Wer glaubt, dass die Zeit origineller Konzepte und neuer Genres für Computerspiele lange vorbei ist, der wird durch Tower Defense eines Besseren belehrt. Das Spielprinzip stammt aus der Modding-Szene für Starcraft und Warcraft 3, erfreut sich in den letzten Jahren vor allem im Internet großer Beliebtheit und bringt inzwischen vollwertige Spiele hervor. An deren Spitze steht seit einem Jahr Defense Grid: The Awakening. Das Indie-Programm erschien als englische Download-Version schon am 8. Dezember 2008, seitdem sammelt es rundum Lob und Auszeichnungen ein: 9 von 10 Punkten vergab etwa das amerikanische Magazin PC Gamer, 4.5 von 5 Punkten die US-Kollegen von GamePro.

Selbst der kreative Kopf hinter Defense Grid ist kein Unbekannter: Mark Terrano war früher bei den Ensemble Studios und unter anderem Chefdesigner des Klassikers Age of Empires 2. Viel Rummel also, ein Schuss Prominenz und der Charme der Independent-Szene, die im letzten Jahr Überraschungshits wie World of Goo oder Braid hervorgebracht hat, begleiten die Veröffentlichung der deutschen Version von Defense Grid: The Awakening. Aber ist das Bohei gerechtfertigt?

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Defense Grid: The Awakening

So funktioniert Tower Defense

Defense Grid: The Awakening : Defense Grid verlegt das Tower-Defense-Prinzip in ein Zukunftsszenario. Defense Grid verlegt das Tower-Defense-Prinzip in ein Zukunftsszenario. Tower Defense sagt Ihnen nichts? Macht nichts, das Prinzip ist schnell erklärt. Auf einer überschaubaren (meist nur bildschirmgroßen) Karte laufen Schwärme von Monstern auf einem geschlängelten Weg von A nach B. Weil die Viecher B kaputtmachen wollen, dürfen sie ihr Ziel tunlichst nicht erreichen. Ihre Aufgabe ist es, entlang des Wegs Verteidigungstürme zu errichten, die dann vollautomatisch auf die anrückenden Horden schießen. Das war’s schon, mehr als Türme zu setzen, bei Bedarf abzureißen oder aufzuwerten tun sie nicht. In dieser Einfachheit liegt der Reiz von Tower Defense, denn das Spielprinzip ist sofort begriffen, entfaltet aber erstaunliche taktische Tiefe.

  • Erstens: Jeder Turm kostet Geld, und weil nur besiegte Monster Bares aufs Konto tröpfeln lassen, wächst Ihr Verteidigungswall langsam. Das führt zu ständigen Abwägungen: Lieber schnell billige Türme setzen oder auf starke, teure sparen? Oder die bestehenden Anlagen durch Upgrades verbessern, so dass sie effektiver werden...?

  • Zweitens: Die Türme unterscheiden sich. Wie beim Schach hat jeder Spielstein bestimmte Stärken, Schwächen und Einsatzmöglichkeiten. Manche Türme schaden ganzen Gegnergruppen, haben aber eine geringe Reichweite, manche feuern über das halbe Schlachtfeld, aber nur einmal alle fünf Sekunden, wieder andere sind stark gegen fliegende Feinde, aber schwach gegen alle anderen, und so weiter. Weil auch die Monster unterschiedlich anfällig sind, zwingt das zu wohlüberlegten Kombinationen.

  • Drittens: Es ist taktisch entscheidend, wo entlang des Wegs Sie die Türme postieren. Denn zum einen haben die Verteidigungsanlagen nur eine begrenzte Reichweite, zum anderen schaffen vor allem schnelle Feinde den Durchbruch, wenn Sie Ihre Türme an einer Stelle massieren.

Weil die Gegner in immer mächtigeren Wellen anrücken und Ihnen Tower-Defense-Spiele in der Regel nicht den Luxus einer Pausetaste gönnen, herrscht zudem ein steter Zeitdruck, weil Sie gegen den unbarmherzigen Ansturm anbauen. So wird das simple Türmchensetzen zu einer kniffligen Knobelaufgabe, denn die Entscheidung, wann Sie wo welchen Turm aufstellen, ist kein Glücksspiel, sondern das Ergebnis von Logik und Überlegung.