Ich hab ihn ja auch mit Interesse verfolgt, diesen Ankündigungshype, den die PR-Abteilungen von Bioware und Electronic Arts geschürt haben. Interesse aus einer Befürchtung heraus, nämlich aus der Befürchtung, Bioware könne tatsächlich ein Piffpaff-Soldatenspiel ankündigen. Und dann war’s am Ende doch nur Mass Effect 3. Wenn ich »nur« schreibe, dann lediglich deswegen, weil ich mich ernsthaft frage, ob dieser Pressewirbel im Vorfeld vonnöten gewesen wäre. Ich für meinen Teil hätte mir ein mittelgroßes Loch in den Bauch gefreut, wenn Bioware einfach gesagt hätte: »Leute, bei den VGA-Awards zeigen wir den ersten Trailer zu Mass Effect 3.« Dass das Spiel im kommenden Jahr erscheinen würde, lag doch sowieso auf der Hand. Wofür also dieser Affentanz mit den Geheimbotschaften und Soldaten-Täuschungsmanövern, dieser alberne Andeutungs-Zinnober? Nun ja, ist passiert. Schwamm drüber!

Was mich aktuell viel mehr bewegt, ist dieser Ankündigungstext, der zusammen mit dem Trailer daherkam. »Als Commander Shepard, ein Soldat der Allianz, liegt Ihre einzige Hoffnung auf Rettung der Menschheit darin, die Zivilisationen der Galaxie zu versammeln und gemeinsam eine finale Mission zur Rückeroberung der Erde zu starten.« Oh! Nein! So dachte ich, und so denke ich noch immer. Das mit der Erde war ja klar, aber dieses Sammeln von Verbündeten! Das hatten wir doch erst in Mass Effect 2(und in Dragon Age: Origins). In Teil 3 wieder?

Shepard fliegt nach Tuchanka. Klopf, klopf. Wrex (oder ein anderer Kroganer, je nach Wahl im ersten Mass Effect): »Shepard! Komm rein! Schön dich zu sehen.« - Shepard: »Ja, ebenfalls. Pass mal auf, Wrexilein, die Reaper haben die Erde überfallen, wir müssen da jetzt alle zusammen hin, um den Viechern heimzuleuchten.« - Wrex: »Klar Shepard, aber du müsstest mir vorher einen Gefallen tun. Jemand muss hier mal durchsaugen. All der Staub, der klebt in den Lungen und macht uns Kroganer müde. So können wir nicht kämpfen.« - Shepard: »Aber gern! Das mit der Erde eilt ja auch nicht …«

Mass Effect 3 :

Shepard fliegt nach Thessia, zum Planeten der Asari. Klopf, klopf. Liara (mal kurz auf Heimatbesuch): »Shepard! Lass dich küssen!« - Shepard: »Liara-Herzchen, die Reaper haben die Erde überfallen, wir müssen da jetzt alle zusammen hin, um den Viechern heimzuleuchten.« - Liara: »Sicher doch, meine Zuckerschnute, aber mir sind meine Kopftentakelwickler ausgegangen. Und so, wie ich aktuell aussehe, wage ich mich wirklich nicht vor die anderen Asari, um die zum Kampf zu motivieren. Könntest du schnell in den Supermarkt …?« - Shepard: »Ächz! Ja klar. Sonst noch was?« - Liara: »Du bist ein Schatz! Wenn’s keine Umstände macht, bring doch bitte auch noch ein wenig blaue Farbe mit. Ich bin so blass um die Nase.«

Shepard fliegt nach Palaven, zu den Turianern. Klopf, klopf … und so weiter. Wird Mass Effect 3 also wieder so ein Episoden-Ding wie der zweite Teil? Nicht falsch verstehen, ich halte Mass Effect 2 für das mit Abstand beste Spiel des Jahres 2010, aber es war eben am Ende doch nur eine Aneinanderreihung von Minigeschichten. Häppchen, die sich, wenn man gemein ist, auf »Wenn du mir hilfst, helfe ich dir auch« reduzieren lassen. Es gab keine wirkliche übergreifende Story mit gescheitem Anfang, Mitte und Ende, kurz: es gab keinen Spannungsbogen wie noch im ersten Mass Effect. Und nun hört es sich so an, als würde es den wieder nicht geben. Wofür auch das leidige Thema DLC spricht. In ein Häppchenspiel lassen sich nämlich viel leichter neue Häppchen einbauen als in eine komplexe, zusammenhängende Geschichte.

Aber vielleicht sehe ich auch zu schwarz, vielleicht wird das alles gaaaaaanz anders. Und außerdem könnte Shepard ja auch einfach drohen: »Wrexilein, wenn du nicht mitkommst, dann fliege ich alleine, gehe wahrscheinlich dabei drauf und werde mit zigtausend anderen Menschen zu einem neuen Super-Reaper zusammengepatscht. Und rate, welchen Planeten ich dann als ersten heimsuchen werde?« - Wrex: »Sekunde Shepard, ich muss mir gerade noch die Schuhe anziehen … «