Als wir erste Bilder von Bombshell gesehen haben, dachten wir uns: »Klasse, Diablo mit Knarren!« Haufenweise Aliens aus der Vogelperspektive umnieten, Beute sammeln, den Charakter aufmotzen - und das alles mit Raketenwerfer, Granaten und schwerem Maschinengewehr anstelle der üblichen Schwerter, Äxte und Zauberstäbe. Aber im Test lernen wir: Die Wahrheit könnte nicht weiter davon entfernt sein. Gegen Bombshell wirkt selbst Moorhuhn wie ein komplexes Action-Spiel. Okay, zumindest hat ersteres einen netten Soundtrack.

Das rettet Bombshell aber nicht als Spiel. Schon in den ersten Minuten sind wir genervt: Aliens landen vor dem weißen Haus und entführen die US-Präsidentin. Wir folgen den außerirdischen Schurken und ballern alles nieder, was uns vor die Flinte kommt, beziehungsweise sich nicht aus Blödheit kurzerhand selbst umbringt. Die KI hat nämlich fiese Macken: So fallen Feinde oft wahllos von irgendwelchen Klippen, bleiben an Wänden hängen oder stehen auch mal einfach nur untätig herum. Leiden unsere Gegner mal nicht an derlei Aussetzern, laufen sie halt stur auf uns zu oder beschießen uns schon, bevor sie überhaupt im Bild sind.

Die Kamera lässt sich nämlich nicht rauszoomen und ist oft zu dicht am Geschehen. Geben wir mal den Löffel ab, liegt das meist an der schieren Menge von Gegnern und nicht an deren Strategie. Aber halb so wild - für je fünf Prozent unserer gesammelten Spielwährung dürfen wir beliebig oft respawnen und alle besiegten Gegner bleiben tot. Wer braucht da noch Skill, wenn man einfach durchsterben kann? Das geht ja hervorragend los!

Die Waffen einer Frau

Bombshell sollte ursprünglich ein Duke-Nukem-Titel werden. Die Markenrechte am Duke liegen inzwischen aber bei Gearbox und nicht mehr bei 3D Realms, weshalb aus der Hauptfigur schließlich Shelly »Bombshell« Harrison wurde. Dabei handelt es sich um keine sexy Dumpfbacke, die im knappen Bikini über das Schlachtfeld hüpft, sondern eine knallharte Kämpferin, die Feinden im Zweifelsfall einfach den Kopf abreißt. Blöd nur, dass all die geballte Frauenpower ins Lächerliche gezogen wird, wenn Shelly Waffen mit bescheuerten Namen wie PMS zückt (so nennt man Prä-Menstruationsbeschwerden).

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Bombshell
Bombshell will tough sein, ist aber zum Gähnen.

Zudem fällt es uns schwer, zu Shelly irgendeinen Draht aufzubauen. Schuld daran sind vor allem ihre lahmen, sich ständig wiederholenden Einzeiler wie: »Wie viele Aliens braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln? Gar keine, sie sind alle tot!« Was ein Brüller. Das Spiel gibt es übrigens nicht in deutscher Sprache, aber wer hier Verständnisprobleme hat, verpasst außer Billigwitzen und einer hirnrissigen Story ohnehin nichts.

Monotonie-Simulator

Also: Story, Gegner und Hauptfigur sind nicht so prall. Halb so wild, wenn wenigstens das Gameplay stimmt, oder? Tja, da haben wir schlechte Neuigkeiten: Das ist nämlich unerträglich abwechslungsarm. Wir ballern stundenlang gefühlt immer wieder dieselben drei Arten von Aliens ab. Die generischen Level bieten mal eine Eiswelt, mal gibt's Lava, nach einigen Spielstunden tritt sogar mal ein Bossmonster auf, aber nichts davon haut uns vom Hocker.

Landschaften und Gegner sind hässlich, die Jagd nach Erfahrungspunkten und Beute könnte kaum langweiliger sein. Das liegt mitunter daran, dass Stufenanstiege im Grunde nichts bringen. Wollen wir lieber fünf Lebenspunkte extra oder doch lieber unsere Spezialattacke zwei Zehntelsekunden schneller auslösen? Ist uns eigentlich egal. Wo Diablo 3 mit unterschiedlichen spielbaren Charakteren für Abwechslung sorgt oder Victor Vran zig Spielweisen für die Hauptfigur bietet, sind die Anpassungsmöglichkeiten für Shelly größtenteils irrelevant. Es gibt acht Waffen (+Granaten) und vier Fertigkeiten - wow!

No loot, no fun

Während wir in vergleichbaren Titeln pausenlos neue Waffen, Rüstungen und ähnliche Goodies aufsammeln, lassen die Aliens in Bombshell nichts als Munition und Spielwährung fallen. Zugegeben: Mit der Kohle dürfen wir unser überschaubares Waffenarsenal aufmotzen und Extras wie sekundäre Schussmodi freischalten. Das ersetzt aber nicht das Erfolgserlebnis, nach einem harten Bosskampf eine extra mächtige Waffe abzustauben oder fette Beute in einer versteckten Truhe zu finden.

In Bombshell lohnt sich das vollständige Erforschen der Spielwelten mangels Beute und Elitemonster überhaupt nicht, also wollen wir das Elend nur möglichst schnell hinter uns bringen. Das dauert seine zehn bis fünfzehn Stunden, dann gibt's Features wie »New Game Plus« und einen höheren Schwierigkeitsgrad, die Levels bleiben mangels Zufallsgenerator aber genauso öde wie beim ersten Durchlauf. Danke, wir haben dann erst mal genug. Vielleicht macht das Spiel ja wenigstens Laune im Koop, aber - oh, richtig: Multiplayer gibt's nicht.