von GameStar auf FacebookFacebook Aboniere den YouTube-Kanal von GamestarYouTube Besuche Gamestar auf Google+Google+ GameStar auf Twitter folgenTwitter Alle RSS-Feeds von GameStar.deRSS-Feeds Jetzt GameStar-Newsletter bestellenNewsletter
© IDG Entertainment Media GmbH - alle Rechte vorbehalten