Hitman Episode 6 : Beendet Hokkaido das sechste Hitman mit einem Knall? Beendet Hokkaido das sechste Hitman mit einem Knall?

Zum Thema Hitman ab 6,98 € bei Amazon.de HITMAN - The Full Experience für 41,99 € bei GamesPlanet.com Der Abspann ist gelaufen, die letzte Episode des sechsten Hitman durchgespielt. Damit kann der große Staffeltest der gesamten »Hitman Experience« beginnen, erscheinen wird unser Test von Hitman voraussichtlich am 2. November - inklusive Wertung. Doch bevor es soweit ist, gibt's hier eine knappe Orientierung für zögernde Hobby-Attentäter, die wissen wollen, was die letzte Episode so auf dem Kasten hat. So viel vorneweg: »Hokkaido« (könnte ein Kürbis (-> Halloween-Referenz) sein, spielt aber in Japan) hat einige klare Stärken, kränkelt aber in Bereichen, in denen bisherige Episoden besser waren.

Pünktlich zum Release plant IO Interactive übrigens überdurchschnittlich viele Inhalte, die noch im November erscheinen sollen. Darunter diverse Escalation Missions (Nebenmissionen) und drei Elusive Targets (die nur für ein paar Echtzeit-Tage verfügbar sind). Bisher gab's pro Monat tendenziell maximal zwei dieser hochkarätigen VIP-Ziele. Viel zu tun also, aber jetzt steht der Ausflug nach Japan erstmal ganz oben auf der Hitman-Agenda.

Test zur vorherigen Episode: Colorado

Hitman in Hokkaido: Die Test-Eindrücke

  • Japan fällt als Level im Vergleich zu früheren Teilen der Hitman-Serie sehr umfangreich und weiträumig aus, aber doch kleiner als Episode 2 (Sapienza) und 3 (Marrakesch) des sechsten Hitman. Als 47 besuche ich eine streng geheimes High-Tech-Krankenhaus, in dem die Reichen und Mächtigen gegen Bares experimentelle Medizin kaufen können, die uns normalen Menschen verwehrt bleibt. Hier muss der Hitman zwei Ziele ausschalten, eins davon hat einen persönlichen Hintergrund.

  • Leveldesign gehört zu den Paradedisziplinen von Entwickler IO Interactive, und das zeigt sich auch hier wieder: Die Location ist nicht nur in ihrem Artdesign absolut markant und protzt mit einem Kontrast aus High-Tech-Displays, KI-Zentralen und antiken Teehäusern samt Gartenanlage - nein, all diese optischen Facetten werden auch Teil der tatsächlichen Spielmechanik. Zum Beispiel kann man eine ganze Menge Quatsch anrichten, wenn man sich an der Technik des Medizinzentrums zu schaffen macht.

  • Die Manipulation der Umwelt gehört zu den größten Stärken der sechsten Episode. Auch die Signature Kills (also spezielle geskriptete Attentatsmöglichkeiten) gehören zu den besten der gesamten Serie. Und sind definitiv nichts für schwache Nerven.

  • Der Weg zum eigentlichen Hit gestaltet sich etwas leichter als in der fünften Episode (Colorado), weil ich weniger Ziele ausschalten muss und die gejagten Personen leichter zu erreichen sind. Trotzdem muss man selbst mit eingeschalteten Checkpoints mehr Köpfchen benutzen - im direkten Vergleich pendelt sich der Schwierigkeitsgrad etwa auf dem Niveau der vierten Episode (Thailand) ein. Die größte Herausforderung sind die vielen abgesperrten Bereiche, für die ich entweder die richtigen Chips in meiner Kleidung brauche - oder ein Hacking-Tool.

  • Die Story enttäuscht, obwohl sie großartig ist. Der Abspann drückt bei mir als altem Hitman-Veteranen genau die richtigen Knöpfe, hält die Spannung und Neugierde aufrecht, die mich seit Episode 1 so fasziniert. Aber das Spiel schenkt mir keine einzige Antwort. Seit sechs Episoden vertröstet mich die Rahmenhandlung zwischen den einzelnen Schauplätzen mit Cliffhangern und kleinen Häppchen - und selbst im Finale ändert sich das nicht. Klar, eine zweite Hitman-Staffel wird definitiv erscheinen, trotzdem haben viele Fans Hitman (6) als vollwertiges Paket verstanden und gekauft. Hier kann ich den Frust verstehen. Die erzählte Geschichte wird mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit die beste Story seit Hitman 2, aber ich will gefälligst nicht noch ein Jahr warten und nochmal 50 Euro bezahlen müssen, um das sicher sagen zu können. Zumindest irgendeine Form von Abschluss habe ich erwartet.

  • Unterm Strich holt auch die letzte Hitman-Episode spielerisch nicht mehr das Sandbox-Genie ein, mit dem Sapienza noch trumpfen konnte. Die Räumlichkeiten wirken enger, geschlossener, die Freiheit im eigenen Vorgehen stärker gelenkt. Hokkaido ist trotzdem eine tolle Herausforderung, wird der großen Open-World-Prämisse von Hitman aber weniger gerecht als frühere Schauplätze.

  • Zum Beginn der Mission habe ich keinen Zugriff auf mein Loadout. In allen Szenarien bisher konnte 47 seine erspielten Gadgets, Waffen und Gifte direkt einpacken - in Hokkaido muss ich mir das erst über erledigte Herausforderungen verdienen. Das hält den Schwierigkeitsgrad in der Balance und zwingt mich zum Umdenken, weil ich nicht mal meine handlichen Münzen zum Ablenken der Wachen mitführen kann. Ich starte die Mission komplett nackt (okay, mit einem Kimono). Diese besondere Ausgangslage ergibt sich logisch aus dem Szenario, weil ich als Patient eingeschleust wurde und natürlich alle Gegenstände abgeben musste. Das könnte einige Spieler nerven, weil sie sich an ihr Inventar gewöhnt haben, und es von Entwicklerseite ein relativ simpler Trick ist, den Schwierigkeitsgrad hochzutreiben - ich fand die Abwechslung aber sehr willkommen.

  • Der schwarze Humor ist klasse. Generell trumpft Hokkaido mit einer dichteren Atmosphäre als bisherige Episoden. Es gibt nette Anspielungen auf frühere Abenteuer und diverse Dialoge, die mir die korrupte Welt der Reichen und Mächtigen näherbringen. Wer bisher gut aufgepasst hat, wird viele Namen wiedererkennen. Und die Situationen, in denen 47 selbst zu Wort kommt, gehören zu den Highlights. Wenn ich beispielsweise mein Ziel davor warne, dass sich ein Unbekannter im Krankenhaus umhertreibt. Da bleibt sie besser in meiner Nähe.

Hitman endet in der ersten Staffel zwar sehr gut, aber nicht meisterhaft - zumindest im Vergleich zu früheren Episoden. Wer sich in Sapienza, Marrakesch, Thailand und Colorado so richtig ausgetobt hat, wird hier zwar neugierig, aber doch recht routiniert herumlaufen und die Zielpersonen um die Ecke bringen. In puncto Atmosphäre, Leveldesign und Interaktionsmöglichkeiten (Signature Kills!) trumpft Hokkaido richtig auf, Umfang und Schwierigkeitsgrad bleiben aber überschaubar. Das soll hier nicht zu negativ klingen: Ich habe mit Japan wirklich viel Spaß.

Das Level erinnert mich an das tolle »Flatine«-Kapitel aus Hitman: Blood Money, ist de facto locker dreimal so gut. Medizinische High-Tech-Einrichtungen voller Wachmänner und korrupter Anzugträger - in diesem Setting treibe ich mich gerne für Stunden herum, weil es die Agenten-Spionage-Atmosphäre des sechsten Hitman perfekt auf den Punkt bringt. Aber wenn Sie bisher bei Hitman 6 eher mit der Schulter gezuckt haben, wird Sie dieser letzte Auftrag wohl eher nicht von dem Sandbox-Prinzip überzeugen können. Aber vielleicht ja Staffel 2.