Medal of Honor - PC

Ego-Shooter  |  Release: 14. Oktober 2010  |   Publisher: Electronic Arts
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Special: Medal of Honor

Leserstimmen zur Taliban-Kontroverse

Nachdem sich unter anderem der Bundeswehrverband kritisch zum kommenden Ego-Shooter Medal of Honor geäußert hat, führen unsere Leser eine rege Diskussion über den Standpunkt der Politiker, das Spiel und Moral und Ethik im Allgemeinen.

Von Petra Schmitz |

Datum: 27.08.2010


Medal of Honor : Jüngst meldete sich unter anderem der Bundeswehrverband kritisch zum Ego-Shooter Medal of Honor . Und der britische Verteidingungsminister Liam Fox forderte gar ein Verbot des Spiels. Hintergrund: In Medal of Honor werden wir den aktuell laufenden Afghanistan-Konflikt geschickt. Den Multiplayer-Modus dürfen wir wahlweise auf Seiten der Amerikaner oder der Taliban spielen.

Unsere Leser betreiben eine rege und nachdenklich stimmende Diskussion über die Themen Krieg in Spielen im Allgemeinen, aktueller Afghanistan-Konflikt als Spielhintergrund im Speziellen und die Position der Politiker.

Wir haben die spannendsten Kommentare zusammengefasst. Die gesamte Diskussion können Sie hier einsehen.

Ethik, Moral, der gute Geschmack

von: trusty-roots

Soldaten sterben jetzt, hier und heute in einem Krieg, der in der Gesellschaft schon stark moralisch hinterfragt wird. Ist das etwas, dass man zum Vergnügen nachstellen sollte? Der Krieg, in dem bereits zu viele Eltern ihre Kinder verloren haben? Andererseits könnte man auch wieder fragen, ob vielleicht nicht ein Talibankämpfer eine Mutter hat, oder? Diese Diskussion ist schlicht nicht einfach zu lösen, weil es eine Frage der Ethik ist.

Ich stehe jedenfalls voll und ganz hinter unseren Truppen in Afghanistan, denen wir mehr schuldig sind, als wir vielleicht glauben. Diese Männer und Frauen geben da drüben ihr Leben für uns. Das bedeutet nicht, dass ich diese Anschuldigungen von Seiten der Bundeswehr befürworte, denn ich bin gegen Verbote und Zensur ganz allgemein. Was man von dem Krieg und seinen Gründen hält, sei jedem selbst überlassen.

Aber man sollte sich vielleicht einmal fragen, ob man hinter den Kindern, Vätern und Müttern steht, die ihre Liebsten in Afghanistan verloren haben und ob man mit ihnen mitfühlt, während die Medal of Honor-CD im Laufwerk rotiert.

von robster1704

Sachlich gesehen ist der Kommentar der Bundeswehr natürlich nachzuvollziehen. Was sollen sie auch sonst dazu kommentieren? In Afghanistan sterben deutsche Soldaten und in einem Spiel soll man als Taliban auch "Soldaten" töten können. Jeder der jemanden kennt, der in Afghanistan verwundet oder getötet wurde kann das nachvollziehen. Jeder, der mal vor zwei Wochen auf der FAZ den Artikel über die fallen gelassenen Soldaten mit Depressionen und Angstzuständen gelesen hat, kann das nachvollziehen, dass das Nachspielen von eben solchen Situationen die Menschen beschädigt haben, ethisch zu hinterfragen ist. Und nichts anderes macht der Bundeswehrverband, also in der Hinsicht muss man eine andere Meinung als die eigene auch mal als Gamer akzeptieren. Hier gehts nicht um ein Verbot, sondern um eine Handlung und ein Szenario, das kritisch hinterfragt wird.

Kritisches Hinterfragen von Dingen gehört normalerweise zur Erziehung, aber Computerspiele scheinen diesen Effekt offenbar auf einige in dieser Diskussion nicht gehabt zu haben.

Natürlich geht es aber auch um ein Spiel, nur das Szenario ist meiner Meinung nach unglücklich gewählt, weil es eben genau diese Zusammenhänge schafft. Dass das Amerikanern (EA vor allem) egal ist, liegt auf der Hand, weil die einfach eine Ecke patriotischer eingestellt sind und immer noch auf (Kriegs-)Heldenepen stehen. Das die Briten aber jetzt so abgehen und ein Verbot fordern, ist Schwachsinn. Da hätten die eine Reihe von anderen Filmen und Spielen bereits viel früher diskutiert werden müssen (Band of Brothers, Saving Private Ryan, MoH, CoD, etc.).

Hier die Gesellschaftskritik auszupacken, ist auch sehr schwach. Wogegen möchtet ihr den alle Politiker austauschen? Ist jemand von Euch mal in der Situation gewesen für andere Entscheidungen zu treffen, weil die nicht in der Lage dazu waren? Weiß jemand, wie viel Arbeit und zum Teil Entbehrung der eigenen Freizeit es ist, sich für andere einzusetzen? Manchen täte es echt gut, mal hinterm Monitor vor zu kommen und sich ein bisschen der Realität zu stellen, die Diskussion hat echt zum Teil unterstes BILD Niveau. Aber so wie man's von den Medien vorgekaut bekommt, scheint ja immer mehr allgemeine Meinung zu werden.

von: timemperor

Ehrlich gesagt, kann ich beide Standpunkte verstehen. Sowohl die von EA als auch die der zu Wort kommenden Minister. Wie muss es denn beispielsweise als Hinterbliebener eines Gefallenen sein, so etwas zu erfahren?

Ich hätte zumindest erwartet, dass EA den Fraktionsnamen im Multiplayer umtauft. »Taliban« ist für meine Verhältnisse und besonders heutzutage etwas zu direkt.

Aber der Publisher hat pauschal absolut Recht damit, dass Games keine Ausnahmestellung was die Inszenierung, Storytelling und so weiter angeht, haben darf. Ich bin da zerrissen.

von: Game(R)ST

Dass die Minister empört sind, kann ich verstehen auf der einen Seite, es ist schon geschmacklos als »Taliban« Soldaten zu töten, genau so geschmacklos finde ich es aber, als US-Soldat Taliban töten zu müssen. Es ist allgemein geschmacklos, jemanden töten zu müssen, auch wenn es der Unterhaltung dient und nur virtuell passiert, aber das interessiert keinen, solang man brav einen US-Soldaten oder so spielt, aber sobald der Spieß umgedreht wird, schreien alle auf.

von: mho

Erklärt doch bitte man den Ablauf des Spiels den Eltern jener Soldaten, die ihre Kinder vor nicht mal 2 Monaten in Afghanistan verloren haben. Die finden sicher den Multiplayer witzig - wenn der Spieler als Taliban auf westliche Soldaten feuert.

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Avatar Spirit58
Spirit58
#1 | 27. Aug 2010, 10:51
Dieser Kommentar wurde ausgeblendet, da er nicht den Kommentar-Richtlinien entspricht.
Avatar hawk2206
hawk2206
#2 | 27. Aug 2010, 10:54
@Redaktion: Sehr schön zusammengefasst, die Forumsdiskussion. Vielen Dank dafür!
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Avatar Stratege
Stratege
#3 | 27. Aug 2010, 10:58
Sollen denn nur Möchtegern-GI Joes auf dem Sessel üben dürfen, wie man Deutsche, Russen und Araber tötet? Wo bleibt denn da die Aufregung? Immerhin geht es bei der ersten der üblichen Kanonenfuttergruppen noch wirklich um unsere Leute! Dass in der Taliban-Kampagne die Bundeswehr attackiert werden soll, ist mir neu.

Oder besteht das Problem eher darin, dass eine solche Kampagne an dem gewollten Rollenverständnis vom stets heldenhaften und für eine gute Sache kämpfenden Ami gegen eine Welt freiheitsfeindlicher Zombies rüttelt? Nur: Was hat das einen deutschen Verband zu kümmern?

Schwachsinnig auch das Argument, die Taliban könnten ja damit üben. Als wenn die darauf angewiesen wären, dass sie eine eigene Kampagne bekommen, um Taktik zu üben - falls sie überhaupt am PC üben.
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#4 | 27. Aug 2010, 11:11
Obs den Krieg real gibt oder nicht macht für mich absolut keinen Unterschied. Aber die Menschen sind so komische Emotionshäufchen. Ihnen ist alles egal bis dann plötzlich Erdbeben XY in Land YX stattfindet und getrimmt von der Mediengeilheit gibts dann viele Spenden. ... Vielen anderen Ländern gehts genauso schlecht oder schlechter. Aber solang nix passiert, ist es nicht erwähnenswert. Deshalb muss ich mir immer ein breites Grinsen unterdrücken wenn meine Mama wieder sagt "Oh siehst du wie schlimm diese Fluten sind? DA STERBEN SOOOOOOVIELE Menschen *Kekse in sich reinstopf"...

Genauso mit Krieg. Ich nehm solchen emotionalen Schwachsinn gar nicht mehr wahr. Ich spende für WWF und Amnesty International. Beim Rest... naja ich habe für mich subjektiv mein *Karma* ausgeglichen. Und wenn ich wiedermal so einen nervenden Bericht im TV sehe mit so blutigen und heulenden Aufnahmen wie möglich um die Quoten raufzuschrauben, dann schalt ich TV ab und geh aufs TV next-Gen. Youtube. Und bei Spielen genauso. Da will ich mit dem RL nicht viel zu tun haben. Denn es ist immer wieder das Gleiche Gebrabbel. Weil letztendlich HABE NICHT ICH den Krieg angezettelt. Das waren die Hohlköpfe die wir wählen.
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#5 | 27. Aug 2010, 11:11
Zitat von Spirit58:
Hahahaaaa Ja genau, die Moral.
Wieso allerdings es Niemanden juckt, wenn Koreaner in Spielen die Bösen sind, oder Japaner oder Russen oder eben Azerbaischaner und von den Spielern erschossen?



Weil es diesen Konflikt gerade jetzt im Moment nicht gibt - im Gegensatz zu Afghanistan. Das sind alles Szenarien, die es so nicht gegeben hat oder die schon weit zurückliegen.
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Avatar HawkS73
HawkS73
#6 | 27. Aug 2010, 11:18
Zitat von hawk2206:
@Redaktion: Sehr schön zusammengefasst, die Forumsdiskussion. Vielen Dank dafür!


Ja in der Tat nett zusammen gefasst. Aber die wichtige Frage bleibt GS selbst offen: wie wird GS mit dem Spiel umgehen, wenn Sie es zum Test vorliegen haben?

Macht man wieder den MW2 Flughafen Level Stunt? Erst eine Kolumne die das vorgehen als unmoralisch anprangert. Dann eine Redaktionsumfrage und alle (mit Einer Ausnahme) sind da gegen. Im Test dann aber sagt man einfach Schulter zuckend "Moral ist was persönliches, wir wollen sie keinem vorschreiben, daher werten wir das nicht!"!

Oder ist diesmal auch für GS eine moralische Grenze überschritten worden, die eine lang überfällige Auswirkung auf die Wertung haben wird?
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Avatar geisst
geisst
#7 | 27. Aug 2010, 11:19
Das es um ein Computerspiel geht vergessen wohl einige Kritiker. Wenn ich solche Spiele spiele nehme ich schon gar nicht mehr wahr, für wen oder was ich kämpfe. Für mich steht der Wettbewerb im Vordergrund. Außerdem finde ich es scheinheilig auf der einen Seite solche Spiele zu verurteilen, während man sich im privaten Leben einer Religion zuwendet die jahrhundertelang die Welt terrorisiert hat. Das mag zwar nicht auf alle zutreffen, aber bestimmt auf viele.
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Avatar Roversword
Roversword
#8 | 27. Aug 2010, 11:24
Zitat von Effigy:


Weil es diesen Konflikt gerade jetzt im Moment nicht gibt - im Gegensatz zu Afghanistan. Das sind alles Szenarien, die es so nicht gegeben hat oder die schon weit zurückliegen.


Ist dies der einzige Grund etwas zu hinterfragen oder "plötzlich" auf Moral zu machen? Weils nicht so weit zurückliegt?

Was ist mit dem zweiten Weltkrieg? Den Nazis (sorry, ihr Deutschen seid ja da empfindlich, aber es passt ja zum Thema)? Dem Abwurf der A-Bombe?
Ists lange genug her, dass dieses Szenario keine Wirbel mehr aufwirft und Krieg spielen im WW2 absolut okay ist?

Was ist mit Vietnam? Ist das lange genug her?
Der Golfkrieg? Der Krieg in (Ex-)Jugoslawien?
9/11? Lange genug her, dass man als Ami Araber im Namen der Zivilisation und Terrorbekämpfung erschiessen darf?
Alles in Ordnung, weil lange her?

Wer Krieg spiele spielt, muss sich im klaren sein, dass er IMMER jemanden damit diskreditiert. Immer.
Und die Gegenseite ist ja nicht gefragt in unserer westlichen Welt. Dieses Argument wird zwar manchmal erwähnt, aber geht immer wieder gerne unter. Es sind ja die Bösen, die darf man erschiessen. Vollkommen egal, ob die Mütter, Väter, Schwester, Bruder, Kinder haben.

Und nur weil die Wunden noch frisch sind (resp. neue noch hinzukommen werden), darf man es nicht spielen?

Ich sage: Eine Doppelmoral wie sie im Bilderbuch steht!
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Avatar 2JZ-GTE
2JZ-GTE
#9 | 27. Aug 2010, 11:26
Ich verstehe die Aufregung gar nicht. Finde es sogar heuchlerisch was die die da von sich geben. Die schicken selbst Soldaten in den Tod und erdreisten sich dann über Pixel und Megabytes zu urteilen. Manchmal habe ich das Gefühl dass eher die Leute die immer schreien dass man Computerspiele mit der Wirklichkeit verwechselt kann, genau das Problem haben was sie anprangern.

Solche Szenarien finde ich sogar ziemlich gut, denn es bewegt die Menschen mal dazu einen Krieg aus beiden Perspektiven zu sehen. Da wird dann sehr viel relativiert, aber das will unsere westliche Propaganda eben nicht. Die wollen nur dass man den Feind als bösen Teufel sieht - das pure Böse.
Wie heißt es doch so schön: Im Krieg ist die Wahrheit das erste Opfer.
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Avatar Rene Heuser
Rene Heuser
#10 | 27. Aug 2010, 11:29
Zitat von HawkS73:
Oder ist diesmal auch für GS eine moralische Grenze überschritten worden, die eine lang überfällige Auswirkung auf die Wertung haben wird?


Lassen wir die Kirche doch mal im Dorf. Die Beta von Medal of Honor ist seit geraumer Zeit verfügbar und da sind bereits die Taliban als eine der beiden Fraktionen enthalten.

Also sollte man erstmal die Testversion abwarten, bevor schon lautstark Abwertung geschrien wird.

Und ja, Moral ist eine persönliche Sache. Ist ja nicht so, als würden alle Spieler Modern Warfare 2 wegen der Flughafen-Szene verteufeln. Mein subjektiver Eindruck ist eher das genaue Gegenteil.
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Details zu Medal of Honor

Plattform: PC
Genre Action
Untergenre: Ego-Shooter
Release D: 14. Oktober 2010
Publisher: Electronic Arts
Entwickler: Danger Close
Webseite: http://www.medalofhonor.com
USK: Keine Jugendfreigabe
Spiele-Logo: Download
Leserinteresse:
Platz 329 von 4492 in: PC-Spiele
Platz 58 von 571 in: PC-Spiele | Action | Ego-Shooter
 
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