Als man externe Tester an Kingdom Come: Deliverance gesetzt habe, die das Rollenspiel noch gar nicht kannten, sei deren häufigste Frage gewesen: Wo bleiben denn nun Magie und Drachen? Das hat uns der Chefentwickler Daniel Vavra im April auf einer Konferenz erzählt. Und ach, liebe Tester, ihr müsst jetzt ganz stark sen. Magie und Drachen haben wir nämlich auch in der Gamescom-Demo von Kingdom Come nicht gesehen.

Wie auch, schließlich versetzt uns das Rollenspiel nicht in die übliche Fantasywelt, sondern ins Böhmen des »echten« Mittelalters. Dieses Mittelalter will der Entwickler Warhorse nicht nur so realistisch nachbilden wie möglich, es soll für Aufgaben auch unterschiedliche Lösungswege geben, darunter heimliche. Wie das in der Praxis aussehen könnte, zeigt Warhorse auf der Gamescom anhand einer Beispielmission.

Kingdom Come: Deliverance
Und das ist der gute Mann. Er wird den Prolog leider nicht überleben. Kingdom Come: Deliverance erzählt eine Rache-Story.

Schleichen für den Fürsten

  • Der Held arbeitet in der Beispielmission für den örtlichen Fürsten Radzig Kobyla, der Böhmen vor den ungarischen Invasoren beschützen will, die zum Spielbeginn auch das Heimatdorf des Helfen verwüstet haben. Hierzu gründet Fürst Kobyla eine Art Widerstandsbewegung.

  • Der Auftrag lautet, ein ungarisches Militärcamp auszuspähen und Fürst Kobyla über die Stärke der Angreifer zu unterrichten. Wie der Spieler das anstellt, bleibt ihm überlassen.

  • Um die Sache noch komplizierter zu machen, haben sich die Ungarn auch noch mit örtlichen Banditen verbündet. Man mag sich zwar nicht sonderlich, arbeitet aber zusammen, weil sich die Landbevölkerung gemeinsam noch besser ausplündern lässt.

  • Nun könnte der Held natürlich einfach zum Haupttor des Militärlagers spazieren. Weil er keine ungarische Uniform trägt, erkennen ihn die Wächter aber sofort als Fremdling und alarmieren ihre Kumpanen. Und Kämpfe gegen mehrere Gegner enden fast zwangsläufig mit dem Gesicht nach unten im Straßengraben, weil man Schwerthiebe von hinten eben schwer blocken kann.

Kingdom Come: Deliverance : Nach wie vor beeindruckend schön: die Wälder von Kingdom Come. Nach wie vor beeindruckend schön: die Wälder von Kingdom Come.

  • Also muss geschlichen werden! Das Schleichtalent kann man durch Benutzung verbessern, aber nicht »immer am selben Ort«, wie die Entwickler versichern. Wer zum Meisterspion werden will, muss viele unterschiedliche Schauplätze der Spielwelt beschlichen haben.

  • Beim Schleichen sollte man zudem keine Kettenrüstung oder ähnlich scheppernde Klamotten tragen, sondern Leder- oder Stoffklamotten. Die machen keinen Lärm.

  • Als Waffe bietet sich ein Dolch an, mit dem man Gegner lautlos ausschalten kann, wenn man sich hinterrücks an sie heranschleicht. Zum Beispiel den Wächter, der um das ungarische Lager patrouilliert.

  • Erledigte Gegner lassen sich wegtragen und verstecken, zum Beispiel in hohem Gras. Feinde schlagen erst Alarm, wenn sie eine Leiche finden, nicht, wenn einer ihrer Kollegen nur fehlt. Der macht bestimmt nur Pinkelpause.

  • Gegner zu Pferde lassen sich mit einer Stangenwaffe von selbigem herunterstochern, aber Achtung: Das Inventar wird in Kingdom Come sehr klein sein, man kann nicht einfach mal ein Schwert, einen Dolch und eine Hellebarde einpacken.

  • Zu Anschauungszwecken haben die Entwickler dennoch eine Hellebarde dabei, piksen einen ungarischen Reiter vom Rappen, verstecken die Leiche - und klauen ihre Rüstung! Denn auch Klamotten kann man nämlich nicht beliebig viele mitschleppen. Wer sich vorab fürs Schleichen entscheidet, kann nicht mal eben in die Plattenrüstung wechseln und doch lieber kämpfen.

Tu, was du willst

  • Die ungarische Rüstung halt einen wertvollen Vorteil: Sie verdeckt das Gesicht und eignet sich daher perfekt als Verkleidung! In dieser Kluft kann sich der Held den Wachen am Fronteingang nähern, ohne dass sie gleich die Schwerter kreisen lassen.

  • Sobald er passieren will, sprechen sie ihn jedoch auf Ungarisch an. Der Held kann aber nur Tschechisch. Eigentlich. Wenn man vorher das Sprachtalent trainiert hat, darf man aber auch ein paar Brocken Ungarisch murmeln - und wenn der Talentcheck erfolgreich ist, darf man rein ins Lager. Wenn nicht: kreisende Schwerter.

  • Der Held könnte natürlich auch wortlos vorbeigehen oder auf Tschechisch antworten, was die Wahrscheinlichkeit kreisender Schwerter aber exponentiell erhöht.

  • Im Lager lassen sich dann nicht nur Banditen zählen, sondern auch diverse andere »Späße« anstellen. Wer schlau genug war, ein Fläschchen Gift mitzubringen, kann beispielsweise die vier Kochtöpfe der Ungarn und der Banditen vergiften. Wie alle anderen Bewohner der Spielwelt haben nämlich auch die Lagerbewohner einen simulierten Tagesablauf. Und dazu gehört, dass sie irgendwann essen.

  • Mit Gift lässt sich allerdings nicht das ganze Camp entvölkern. Sobald zwei bis drei Soldaten verstorben sind, riechen die restlichen die Lunte und essen eine Zeitlang nichts mehr. Derweil verflüchtigt sich das Gift.

Kingdom Come: Deliverance : Geschlichen wird in Kingdom Come auch. Zwar nicht in Lüftungsschwächten, dafür in hohem Gras. Geschlichen wird in Kingdom Come auch. Zwar nicht in Lüftungsschwächten, dafür in hohem Gras.

  • Und wie geschieht das? Vergiftete Soldaten legen sich schlafen, um ihre Lebensenergie zu regenerieren. Weil das Gift die Lebenspunkte aber schneller tilgt, als die sich wieder auffüllen, sterben die Opfer im Schlaf. Dann sollen sich andere KI-Wachen irgendwann wundern, dass die Kollegen nicht wieder aufwachen und an ihnen rütteln. Dann: Alarm!

  • Sobald sie im Lager eine Leiche gefunden haben, beginnen die ungarischen Soldaten, ihre Kameraden zu befragen, um den Meuchelmörder auszuspüren. Sollten sie dabei mit dem Spieler sprechen, rettet ihn seine Sprachbegabung nicht mehr - einem Verhör hält sein Ungarisch nicht stand.

  • Eine andere Möglichkeit wäre, Heuhaufen anzuzünden. Der resultierende Rauch verringert die Treffgenauigkeit der Banditen-Bogenschützen. Wer will, fackelt gleich noch ihre Pfeilvorräte ab. Schützen haben in Kingdom Come nämlich begrenzte Geschossvorräte, ohne Pfeilnachschub geht ihnen die Munition rasch aus. Aber Vorsicht: Feuer heißt Aufmerksamkeit heißt Alarm.

  • Nebenher lassen sich im Lager noch andere Dinge anstellen, zum Beispiel kann man gegen einen der tschechischen Banditen einen Übungs-Boxkampf bestreiten. Der natürlich trotzdem ziemlich blutig abläuft, wir sind ja nicht bei der Friedenstruppe.

  • Das Boxen läuft grundsätzlich wie die Schwertkämpfe, wir schlagen und blocken in eine von fünf Richtungen - und hoffen, damit die Abwehr des Gegners zu überwinden. Wer auf Details achtet, mag übrigens bemerken, dass die Boxer nicht mit ihren Fäusten zuschlagen, sondern mit den Handballen. Wer mit der Faust gegen eine Rüstung schlägt, kann nämlich recht schnell seinen Knöcheln auf Wiedersehen sagen.

  • Zurück zur Mission: Was man im Lager anstellt, bleibt letztlich komplett dem Spieler überlassen. Man könnte auch einfach überhaupt nicht hingehen. Oder eben nach der Erkundungstour zu Fürst Kobyla zurückgehen, um mit ihm zu besprechen, wie viele Soldaten er zum Lager schicken sollte, um es auszuheben. Dann kann man entscheiden, ob man an diesem Angriff teilnehmen möchte oder nicht.

  • Der Clou: Diese Mission kann auch scheitern, wenn der Fürst es nicht schafft, die Ungarn zu besiegen. Das bedeutet jedoch kein »Game Over«, stattdessen soll sich der Verlauf der Story entsprechend anpassen. »Dann passieren eben Dinge, die nicht passiert wären, wenn man die Ungarn ausgeschaltet hätte.«, orakeln die Entwickler. Zeigen wollen sie die Folgen nicht, die Gamescom-Demo endet mit der Flucht des Helden aus dem Lager.