Die Überraschung war groß, als Activision vor einigen Monaten Call of Duty: Modern Warfare Remastered ankündigte. Eine neue Version des - in den Augen vieler Spieler - besten CoD der Neuzeit? Aber gerne doch! Wir konnten den Multiplayer-Modus von CoD: Modern Warfare Remastered anspielen und stellten dabei fest, dass der Serien-Opa (Modern Warfare erschien 2007) immer noch seinen Daseinszweck hat. Nämlich als Gegenentwurf zu Call of Duty: Infinite Warfare, mit dem Modern Warfare im Bundle veröffentlicht wird.

Wenn man Activisions PR-Kampagne für Infinite Warfare folgt, dann fällt immer wieder ein Schlagbegriff, mit dem die Atmosphäre der neuen Weltraumballerei beworben wird: Boots on the Ground. Darunter verstehen viele das eher klassische Frontsoldaten-Gameplay, bei dem wir in den Stiefeln eines Kämpfers Schlachten schlagen, dreckig, ungeschnitten, rau und direkt. Die ersten Videos des Multiplayers von Infinite Warfare sprechen allerdings eine andere Sprache und zeigen im Wesentlichen eine Fortsetzung des überpowerten Supersoldaten-Feelings von Black Ops 3.

Wer das nicht mag, den dürfte der Multiplayer von Modern Warfare Remastered abholen, denn was wir auf der Call of Duty XP 2016 davon angespielt haben, ist vor allem das: Knallhartes »Boots on the Ground«-Gameplay, wie man's von früher kennt. Gut, das überrascht jetzt nicht wirklich, schließlich hat das Original den Mehrspieler-Erfolgskurs der Serie vor zig Jahren ausgelöst, aber trotzdem: Wir hatten mit den Ballereien enorm viel Spaß. Auch wenn es natürlich Alterserscheinungen gibt.

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Von wegen Supersprung

Alle 16 Karten des Ur-Modern-Warfare werden in der Remastered-Variante enthalten sein. Wir haben beim Anspielen vor allem Domination auf Crash und Overgrown ausprobiert, und uns damit gnadenlose Häuserkämpfe mit dem gegnerischen Team geliefert. Die Gefechte laufen wie gewohnt schnell, hart und gnadenlos ab - wir müssen stets die Häuser über neben und über uns auf Heckenschützen scannen, die Mini-Map im Blick behalten, Kollegen um uns scharen. Kurz: Modern Warfare Remastered setzt die Stärken des Klassikers ohne Abstriche auf modernen Plattformen um.

Call of Duty 4: Modern Warfare Remastered

Statt Supersprung, Dash und Wallrun gibt's nur das rudimentäre Ducken hinter Deckungen sowie das Kriechen im Dreck. Ein Vault über die Deckung dauert im Vergleich zu modernen CoDs gefühlte Jahrhunderte, aber wir verstehen, warum so viele Fans sich genau das wieder wünschen: Im Multiplayer von Modern Warfare kommt es in erster Linie auf gutes, schnelles Schießen und clevere Deckung an - eine aufs Wesentliche zurückgeführte Spielerfahrung, die sich deshalb unheimlich direkt anfühlt. Bei den Waffen wählen wir aus AK, M4, MP5 und all den anderen Klassikern, das Schussgefühl ist erstaunlich gut gealtert, die Sounds klingen satt und erzeugen eine tolle Atmosphäre.

Dabei darf man aber wirklich kein zeitgemäßes Remake erwarten. Modern Warfare Remastered ist kein Riesensprung ins 4K-Zeitalter, sondern die Optimierung eines betagten Klassikers. Sowohl spielerisch, als auch technisch. Die Ranking- und Streak-Mechaniken wirken rudimentär, die Optik bleibt zweckmäßig und die grundlegende Spielmechanik ist heutzutage natürlich nicht mehr innovativ. Wir gehen zwar davon aus, dass Modern Warfare Remastered im Multiplayer durchaus Anklang bei den Fans findet, aber ob es wirklich für eine Renaissance des alten MW-Mehrspieler reicht, wird sich noch zeigen müssen. Zumal die Konkurrenz ja gerade 2016 alles andere als schläft.