Roguelike, Pixel-Optik, zufallsgenerierte Level. Eine Kombination, die dieser Tage in Indie-Spielen ungefähr so überraschend ist wie Todessterne in Star Wars Filmen. Braucht die Welt also wirklich noch einen weiteren Pixel-Roguelike-Shooter im Stile eines The Binding of Isaac oder Nuclear Throne? Der Test zeigt schnell: Und ob!

Denn Enter the Gungeon überwindet mit seiner Sogwirkung regelmäßig die Gesetze der Physik. Die erste Spielstunde dauert gefühlt höchstens 45 Minuten, die zweite vergeht sogar noch schneller. Möglicherweise verfliegt unsere Lebenszeit aber auch so schnell, weil wir ständig sterben. Ein ums andere Mal sacken wir verzweifelt oder fluchend in unserem Stuhl zusammen, wenn es in pixeligen, roten Lettern heißt: DU BIST TOT.

Wohlgemerkt schimpfen wir dabei nur auf uns selbst - okay, ab und an auch auf unser streng wissenschaftlich erwiesenes Pech in Videospielen. Nie aber auf die Steuerung. Schüsse treffen, wenn und wann sie sollen, mit dem richtigen Timing können wir selbst dem dichtesten Kugelhagel entkommen und die Umgebung wird nur zum Hindernis, wenn es vom Spiel so vorgesehen ist.

Irrwitziges Waffenarsenal

Egal ob beim ersten oder hundertsten Anlauf: Mit einem von vier Helden, die sich allerdings mehr optisch als spielerisch unterscheiden, starten wir unser Abenteuer stets in der sicheren »Bresche«. Hier quatschen wir mit NPCs und erstehen bessere Ausrüstung, bevor wir anschließend das Tor zur mehrstöckigen Dungeon-Welt durchschreiten. Und dann mutiert Enter the Gungeon vom Rollenspiel light zum knallharten Top-Down-Shooter.

Raum für Raum schießen wir uns durch Gegnerhorden und weichen Hunderten von Geschossen aus. Wichtigste Werkzeuge sind neben unserer Waffe die Ausweichrolle, die uns im Kugelhagel kurzzeitig Immunität verschafft sowie eine pro Dungeon-Ebene begrenzte Zahl an so genannten »Nichtsen« - eine Art Smart Bomb, die bei Aktivierung sofort alle Geschosse zerstört und uns so eine kurze Atempause im Dauerfeuer verschafft.

Enter the Gungeon
Die Gorgowumme ist einer von drei möglichen Bossgegnern der zweiten Etage und überzieht uns mit einem beinahe endlosen Kugelhagel.

Die von Hand gefertigten Räume werden dabei zufällig angeordnet, sodass kein Durchgang ganz wie der andere aussieht. Und damit es uns auf unseren mordlustigen Jagdausflügen nicht langweilig wird, fährt das Spiel mehr als hundert Gegnertypen mit unterschiedlichen Angriffs- und Bewegungsmustern auf, die uns auch abseits der etwa 20 Bosse auf eine ernsthafte Probe stellen.

Um auf möglichst kreative Art und Weise die Oberhand auf dem Pixelschlachtfeld zu behalten, greifen wir auf ein riesiges Waffenarsenal zurück. Ob nun ganz konventionell mit Laser und Feuerball oder extravagant mit T-Shirts und toten Fischen: Enter the Gungeon hat für jeden Geschmack die passende Wumme auf Lager. Unser Favorit: Die Buchstabenkanone, mit der wir wortwörtlich »B-U-L-L-E-T«-Salven abgeben. Die rund 200 Knarren kann man aber ausschließlich innerhalb eines Dungeon-Runs ergattern und benutzen.

Neben neuen Waffen finden wir in Schatzkisten auch Ausrüstungsobjekte, die ganz klassisch unsere Lebenspunkte erhöhen oder ganz unklassisch unsere Ausweichrolle verbessert, so dass diese alle während der Rolle passierten Geschosse auf die Angreifer zurückwirft. Das Experimentieren mit den Waffen und Fähigkeiten macht einen Heidenspaß und den Hauptreiz von Enter the Gungeon aus, da wir mit nahezu jedem Fundstück auch unsere Kampfstrategie ein wenig ändern müssen.