Der Bahngigant - PC

Wirtschaftssimulation  |  Release: 15. März 2012  |   Publisher: UIG Entertainment
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Der Bahngigant im Test

Der Zug ist abgefahren

Der Simulatoren-Spezialist UIG holt den japanischen WiSim-Klassiker A-Train aus der Versenkung und benennt ihn in Der Bahngigant um. Dezent überarbeitet soll das Eisenbahn-Schwergewicht auch europäische Geschmäcker ansprechen. Warum das Vorhaben auf halber Strecke stecken bleibt, klärt unser Test.

Von Michael Orth |

Datum: 15.03.2012


Der Bahngigant : Das Bahnhofsmenü in seiner vollen ausgeklappten Pracht. Das Bahnhofsmenü in seiner vollen ausgeklappten Pracht. Die Wurzeln von Der Bahngigant reichen lange zurück, genauer gesagt in Jahr 1992. Als damals in Europa erstmals ein A-Train erschien, wurde es aufgrund seiner Optik vorschnell als Sim City-Kopie abgetan und verschwand bald wieder in der Versenkung. Dabei ist die Serie 20 Jahre später immer noch am Leben, inzwischen beim neunten Teil angelangt und erfreut sich zumindest in Japan weiterhin großer Beliebtheit.

Grund genug für UIG, die mit Titeln wie dem Pistenraupen Simulator normalerweise ihr ganz eigenes Publikum ansprechen, das Ding mal wieder nach Deutschland zu bringen. Also wurde das in Japan bereits 2010 erschienene A-Train 9 ausgegraben, übersetzt, leicht angepasst und mit dem neuen Namen Der Bahngigant zu den Händlern geschickt. Dazu schnappte man sich aus dem Jowood-Nachlass die entsprechende Lizenz, um eine gewisse Ähnlichkeit zu bekannten Titeln wie Der Industriegigant zu suggerieren.

Starthilfe
Undefinierte Spielziele, teilweise katastrophale Steuerung, keine Tutorials und ein nur mäßig hilfreiches Handbuch: Die Gefahr, vor dem Bahngiganten dauerhaft zu kapitulieren, ist groß. Zum Glück gibt es Abhilfe: Auf der Seite Let’s Sim sind jede Menge schön eingesprochene halbstündige Videos zu finden, die das Spielprinzip hervorragend erklären. Hinter den Videos steckt mit dem Österreicher Tomdotio – seinen echten Namen will er nicht preisgeben – der wohl fundierteste deutschsprachige A-Train-Kenner. Er zeichnet übrigens auch für die Österreich-Szenarios in der Bahngigant verantwortlich.

Aber was heißt schon Ähnlichkeit? Obwohl es sich um eine klassisch-reinrassige Aufbau-Wirtschaftssimulation handelt, lässt sich das grundlegende Spielkonzept schwer erklären. Ein Sim-City-Derivat ist es schon mal nicht. Und auch die Beschreibung »Verkehrssimulation mit angehängtem Wirtschaftskreislauf« wie bei Transport Tycoon/Locomotion oder den bereits erwähnten Jowood-Giganten trifft es nur sehr unzureichend.

Wo geht’s hier zum Spiel?

Beim Einstieg hat Der Bahngigant dann auch schon sein erstes großes Problem. Wer einfach mal ein Spiel startet, ein Szenario auswählt und ein bisschen herumklickt (oder es zumindest versucht), wird gnadenlos scheitern. Und auch nach Stunden noch mit aufgeblasenen Backen vor dem Monitor sitzen, die Menüs das achtundsechzigste Mal abklappern und trotzdem keine Ahnung haben, was er denn nun genau machen soll.

Update & Wertungsänderung: Fanpatch liefert Züge nach
Pünktlich zum Release liefert ein von der Fanseite Bahngigant.de erstellter Patch die im Vergleich zur Japan-Version fehlenden Züge nach. Es handelt sich dabei um ein inoffizielles Update, zu dem der Publisher UIG keinen Support anbietet. Auch auf der UIG-Webseite ist vom Patch bislang weder etwas zu lesen noch ein Download verlinkt. Laut UIG wurde das Update aber gründlich getestet und auch frei gegeben.

Dass UIG ihn nicht offiziell vermarktet, ist kein Wunder – so müsste man sich der Frage stellen, warum die Zugvielfalt gegenüber Originalversion überhaupt erst so drastisch beschränkt wurde. Daneben bügelt der Patch vor allem einige Lokalisationsfehler wie unpassende Zeilenumbrüche aus.

Spielerisch hat die nun knapp verzehnfachte Zugauswahl eigentlich keine bedeutenden Auswirkungen. Da der reine Spielspaß steigt durch den aufgepeppten Fuhrpark aber durchaus – weshalb wir bei den beiden Wertungskategorien »Umfang« sowie »Einheiten & Gebäude« je einen Punkt drauflegen. Mit installiertem Patch kommt der Bahngigant also auf eine Gesamtwertung von 61 Punkten.

Zwar hat sich UIG redlich Mühe gegeben und legt ein 60-seitiges, gedrucktes Handbuch in die Packung gelegt. Doch leider beschränkt sich die Hilfestellung (wie auch bei den „Stadtberatern“ im Spiel) darauf, zu sagen, WAS man machen soll. Und verschweigt dabei, WIE man es denn nun genau machen soll. Selten zuvor haben wir bei einem Spiel ein Tutorial dermaßen schmerzlich vermisst.

Der Bahngigant

Dabei wäre das bitter nötig. Was neben den etwas eigenwilligen Mechanismen – wir versuchen uns gleich an einer Erklärung – vor allem an der teils unterirdischen Bedienung liegt. Simples Mauszeiger-Scrollen wird ebenso wenig unterstützt wie ein Rechtsklick samt passender Kontextmenüs.

Stattdessen ergießt sich eine Flut aus textlastigen Menüs, mäßig dokumentierten Icons und einer wahnwitzigen Kombination aus Kamerasteuerung und Minimap über den armen Spieler. Einige Steuerungskatastrophen lassen sich zwar durch einen Besuch im Optionsmenü abschwächen. Trotz des sich irgendwann einstellenden Gewöhnungseffektes bleibt das komplette Interface aber eine sehr frustrierende Angelegenheit.

Plane und baue

Natürlich dreht sich Der Bahngigant grundsätzlich darum, mit Zügen Passagiere und Güter zwischen Bahnhöfen hin- und her zu schippern. Und natürlich ist es schön, wenn jeder Zug dabei auch noch Gewinn abwirft. Dass es darum aber nicht vordergründig geht, zeigt schon die Tatsache, dass mit den seit jeher existierenden Gütertransporten erstmals ebenfalls Einnahmen generiert werden können.

Es gibt auch keine verschiedenen Güter oder ein Angebots-Nachfrage-Modell. Vielmehr dient die einzige (übrigens selbst produzierte) Warensorte als eine Art Baustoff für alle möglichen Gebäude und Einrichtungen. Die – mehr als schwierige – Kunst besteht nun darin, die Waren genau dorthin zu transportieren, wo man sie für die künftige Stadtentwicklung brauchen kann.

Der Bahngigant : Das Basisgeschäft sind natürlich die Eisenbahnen. Allerdings ist der potenzielle Gewinn im Vergleich zu anderen Optionen eher gering.

Eisenbahnen
Das Basisgeschäft sind natürlich die Eisenbahnen. Allerdings ist der potenzielle Gewinn im Vergleich zu anderen Optionen eher gering.

Ähnlich sieht es beim Personentransport aus: Zwar ist er traditionell eine der Haupteinnahmequellen von A-Train. Doch auch hier ist es mindestens ebenso wichtig, die virtuellen Einwohner geschickt und passend zu verteilen. Die potenziellen Passagiere stellen dabei keine gezielten Routen-Forderungen. Gefällt ihnen eine bestehende Linie, nutzen sie sie auch.

Der positive Effekt geschickt geplanter Schienennetze zeigt sich schnell: Rund um attraktiv gelegene Bahnhöfe siedeln sich alsbald die ersten Wohn- und Geschäftshäuser an. Um diese Art der indirekten Stadtentwicklung geht es letztendlich bei A-Train.

Der Bahngigant : Abseits vom Geldscheffeln ergeben sich durch das gewählte Szenario bestimmte »Missionsziele«. Hier haben wir zwar bereits einen Hochgeschwindigkeitszug, die Stadt ist aber noch unterentwickelt. Abseits vom Geldscheffeln ergeben sich durch das gewählte Szenario bestimmte »Missionsziele«. Hier haben wir zwar bereits einen Hochgeschwindigkeitszug, die Stadt ist aber noch unterentwickelt. Wächst und gedeiht ein Viertel, so ist es ratsam, dort seine eigenen Gebäude unterzubringen, im Spiel »Tochterfirmen« genannt. Denn mit Geschäften, Hotels und Wohnhäusern lassen sich regelmäßige Gewinne erzielen, wenn alles gut läuft. Vor allem aber steigen die Grundstückswerte eines prosperierenden Stadtteils geradezu explosionsartig an. Mit sehr früh und damit sehr billig gebauten Gebäuden lassen sich enorme Gewinne erzielen.

Eine weitere Möglichkeit zum Geldscheffeln besteht im Aktienmarkt. Der ist recht einfach gestrickt und trotzdem verwirrend, da sich hier Dutzende Unternehmen mit japanischen Namen und sehr ähnlichem Nennwert drängeln.

Die Notierung steigt und fällt in zyklischen Wellen, verkauft werden kann nur, wenn sich ein KI- Abnehmer findet. Nach ein paar Stunden hat man den Dreh raus und der Aktienmarkt fungiert fortan als effektive Möglichkeit für gewaltige Gewinne. Was insofern ein ziemlicher Klops ist, als dass er mit dem restlichen Spiel praktisch nichts zu tun hat, von der Stadtentwicklung sind die Kurse abgekoppelt.

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Avatar Copec
Copec
#1 | 15. Mrz 2012, 14:30
Ihr habt den gleichen Minus Punkt(der laut Text nicht relevant ist) bei Umfang und Einheiten & Gebäude. Dieser auch inzwischen mit einem Patch behoben worden. Siehe: http://www.youtube.com/watch?v=pQ-c7L12_8E
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Avatar pcblizzard
pcblizzard
#2 | 15. Mrz 2012, 14:35
Na geil, dass einzig WIRKLICH gute an dem Spiel ist wohl dass 60!-seitige Handbuch. Dafür müssten andere Entwickler schon 6-7 Spiele veröffentlichen um auf so eine Seitenanzahl zu kommen^^
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Avatar ethnix
ethnix
#3 | 15. Mrz 2012, 14:39
Die GameStar-Wertung darf getrost ignoriert werden.
Es ist eben kein vercasualtes Spiel!

Kein One-Click Sim City
Kein Hirnausschaltundtrotzdemgewinn mach Rollercoaster Tycoon 3

Ich weiß nicht was an der Steuerung auszusetzen ist.
Der Umfang wurde mit Start des Games behoben.

Der Sound.. Was soll ich sagen. Es ist eine Wirtschaftssimulation.
Da hört jeder seine eigene Musik.

Zusammenhänge sind klar. Keine Ahnung wie die einem nicht klar sein können.

Preise sind schlüssig. Einfach mal rechechieren wie teuer eine Zugstrecke etc. wirklich ist!

Aktien zu mächtig???
Da hat wohl jemand die Finanzkrise verpasst.
Aktien sind eben verdammt mächtig!
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Avatar heidl
heidl
#4 | 15. Mrz 2012, 14:46
Zitat von ethnix:
Die GameStar-Wertung darf getrost ignoriert werden.
Es ist eben kein vercasualtes Spiel!

Kein One-Click Sim City
Kein Hirnausschaltundtrotzdemgewinn mach Rollercoaster Tycoon 3

Ich weiß nicht was an der Steuerung auszusetzen ist.
Der Umfang wurde mit Start des Games behoben.




Der Sound.. Was soll ich sagen. Es ist eine Wirtschaftssimulation.
Da hört jeder seine eigene Musik.


soll das heißen es ist gut? grundsätzlich interessiern mich solche spiele nämlich, wie cities in motion, das aber durch detail-fehler absolut keinen spaß macht.
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Avatar duffy2000
duffy2000
#5 | 15. Mrz 2012, 14:54
Dieser Test ist absolut lächerlich. Alleine die ständigen Vergleiche mit Sim City, zeigen auf, dass der Redakteuer das Spiel nichtmal im Ansatz verstanden hat. Naja die SimFans wissen es eh besser und lassen sich davon nicht abringen, diese Perle ins Herz zu schliessen.
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Avatar system3419
system3419
#6 | 15. Mrz 2012, 14:57
Ich denke alle leute die auf anspruchvolle Simulationen stehen können gut zugreifen. Die Steuerung finde ich total ok und das man nicht alles mit einem Click schafft gefällt mir persöhnlich sehr gut.
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Avatar NorinRaad
NorinRaad
#7 | 15. Mrz 2012, 15:09
Auf der Habenseite-Deinstallationsroutine wird mitgeliefert.
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Avatar loquee
loquee
#8 | 15. Mrz 2012, 15:16
Ich finde es bis auf die mittelmäßige Grafik ziemlich gelungen.
Und auf Tutorials, wo ich eine Weile Klick für Klick blinkende oder markierte Aktionen ausführen muss, verzichte ich gerne.
Schadet nicht mal ein bisschen das Hirn einzuschalten und ein System verstehen zu lernen.
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Avatar staruser
staruser
#9 | 15. Mrz 2012, 15:23
Ich finde das auch, dass man die Bewertung von Gamestar vergessen kann.
Es sollten mal kompetente Leute dieses Spiel testen und bewerten.
Man muss nun mal etwas sein Verstand nutzen um es zu spielen. Diese Vergleiche immer
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Avatar Michael Orth
Michael Orth
#10 | 15. Mrz 2012, 15:25
@Duffy: wo sind hier die ständigen Sim-City-Vergleiche? Und vor allem wo habe ich irgendwo behauptet, dass es wie Sc ist?

@ethnix: Nein, hier sind eben KEINE Zusammenhänge klar. An A-Train 9 ist nichts selbsterklärend - dummerweise wird aber auch nix aktiv erklärt.

Sicher ist A-Train teilweise einfach "anders" als die typisch europäischen Aufbau-WiSims. teilweise auf sinnvolle Art, teilweise auf sympathische Art, teilweise auf hirnverbrannte Art.

So gibt es praktisch keine Kreisläufe, die auch mal von selbst funktionieren. Und das ist schlicht doof, das ist schlicht ein Designfehler.

man nehme z.B. einen Einsteiger, der vor einer leeren karte steht. Was macht der? Er baut - falls er es hinbekommt - brav zwei Bahnhöfe, murkst sich irgendwie einen Zug hin und kapiert vielleicht sogar irgendwann, dass es noch Fabrik samt Materiallager braucht. Schön. "Schon" (wenn er bis dahin nicht verzweifelt ist) hat er sein erstes funktionierendes Kosntrukt.

bald muss er aber feststellen, dass damit kein Gewinn zu machen ist. Bzw. das, selbst wenn, er dadurch die Investitionskosten frühestens in 100 Jahren (und ebenso vielen Spielstunden) wieder reingeholt hat. Entweder setzt er nun auf Aktien und Immobilienmarkt (die IMO "Krücken" sind, weil ersteres nichts und zweiteres wenig mit den eigentlichen Spielmechaniken zu tun hat) oder er baut immer weiter. Und macht trotzdem keine gewinne. Und gibt irgendwann endgültig auf. Und das hat dann auch nichts mit weichgespült zu tun.

Anderes Beispiel: die Warenverteilung läuft. Nur was tun? Die Kisten gehen nicht von selbst weg (wie in 99% aller anderen Wisims aufgrund der virtuellen Nachfrage), sondern stapeln sich, bis man sie selbst verbraucht. Weil sie im Grunde nicht mehr sind als Baumaterial. Also entweder rutschen die Züge wieder ins Minus, weil sie nichts mehr abliefern können, oder ich baue mehr oder weniger zwangsweise. Klar, Immobilien sind nie verkehrt, aber es wirkt halt alles sehr augfgesetzt und künstlich.

Und ein Spiel *komplett* ohne Missionszeiele muss 2012 nicht mehr sein, schöner Sandbox-Modus hin oder her, aber der sollte eigentlich immer nur obendrauf sein.

A-Train *kann* durchaus ein faszinierendes Spiel sein, es tut nur alles dazu, dass man da nie draufkommt.
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ANGEBOTE
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Details zu Der Bahngigant

Plattform: PC
Genre Strategie
Untergenre: Wirtschaftssimulation
Release D: 15. März 2012
Publisher: UIG Entertainment
Entwickler: UIG Entertainment GmbH
Webseite: http://www.uieg.de/index.php/d...
USK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Spiele-Logo: Download
Leserinteresse:
Platz 882 von 5644 in: PC-Spiele
Platz 27 von 158 in: PC-Spiele | Strategie | Wirtschaftssimulation
 
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