Zum Thema » Preview-Video Kommentierte Alpha-Spielszenen » E3 2010-Video Ein Dungeon aus Arcania Gothic 4 ab 6,23 € bei Amazon.de ArcaniA - Gothic 4 für 19,99 € bei GamesPlanet.com Jowood macht sich Sorgen. Ob der Artikel in GameStar denn auch »einen positiven Grundton « habe, will die Pressesprecherin am Telefon wissen. Ihr Kollege möchte den Text am liebsten vorab lesen. Im Wiener Hauptquartier des Publishers ist die Stimmung angespannt. Es geht ja auch um einiges. Es geht um Arcania: Gothic 4. Seit der Publisher Jowood und das Gothic-Entwicklerteam Piranha Bytes im Mai 2007 im Streit auseinandergingen, liegt das Schicksal von Deutschlands wichtigster Rollenspielserie in den Händen der Österreicher. Die beauftragten ein neues Team, Spellbound aus Kehl am Rhein.

Das war vor zweieinhalb Jahren. In der Zwischenzeit hat Piranha Bytes eine eigene Neuinterpretation der Reihe aus dem Boden gestampft, ein Klon unter dem neuen Namen Risen: grundsolide, aber altbacken, ein Gothic von gestern. Nun ruhen alle Augen auf Spellbound und deren Fortentwicklung der Serie. Über die weiß man noch immer wenig für ein Spiel, das in gut vier Monaten erscheinen soll. Noch nicht mal der Name war bislang eine sichere Bank: Jowood hat ihn schon zweimal geändert, von Gothic 4: Arcania in Arcania: A Gothic Tale und unlängst zurück zu Arcania: Gothic 4.

Arcania: Gothic 4 : Vom Plateau der Festungsstadt Stewark hat der neue namenlose Held einen herrlichen Ausblick auf die Insel Argaan mit ihrem Zentralmassiv. Vom Plateau der Festungsstadt Stewark hat der neue namenlose Held einen herrlichen Ausblick auf die Insel Argaan mit ihrem Zentralmassiv.

Auf der E3 2010 gab es nur einen düsteren Dungeon zu sehen; die letzten umfangreichen Eindrücke aus dem Programm stammen noch von der Branchenmesse Gamescom im August 2009. Monatelang bemühte sich GameStar darum, Arcania zu sehen zu bekommen. Schon einmal schien der Termin fix, dann sagte Jowood kurzfristig ab: Man wolle das Spiel erst vorzeigen, wenn es rund sei. Die Österreicher sind ein gebranntes Kind, einerseits: Das bugverseuchte Gothic 3 und das katastrophale Addon Götterdämmerung haben den Ruf der Firma demoliert. Sie darf sich keinen dritten Patzer erlauben.

Und doch hat Jowood ihr Schicksal wieder auf Gedeih und Verderb mit Gothic verknüpft. Der vorangegangene Serienteil, Gothic 3, rettete die Aktiengesellschaft vor der Insolvenz. Nun steckt das Kapital im Nachfolger, finanziert von einem Partnerfonds. Der österreichische Publisher, der mal eine breite Produktpalette und mehrere eigene Entwicklungsstudios besaß, ist zur One-Product-Firma geworden. Außer Arcania hat Jowood nichts Nennenswertes im Programm: ein paar Spielchen für Nintendos DS, ein Yoga-Programm für die Wii, den deutschen Vertrieb des Action-Rollenspiels Torchlight.

So hängt alles an Gothic 4 und dessen Zugkraft. Das Rollenspiel ist neben Anno, Die Siedler und Crysis die bekannteste Spielemarke aus Deutschland, es besitzt eine neunjährige Tradition und eine tiefverwurzelte Fanbasis. Der Konkurrent Risen hat sich trotz Piranha Bytes, trotz Gothic-Spielprinzip in Deutschland etwa 150.000 Mal verkauft. Gothic 3 kam in einem vergleichbaren Zeitraum vor zwei Jahren auf mehr als das Doppelte, international auf über eine halbe Million Exemplare. Das ist der Maßstab für Arcania. Auf diesem Spiel also ruhen die Hoffnungen zweier Firmen, Dutzender Fonds-Investoren, Hunderttausender Fans.

Arcania: Gothic 4

Schließlich hat es Arcania dann doch noch in die GameStar-Redaktion geschafft. Begleitet von zwei Jowood-Leuten traf die aktuelle Version in München ein, unter Aufsicht durften wir einen begrenzten Teil der Welt erspielen. Und darin nach Antworten suchen auf die wichtigste Frage: Ist das ein würdiges neues Gothic?