Interview mit Cevat Yerli von Crytek : Cevat Yerli ist Managing Director bei Crytek, den Machern von FarCry und Crysis. Cevat Yerli ist Managing Director bei Crytek, den Machern von FarCry und Crysis. Cevat hat bereits in den 80er Jahren begonnen, Simulationsspiele unter anderem für den C64 zu entwickeln. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaft gründete er 1999 gemeinsam mit seinen Brüdern Avni und Faruk 1999 das Entwicklerstudio Crytek in Coburg. Das Erstlingswerk Far Cry wurde sowohl von den Spielern als auch von der Fachpresse gefeiert. Derzeit beschäftigt Crytek mehr als 600 Mitarbeiter und entwickelt neben mehreren Spieleprojekten auch die CryEngine als technische Grundlage weiter.

Making Games: Gehört Crytek als unabhängiges AAA-Studio zu einer aussterbenden Art?

Cevat Yerli: Durch die immer stärker werdende Verbindung zwischen Entwicklern und Konsumenten wird es bis 2015 sicherlich eine Neugeburt von Indenpendent-Studios geben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es auch im AAA-Segment so sein wird.

Making Games: Die unabhängigen Entwickler werden also ein Comeback schaffen?

Cevat Yerli: Ich denke, dieses Comeback werden wir schon in den nächsten zwei Jahren erleben. Studios werden sich durch kleine Entwickler neu formieren, erfolgreich werden, immer mehr Kapital zur Verfügung haben und dann auch immer größere Produktionen angehen. Auf Plattformen wie iPhone, iPad oder Android oder auch der neuen Nintendo-Generation können die Studios relativ einfach entwickeln und den Durchbruch schaffen.

Der PC wird auf der anderen Seite wahrscheinlich ein Revival durch verbesserte User Interfaces, Touch Points und generell eine gesteigerte Accessibility erleben.

Making Games: Vor allem in den letzten Jahr mussten in Deutschland viele unabhängige Studios schließen. Was muss passieren, damit sich dieser Trend nicht fortsetzt?

Cevat Yerli: Man muss natürlich immer von Fall zu Fall überprüfen, was der Grund für die Schließung war. In der Regel war das Problem aber die Kapitalbindung an eine IP, die man selbst nicht besessen hat.

Natürlich ist es aber auch so, dass man sich bei Großkapitalproduktionen das Eigentum nicht leisten kann, wenn man nicht schon ein namhafter Entwickler ist. Das ist natürlich ein Teufelskreis. Und deswegen sage ich diesen Teams, sie sollen sich auf eine Stufe begeben, auf der dies möglich ist. Wenn das nicht im AAA-Segment zu schaffen ist, dann geht eben eine Stufe niedriger. Dort wisst ihr wenigstens, dass ihr die IP auch besitzen könnt. Falls etwas schief geht, kann man die Arbeit dann immer noch verkaufen.

Making Games: Deine Schätzung: Wie viele Spiele werdet ihr bis 2015 etwa veröffentlichen?

Cevat Yerli: Ich glaube an die 200. (lacht) Nein im Ernst: Crytek hat neben Crysis 2 noch rund zehn Projekte und die sollten bis 2015 fertig werden.

Making Games: Und wie viele von den zehn Projekten sind Shooter?

Cevat Yerli: Sagen wir, mehr als die Hälfte sind auf jeden Fall im First-Person-Bereich.

Making Games: Muss man sich denn als Entwickler in Zukunft nicht breiter aufstellen?

Cevat Yerli: Die Qualität der Produkte nimmt soweit zu, dass man sich spezialisieren muss. Oder man entwickelt breit, macht aber etwas völlig Neues. Ich habe zum Beispiel oft mit dem Gedanken gespielt, einen First-Person-Shooter zu machen, der im Casual-Bereich, beziehungsweise auf der Social-Games-Ebene spielt. Wir versuchen, auf eine Plattformbreite zu gehen, dabei aber unsere Kernkompetenz zu wahren.

Zum Thema » Der Aufstieg der Facebook- und Browserspiele » CryEngine 3: Mehr als nur eine Engine Crysis 2 ab 6,02 € bei Amazon.de Crysis 2: Maximum Edition für 19,99 € bei GamesPlanet.com Making Games: Wird es denn als unabhängiges Studio in Zukunft reichen, ausschließlich Core Gamer zu bedienen?

Cevat Yerli: Ich denke schon, der Gamer generell wird immer mehr zum Core Gamer. Unsere Zielgruppe ist zum Beispiel aktuell rund 30 Jahre alt. Als wir mit Crytek angefangen haben, lag diese Zahl noch bei ungefähr 20 Jahren. Man kann auf jeden Fall Erfolg haben, wenn man auch weiterhin diese Zielgruppe anpeilt -- der Markt wächst von innen heraus.

Making Games: Was glaubst du, wie wichtig Schwellenländer der Industrie wie etwa Brasilien, Indien und die Türkei für unabhängige Triple-A-Studios werden?

Cevat Yerli: Ich denke, sobald die Connectivity über das Internet gegeben ist, sind diese Länder ja nicht mehr so weit weg. Dann geht es nur noch um die Lokalisierungsfrage. Besonders in Osteuropa, aber auch in Indien ist großes Potenzial für den Aufbau von Online Games vorhanden.