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Zum Thema » Doom 3: The Lost Mission Trailer zu den Zusatzkarten » Wenn Spiele keinen Spaß machen Report von André Peschke Doom 3 BFG Edition ab 6,99 € bei Amazon.de Am Montag hat ein moderner Superathlet einen Weltrekord aufgestellt und wir waren live dabei. Robert „Sunblade“ Brandl gelang es den bisherigen Speedrun-Rekord in Doom 3: BFG Edition - Lost Missions von gut 60 Minuten beinahe zu halbieren (Video)! Eine Leistung, die ihm mit Sicherheit die Achtung und den Respekt von Spielern in aller Welt eingebracht hat!

Oooder auch nicht. Die Kommentare bei unseren geliebten Brüdern und Schwestern bei der Gamestar waren eindeutig: „Und was kann der Herr im realen Leben?“, „komplett lächerlich“ und „Nur weill so ein Freak der kein RL hat sich seine Tage mit nur einem Spiel vertreibt ist für mich uninteressant und hat ganz sicher nicht meine Aufmerksamkeit oder gar beachtung verdient“, ist dort zu lesen. Gemeint ist Robert Brandl, ein Weltrekordhalter im so genannten „Speedrunning“. Der 23 Jährige aus Aachen hatte eine fünfteilige Mini-Webserie mit dem Titel „Mythos Robert Brandl: Mensch oder Maschine?“ gedreht, um auf Brandls jüngsten Weltrekordversuch aufmerksam zu machen. Ein Vorhaben, das die Kommentatoren wegen seiner vermeintlichen Selbstherrlichkeit mit seitenweise Verachtung und Häme bedachten.

Dabei ist Robert Brandl das genaue Gegenteil eines von sich selbst eingenommenen jungen Mannes. Das zusammen mit Dominik Hellfritzsch vom Magazin Victory Road produzierte Video, war eigentlich als Parodie auf sensationsheischende Berichterstattung in Boulevardmedien gedacht. So richtig überrascht über die Reaktionen, ist er aber trotzdem nicht. „Das Video wurde in seiner englischen Form auch auf der Seite von id Software verlinkt. Da war die Reaktion völlig anders. Die Speedrun-Szene hier in Deutschland ist einfach viel kleiner, hat also einen ganz anderen Stellenwert. Die Leute können das deswegen vermutlich einfach nicht so gut einschätzen“, sagt er.

Dabei ist das Speedrunning eine durchaus faszinierende Spielart der Games-Kultur. Wenn man Brandl zusieht, wie er durch die „Lost Missions“ eilt, bekommt man einen völlig neuen Eindruck vom Spiel. Die komprimierte Spielerfahrung zeigt beispielsweise überdeutlich, das die Gegnerplatzierung im Spiel teilweise in ideenlos wiederkehrenden Mustern angeordnet ist.

Doom 3: Lost Missions - Speedrun-Weltrekord : Darauf ist er wirklich stolz: Robert Brandl mit seiner Guiness-Weltrekord-Urkunde für 'Resident Evil 4'. Darauf ist er wirklich stolz: Robert Brandl mit seiner Guiness-Weltrekord-Urkunde für 'Resident Evil 4'.

Die wenigen Male, in denen Brandl nicht sofort den perfekten Treffer landet wird außerdem deutlich, welche Monster-KI so unberechenbar ist, dass sogar der Experte in Schwierigkeiten kommt. Insbesondere die Performance des Spiels erscheint in keinem guten Licht. An einer Stelle gegen Ende, muss Brandl kurz abbrechen und einen Spielstand neu laden. Er ist bis hier hin durchgerannt und wird von einer ganzen Gruppe von Monstern verfolgt. Weil in dem Bereich, in den er gerade gelaufen ist, ohnehin schon viele Feinde stehen, bricht das Spielgeschehen fast völlig zusammen. Beim Neuladen des Spielstandes, verschwinden die zusätzlichen Gegner. Es ruckelt immer noch.

Während Brandl spielt, ist er hoch konzentriert. Nur in den zahlreichen Ladepausen des Spiels, kommentiert er knapp das Spielgeschehen. Mit seiner Leistung im zweiten Kapitel ist er sehr unzufrieden. Gegen Ende holt er die verlorenen Sekunden aber wieder raus. „Jetzt sollte eigentlich nichts mehr schief gehen“, verkündet er lapidar vor dem letzten Level. Da muss er eigentlich nur noch durchrennen. Fertig. Weltrekord. Keine Boris-Faust, kein Siegesschrei. Robert Brandl weiß, anders als ihm das wegen des Videos unterstellt wurde, dass er hier keine Großtat vollbracht hat.

Im anschließenden Interview gibt er offen zu, dass sein Weltrekordversuch eigentlich eher ein PR-Gag ist. „Ich bin ganz ehrlich: Das war jetzt für mich kein wichtiger Speedrun. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass wir das Hauptspiel „Doom 3“ nehmen. Aber das hätte Stunden gedauert. Das war der Presse nicht zuzumuten“, sagt er locker. Das er die niedrig gelegte Messlatte von 60 Minuten deutlich unterbieten würde, war schon vorher klar. Sein wahrer Ehrgeiz war es eigentlich, seine Trainingsbestleistung von 31 Minuten und 38 Sekunden zu unterbieten. Am Ende waren es 32:05 Minuten. Zufrieden ist er, aber nicht begeistert.