Dishonored: Die Maske des Zorns - PC

Action  |  Release: 12. Oktober 2012  |   Publisher: Bethesda
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Report: Nachdenken, statt Mitmachen

Teil des Problems

In den USA lässt sich die Unterhaltungsindustrie dieser Tage genau so in der Killerspiele-Debatte einseifen, wie hierzulande. Sind Videospiele also doch Teil des Problems?

Von Krawall.de Redaktion |

Datum: 21.01.2013


Nachdenken, statt Mitmachen :

Zum Thema » Sex in Videospielen Tabuthema Geschlechtsverkehr » Politik in Spielen Kaiser ist cooler In den vergangenen Tagen war sie mal wieder da, die Gewaltdebatte. Nicht hier in Deutschland, sondern in den USA. Dort hat das Massaker an der Sandy Hook-Grundschule erneut dafür gesorgt, dass sich die Gesellschaft allerlei Fragen stellt, was die Ursachen solch sinnloser Gewalt angeht. Einer der ersten Vorschläge der Schusswaffenlobby: Gewalt in den Medien ist es, die den Täter dazu getrieben haben könnte, aus dem an sich harmlosen Sturmgewehr eine Mordwaffe zu machen. Ein Argument so logisch, dass sich US-Vizepräsident Joe Biden dazu entschloss, ein Treffen mit Vertretern der Spieleindustrie anzuberaumen. Erstaunlicherweise entschloss sich die Industrie anscheinend, dieser Einladung zu folgen.

Artikel von Krawall.de
Dieser Artikel ist ursprünglich auf unserer Schwester-Website Krawall.de erschienen. Wir veröffentlichen den Text mit freundlicher Genehmigung der Redaktion auch auf GameStar.de.

Der Autor
Marco Kämpf ist 37, verheiratet und empfindet einen irrationalen Stolz darauf, dass seine Tochter lieber "Street Fighter" und "Zelda: A Link to the Past" spielt, als irgendeine Tierarzt-Simulation. Natürlich würde er sie nicht "Dishonored" spielen lassen. Erstmal müsste sie nämlich "Thief" spielen, damit sie weiß, wie das wahre Meisterwerk aussieht.

Nun bin ich nicht gegen einen politischen Dialog. Hier in Deutschland konnten wir mitverfolgen, welche Fortschritte dadurch erzielt werden können. Vor Jahren hätte die Mehrzahl der CDU-Politiker wohl gerne noch vermeintliche Killerspieler in den Straßen niedergeritten. Im vergangenen Jahr wurde dann plötzlich » Crysis 2 « - auch mit Stimmen von CDU-Abgeordneten - zum Spiel des Jahres gewählt. Gab natürlich jede Menge Geschrei, vermutlich aus der Bänkeregion 50+, aber es ist passiert.

Unser aller liebster Chefredakteur Andre Peschke ist selbst Mitglied in der Jury zu jenem Deutschen Computerspiele Preis. Auch er ist überzeugt davon, dass selbst die "gescheiterten" Debatten in den letzten vier Jahren ein Erfolg waren. Weil die Bedenkenträger in der Jury sich hier nicht mit zwei Steilvorlagen in einer Polit-Talkshow aus der Affäre ziehen konnten, sondern sich mit echten Experten auseinanderzusetzen hatten. Wer da nicht völlig versteift war in seiner Haltung, musste die eigene Meinung hinterfragen.

Trotzdem halte ich die Vorgänge der letzten Tage in den USA für ein absurdes Kasperltheater. Eine Diskussion über das immer weiter zunehmende Gewaltniveau in allen Medien? Ich hebe als Erster die Hand und sage: "Dafür!" Aber ein US-Vize-Präsident, der sich zum Thema "Wie können wir Fälle von Massenmord an Schulen künftig vermeiden?" mit der Spieleindustrie treffen will? Das Einzige, was noch dümmer ist, als diese Prämisse, ist die Tatsache, dass die Spieleindustrie sich auf diese Farce eingelassen hat.

Waffen gegen Tyrannen

Nachdenken, statt Mitmachen : 'Den Kopf voller Videospiele und das Haus voller Waffen' - Titel wie diese kommen uns hier in Deutschland sehr bekannt vor. 'Den Kopf voller Videospiele und das Haus voller Waffen' - Titel wie diese kommen uns hier in Deutschland sehr bekannt vor. Was ich dabei verstehen kann, ist die politische Seite. Die hat in den USA ein praktisch unüberwindbares Problem: Ihre Verfassung garantiert quasi den Waffenbesitz. Eine Vorschrift, die ursprünglich mal den gut gemeinten Sinn hatte, die Bürger der USA in die Lage zu versetzen, im Zweifel gegen ein oppressives Regime zu rebellieren. "Wenn die Menschen ihre Regierung fürchten, herrscht Tyrannei."

"Wenn aber die Regierung ihre Bürger fürchtet, herrscht Freiheit", soll Thomas Jefferson zum Thema gesagt haben. Würde heute jedoch der einzelne, aufrechte Amerikaner mit seiner M15 einem Kampfpanzer gegenübertreten, würden ihm vermutlich schnell die Grenzen dieses über 200 Jahre alten Ideals aufgezeigt. Trotzdem: Die Idee, dass Knarren Freiheit bedeuten, wird Amerikanern seit jeher von Kindesbeinen an eingetrichtert. Entsprechend kaufen die Leute dort auch schon seit Ewigkeiten Schusswaffen. Laut Schätzungen befinden sich bis zu 270 Millionen davon in zivilem Besitz. 270.000.000 Feuerwaffen!

So gerne wir also aus 6.000 Kilometern Entfernung schreien, sie sollen die Schießprügel endlich mal verbieten: die Sache ist echt kompliziert. Insbesondere für einen Politiker, der ja gerne wiedergewählt werden will. Joe Biden, den Vizepräsidenten, verstehe ich also. So eine Videospielekomission ist schnell und mit millionenfach weniger Geschrei eingerichtet. In ein paar Monaten kann man das dann im Sande verlaufen lassen - aus die Maus. Hat keinem wehgetan.

Vernachlässigte Verantwortung

Was ich nicht verstehe: Warum macht die Spieleindustrie bei diesem Mummenschanz mit? Kris Graft, der Chefredakteur der Entwickler-Webseite Gamasutra, hat die Idiotie dieses Vorgehens wunderbar auf den Punkt gebracht, als er schrieb: "Wenn du dich mit Joe Biden zum Thema 'Gun Control' triffst, dann sagst du damit aus, dass du Teil dieses Problems bist - und damit bist du Teil des Problems."

Nachdenken, statt Mitmachen : Joe Biden traf sich mit führenden Vertretern der Spielebranche, darunter auch EA-Boss John Riccitiello. Joe Biden traf sich mit führenden Vertretern der Spielebranche, darunter auch EA-Boss John Riccitiello. Goldrichtig! Die Spieleindustrie hat in den langen Jahren der Gewaltdebatte verschiedene Stadien durchlaufen. Am Anfang stand das blinde Leugnen aller Verantwortung, das ich persönlich bisher am widerlichsten fand. Man verschanzte sich hinter dem Schutzschild, dass keinerlei negative Auswirkungen von Spielen bewiesen wären. Na klar, Schlauberger, weil die Wirkung von Medien aller Art auf den Menschen bis heute nur dürftig erforscht ist - einfach weil uns noch keine gute Methode eingefallen ist, wie das gehen soll. Immerhin sprechen statistische Vergleiche zwischen Ländern mit unterschiedlich freiem Zugang zu gewalttätigen Medien recht deutlich gegen einen starken Effekt. Dass trotzdem eine Industrie, die sich gern Etiketten wie "Massenmedium", "Kulturgut" oder "Kunst" anheftet, Verantwortungsbewusstsein demonstrieren muss- diese Einsicht hat sich bis heute nicht durchgesetzt. Daran ändert auch die Teilnahme am Treffen mit dem Vizepräsidenten nichts.

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Avatar Splatterest
Splatterest
#1 | 21. Jan 2013, 14:44
Lasst das Geflame beginnen. Ich persönlich bin zwar großer Fan von Splatter in Film und Spiel, finde aber dass es nicht zum puren Selbstzweck werden darf. Aber in ein extrem abgedrehtes Szenario passt übertriebene Gewaltdarstellung oftmals gut, um die Absurdität zu unterstreichen (zB bei Filmen wie Machete oder Spielen wie Bulletstorm) oder auch um bei beklemmenden Szenarien die Bedrohung eindringlicher zu zeigen (etwa bei Dead Island, wobei da die Verstümmelungen auch gameplay-technisch Sinn machen). Ich finde diesen "Voyerismus" auch nicht schlimm, solche Morbiden Sachen haben schon immer die Menschen fasziniert (Gladiatorkämpfe, öffentliche Hinrichtungen etc...).

Jedoch ist es sicher nicht so dass man komplett auf dem Standpunkt "Gewalt in Spielen hat 0 Einfluss auf die Sieler" bestehen kann. Aber es ist unter Umständen nur einer von sehr vielen Faktoren und den schwarzen Peter sollte man nicht allein dahin schieben.
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Avatar CookinT
CookinT
#2 | 21. Jan 2013, 14:46
Gewalt ist generell angesagt im Westen
die ganzen Asiatischen Spiele mit ihrem Knuffel-Look stellen die Gewalt weit weniger drastisch da und da ist die Kriminalität (gerade bei der Jugend, die bringt sich eher selber um) auch niedriger

What has been seen can't be unseen oder so ähnlich
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Avatar TrudleR
TrudleR
#3 | 21. Jan 2013, 14:49
Wenn schon Killerspiele, dann bitte auch "Killerfilme".

Ich habe einfach das Gefühl, dass sich die meisten Politiker sowieso nicht für Games interessieren. Ihre fetten Bäuche schleppen sie am Abend vermutlich trotzdem vor den TV und ziehen sich irgend einen heftigen Streifen rein.

Aber davon gewalttätig werden? Nein... Schliesslich sehen sie das jeden Tag und haben noch niemanden getötet.

Genau so wie es eigentlich Millionen von Spielern gibt, die ebenfalls noch niemanden getötet haben. Aber wer zockt, muss ja einen an der Waffel haben...

So kommt mir diese immer wiederkehrende Debatte irgendwie vor. Jeder schaut beim anderen und sucht den Fehler da, wo es einen selbst am wenigsten trifft.

In Filmen gibt es ja meistens auch einen stählernen Protagonisten, mit dem man sich oftmals gerne selber identifizieren würde.
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Avatar th3ch3
th3ch3
#4 | 21. Jan 2013, 14:51
Cracked.com hat neulich einen sehr lesenswerten Artikel zu diesem Thema aus amerikanischer Sicht geschrieben, ohne sich dabei auf irgendeine polititsche Seite zu schlagen:

http://www.cracked.com/blog/the-truth-abou t-guns-video-games/
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Avatar Njemus
Njemus
#5 | 21. Jan 2013, 14:52
Was man aber auch nicht vergessen darf, ist die zum Teil wirklich übertriebene Gewaltdarstellung, fast -verherrlichung in manchen Spielen.
Manchmal denke ich mir echt, wenn man in irgendeinem Quicktime-Event wieder man jemanden mit dem Messer abschlachtet, warum es denn wirklich so sein musste. Warum nicht schnell und schmerzlos.

Nichtsdestotrotz kann ich dem eh schon so oft genannten Punkt leicht zustimmen: Spiele machen keine Attentäter.
Wer dazu fähig ist, ein (unschuldiges) Leben zu nehmen, bei dem war schon davor ordentlich was falsch. Man muss schon ein richtiges Problem haben, wenn man in eine Klasse rennen kann und losballern kann.
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Avatar Frei.Wild
Frei.Wild
#6 | 21. Jan 2013, 14:53
Morden und töten macht spaß...in einem Spiel...im realen Leben ist es etwas sehr sehr verachtenswertes und schlechtes. Und wer das nicht voneinander trennen kann hat sowieso einen Schaden und braucht keine Spiele um andere Menschen zu töten/verletzen oder zu quälen.
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Avatar Seine Majestät
Seine Majestät
#7 | 21. Jan 2013, 14:53
Dieser Kommentar wurde ausgeblendet, da er nicht den Kommentar-Richtlinien entspricht.
Avatar Agreon
Agreon
#8 | 21. Jan 2013, 14:55
FALLS, ein Verbot von bestimmten Inhalten in Spielen kommen sollte, ist das dann nicht Unterdrückung von Kunst?
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Avatar Nuranon
Nuranon
#9 | 21. Jan 2013, 14:55
hm vielleicht ist die Spieleindustrie in einer Art Arnold Schwarznegger Phase...dumme Action, tolle Inszinierungen und total männliche Amerikaner.
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Avatar Endriel
Endriel
#10 | 21. Jan 2013, 14:56
htt p://9gag.c om/gag/6341190

Edit: Ok, 15 Leute die so dumm sind, dass sie das Bild nicht verstehen. Gratulation, ihr könnt euch zur Generation CoD zählen.
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Details zu Dishonored: Die Maske des Zorns

Plattform: PC (PS3, Xbox 360)
Genre Action
Untergenre: -
Release D: 12. Oktober 2012
Publisher: Bethesda
Entwickler: Arkane Studios
Webseite: http://www.dishonored.com/
USK: Keine Jugendfreigabe
Spiele-Logo: Download
Leserinteresse:
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