Das Dynamit sollte das Sprengen von Tunneln erleichtern, erleichterte aber auch das Sprengen von Menschen. Der Biosprit sollte die Abhängigkeit von explodierenden Ölpreisen lösen, sorgte aber auch für explodierende Getreidepreise. »Gut gemeint« ist eben oft das Gegenteil von »gut«. Dieser alte Sinnspruch trifft ebenfalls auf alles zu, was der Antiheld Rufus in unserem Test des Point&Click-Adventures Goodbye Deponia anpackt, dem Abschluss und Höhepunkt von Daedalics Deponia-Trilogie .

In seinem aberwitzigen Bestreben, den namensgebenden Müllplaneten vor der Sprengung durch das Organon zu bewahren sowie seine Angebetete Goal zu retten, hinterlässt Rufus eine Schneise der Verwüstung. Und Lachfalten auf unseren Gesichtern.

Kein Kopierschutz
Wie seine Vorgänger erscheint auch Goodbye Deponia ohne Kopierschutz, muss also auch nicht online aktiviert werden – absolut löblich. Außerdem stimmt die Ausstattung, für rund 30 Euro enthält die Box neben der Spiel-DVD noch den hervorragenden Soundtrack auf CD und ein Poster.

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Geschichte mit Kniff

Denn keine Angst vor allzu schwerer Kost: Ähnlich wie bei der kleinen Lilli im Adventure Harveys neue Augen versteht es der Autor Jan »Poki« Müller-Michaelis auch in den Deponia-Spielen das tieftragische Werk und Schicksal seine Hauptfiguren in absurde Komik zu verpacken. Für Goodbye Deponia zieht er deshalb nochmal alle Register, von einer überraschenden Wendung nach der anderen über Klamauk im Stile klassischer Verwechslungskomödien bis hin zum dreifach geklonten Rufus.

Goodbye Deponia
Der größte Teil von Goodbye Deponia spielt in der Stadt Porta Fisco. Hier treffen die drei Rufusse auch alte Bekannte wie den obdachlosen Akademiker Goon wieder.

Moment: Rufus gibt's jetzt dreimal? Stimmt, wie genau es dazu kommt, wollen wir nicht verraten, zumal die Geschichte noch mehr Überraschungen dieses Kalibers auffährt. Daher nur so viel: Während die von Rufus angezettelte Revolution auf Deponia sich verselbständigt hat und scheinbar kurz vor dem Sieg steht, hält der Organon an seinen Sprengungsplänen eisenhart fest.

Rufus hingegen ist wieder mal vorrangig damit beschäftigt, Goal zu retten, die er natürlich erneut in eine missliche Lage gebracht hat. Während seiner Abenteuer klont er sich schließlich vorsätzlich, um alle drei Ziele gleichzeitig zu erreichen: Goal retten, Deponia vor der Zerstörung bewahren und nach Elysium aufsteigen. Na, das kann ja heiter werden. Und wird es auch.

Day of the Tentacle reloaded

In Sachen Umfang ist Goodbye Deponia im Vergleich zu den Vorgängern deutlich gewachsen, rund zwölf Stunden dauert der Showdown auf dem Müllplaneten. Einen Großteil davon können wir alle drei Rufus-Klone parallel steuern, dürfen jederzeit zwischen ihnen hin und her wechseln und sogar Gegenstände austauschen, sofern es die Örtlichkeiten zulassen.

Wer jetzt Day of the Tentacle schreit, hat natürlich Recht und sei beglückwünscht, weil er den LucasArts-Klassiker von 1994 gespielt hat. Neu ist die Idee mit dem Charakter-Wechsel also nicht, allerdings braucht Goodbye Deponia den Vergleich mit dem Vorbild auch nicht zu scheuen. Die Dialoge, die skurrilen Charaktere und die Slapstick-Komik erreichen durchaus das Niveau des legendären Tentakel-Abenteuers.

Lediglich beim Rätseldesign sorgte damals die zusätzliche Zeitreise-Komponente für einen Tick mehr Komplexität und Um-die-Ecke-Denk-Potenzial. Zwar steigt dank der anspruchsvollen Rätselketten um die drei Rufusse (oder Rufii?) der spielerische Anspruch, aber noch immer lassen uns fehlende Journaleinträge oder Hilfestellungen stellenweise ratlos herumprobieren, was wohl der nächste sinnvolle Schritt sein könnte.

Außerdem unterbrechen immer wieder Mini-Knobelspielchen den Spielfluss, die sich wenigstens per Knopfdruck überspringen lassen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn die Lösungen sind meinst auf in sich logisch - auch wenn man statt normaler eher rufus'sche Logik-Maßstäbe anlegen muss: abgedreht, tollkühn, waghalsig oder schlicht und einfach wahnsinnig.