Zum Thema » Test-Video zu Joe's Adventures Kommentierte Spielszenen » Jimmy`s Vendetta im Test Lohnt sich der 1. Mafia-2-DLC? » Mafia 2 im Test Ehrenwert, aber nicht verehrenswert Mafia 2 ab 9,98 € bei Amazon.de Mafia II für 23,99 € bei GamesPlanet.com Little Italy, 26. Februar 1945: Die Straßen von Empire Bay sind verschneit und Fenster von Autos und Häusern beschlagen. Joe Barbaro liegt auf seinem Bett, zwei leichte Mädchen leisten ihm Gesellschaft. Plötzlich verspürt Joe den Drang aufzustehen und zum Fenster zu gehen. »No, No – fuck!« Was er mit ansehen muss, schockiert ihn zutiefst: Sein bester Freund Vito wird auf der Straße verhaftet und abgeführt. Sofort ruft er einen seiner Bosse an und erkundigt sich, was passiert ist – jemand hat ausgesagt und Vito an die Cops ausgeliefert.

Mafia 2-Spielern wird diese Situation bekannt vorkommen, und sie wissen: Vito wird nicht gerade grundlos verhaftet und verbringt die nächsten Jahre hinter Gittern. Der perfekte Spielraum für Download-Häppchen! Joe’s Adventures setzt genau hier ein. Und wie der Titel ahnen lässt, schlüpfen wir diesmal in die Rolle des ewig fluchenden und etwas tollpatschigen Joe. Wir erfahren, was er in Vitos Gefängnis-Jahren so treibt und wie es dazu kommt, dass er für die Mafia-Familie von Carlo Falcone arbeitet.

Viel Potential – Schnelle Enttäuschung

Der Rahmen des DLCs könnte nicht besser sein. Die Entwickler nutzen ein Schlupfloch in der Story des Hauptspiels und können es füllen, ohne dabei den Handlungsverlauf zu stören beziehungsweise für Widersprüche zu sorgen. Sie können sich eines Protagonisten bedienen, den Spieler bereits kennen und vielleicht sogar liebgewonnen haben. Und zu guter Letzt haben die Entwickler die Grundlage für einen packenden Einstieg: Die Suche nach der Person, die Vito verpfiffen hat.

Mafia 2 - DLC-Test zu Joe's Adventures : Mit Kumpel Vito hinter Gittern ist Joe meist komplett auf sich allein gestellt. Aber wir wissen ja bereits: Irgendwie überlebt er es!

Neue Spielfigur
Mit Kumpel Vito hinter Gittern ist Joe meist komplett auf sich allein gestellt. Aber wir wissen ja bereits: Irgendwie überlebt er es!

Bis zu diesem Zeitpunkt ist Joe’s Adventure eine Dreingabe, die das Herz jedes Mafia-Fans höherschlagen lässt. Die gewohnt guten Zwischensequenzen, die spannende Story und die tolle Darstellung lassen schon beinahe Gänsehaut aufkommen. Doch hat man dem Verräter nach einigen Verfolgungsjagden (unter anderem über einen zugefrorenen See), Prügeleien und Schießereien endlich das virtuelle Licht ausgeknipst, geht es nicht nur für Joe bergab. Auch die Qualität des DLC beginnt zu leiden.

Aufgrund des Vertrauensbruchs mit der Clemente-Familie ist Joe gezwungen, für fünf Jahre die Stadt zu verlassen. Eigentlich nicht weiter schlimm, aber 2k Czech verpasst hier die tolle Chance, zu zeigen, dass DLCs mehr sein können als nur Zusatzhäppchen. Warum präsentieren sie uns nicht ein paar Missionen außerhalb Empire Bays? Es muss ja nicht zwingend eine neue offene Spielwelt sein, aber eine Abwechslung hätte gut getan. Auch eine kurze Sequenz, wie es sie in Mafia 2 bei Zeitsprüngen gab, vermissen wir schmerzlich. Alles wäre besser gewesen als die obligatorische »Fünf Jahre später«-Einblendung. Zurück im Geschehen wird es dann noch schlimmer. Statt weiterer toller Zwischensequenzen als Missionseinleitung erwarten uns blinkenden Auftragssymbole, die wir bereits aus dem DLC Jimmy’s Vendettakennen.

Driver lässt grüßen

Nach einigen Missionen mit Text-Einleitung wird uns schmerzlich bewusst, wovon die Mafia-Serie lebt: Von dichter Erzählung, filmreifen Zwischensequenzen und lebendigen Dialogen. Genau das fehlt Joe’s Adventures. Was bleibt, ist eine Aneinanderreihung von Aufträgen, die ihren Charme einbüßen und bei denen man sich schnell bewusst wird, wie redundant der Spielverlauf eigentlich ist.

Ein besonders exemplarisches Beispiel ist folgende Mission: Marty, Joes jugendlicher Kumpel (den wir bereits aus Mafia 2 kennen), ist in Schwierigkeiten. Er wurde von einer Bande in die U-Bahn verfolgt. Dort angekommen, räumen wir auf, um unseren Freund zu befreien. Statt einem witzigen Dialog zwischen Marty und Joe erwartet uns allerdings ein bewusstloser Marty, den wir dann ins Auto zerren und zum Mafia-Arzt El Greco fahren. Ohne Dialoge oder Sequenzen verliert die Mission jeglichen Reiz, der Mafia ausmachen sollte.

Der sich wiederholende und eher träge Spielverlauf wird an einer Sache besonders deutlich: Die meisten Zeit verbringen wir im Auto. Missionen wie »Gehe zu Ort A und klaue ein Auto, bringe es anschließend an Ort X« bestimmen Joes Gangster-Alltag. Kreative Abwechslung gibt es höchstens durch Einschränkungen wie: »Fahre das Auto den Berg hinab, die Bremsen sind allerdings kaputt« oder »Bringe das Auto zur Werkstatt, aber Vorsicht: Fährst du langsamer als 25 Meilen, explodiert eine Bombe«. Serientypische Schießereien gibt es zwar, aber leider viel zu selten und meist unspektakulär inszeniert. Unterm Strich wirkt Joe’s Adventure dadurch eher wie eine Neuauflage von Driver als ein Mini-Addon zu Mafia 2.

Lediglich die Missionen, die die Geschichte vorantreiben, verstehen es, den gewohnten Mafia-Charme zu wecken. Nicht nur, weil sie Zwischensequenzen enthalten, sondern weil sie besser choreografiert sind. Zum Beispiel überfallen wir in einer Mission einen Supermarkt, in dem sämtliches Inventar zerschossen und auf dem Boden verteilt wird.