»Kein Russisch« - diese berüchtigte Mission aus Modern Warfare 2dürfte vielen Spielern noch gut im Gedächtnis sein. Als eingeschleuster Agenten musste der Spieler einem Terroranschlag am Moskauer Flughafen beiwohnen - in der amerikanischen Original-Version konnte er sich sogar aktiv an dem Massaker beteiligen. Einmal mehr stellte sich die Frage, was dürfen Computerspiele und was nicht?

Das war vor zwei Jahren. Am 8. November 2011 erscheint nun der Nachfolger Modern Warfare 3und schon im Vorfeld wurde darüber diskutiert, ob die Entwickler erneut einen Tabubruch begehen werden oder ob sie sich diesmal etwas zurückhalten. Die Antwort darauf gibt nun ein bei Youtube veröffentlichtes Video, das einen kurzen Ausschnitt aus der Einzelspieler-Kampagne von Modern Warfare 3 zeigt.

Update: Das ursprüngliche Video wurde vom Publisher Activision mittlerweile gesperrt.

Es überrascht nicht, dass viele US-Spieleseiten das Thema sofort aufgegriffen haben und darüber diskutieren, in wieweit sich die Schockszene in London von der »Kein Russisch«-Mission unterscheidet.

Der größte Unterschied ist natürlich die passive Rolle: Wir betrachten das Geschehen aus der Sicht des Ehemanns und Vaters, der offenbar mit seiner kleinen Familie im Urlaub in London ist. Seine Tochter spielt ausgelassen auf der Straße, während wir alles mit der Videokamera festhalten. Die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm wird abrupt durch die heftige Autoexplosion, die Mutter und Tochter sofort töten, zerstört. Giftgas entweicht aus dem Wrack; womit dann auch das Fundament für die Geschichte von Modern Warfare 3 gelegt wird.

In »Kein Russisch« waren wir hingegen kein Zivilist, sondern waren Teil einer Terrorzelle, die unschuldige Menschen töten wollte, um einen Krieg auszulösen. Selbst in der entschärften deutschen Version, in der wir nicht direkt auf die Passanten schießen dürfen, erleben wir die Ereignisse hautnah mit. Wir sind Teil der Gruppe und können das Morden nicht stoppen.

In Kinofilmen oder Fernsehserien schrecken die Regisseure oftmals davor zurück Szenen zu zeigen, in den explizit auch Kinder getötet werden. Die Unbestechlichen mit Kevin Costner und Sean Connery ist eine der wenigen Ausnahmen und zeigt sehr eindrücklich, dass solch ein Schockmoment nicht im Widerspruch mit einer packenden Geschichte stehen muss. Ein weiteres Beispiel ist der Prolog der TV-Serie Battlestar Galactica, bei der sogar ein Baby getötet wird. Dem Zuschauer wird sofort klar, wer Gut und wer das Böse ist. Es lässt wenig Spielraum für Interpretationen oder gar Sympathien.

Auch im Spiele-Bereich gibt es bereits Präzedenzfälle: In den ersten beiden Fallout-Teilen war es möglich Kinder zu töten - der Spieler konnte es natürlich auch bleiben lassen. Bei Bioshockstellte sich mit den »Little Sisters« ein ähnliches Dilemma: Beschützen wir die kleinen Mädchen oder töten wir sie, um das Adam-Material zu »ernten«.

Wie ist Ihre Meinung? Haben die Entwickler die Schock-Szene in Modern Warfare 3 nur aus Marketing-Gründe eingebaut oder vermittelt die Szene genau die Hilflosigkeit und Verstörung, die zu diesem Kriegsspiel mit einer Terror-Story passt?

Den Test zu Modern Warfare 3 lesen Sie ab nächsten Dienstag auf GameStar.de und GamePro.de.