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Mount & Blade: Fire and Sword im Test - Manchmal zündet die Muskete nicht

Die beliebte Mittelalter-Simulation Mount & Blade bekommt einen Ableger. Fire and Sword füllt das Osteuropa des 17. Jahrhunderts mit dem Pulverdampf von Musketen und Granaten. Was als Mod begann, hat sich zur spannenden Mount-&-Blade-Variante gemausert.

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Die »Casualisierung« von Computerspielen ist derzeit eines der Lieblingsfeindbilder der eingefleischten Spielergemeinde. Der Vorwurf lautet: Um ihre Spiele neue Zielgruppen (sprich den »Casual Gamern«) zu öffnen, fahren die Entwickler und Publisher die Komplexität der Spielmechanik zurück. Mass Effectund Dragon Agebekommen ausgedünnte Charaktersysteme und flottere Kämpfe verpasst, die Militärsimulation Operation Flashpointwandelt sich zum gewöhnlichen (Taktik-)Shooter, und der neue Sam Fisher darf jetzt mehr ballern als schleichen.

Für manchen Hardcore-Spieler geht gleichzeitig mit dem Anspruch auch der Spielspaß flöten. Zum Glück aber ist die Angst vor der Herunterdummung übertrieben, und es gibt nach wie vor Spiele mit einer tiefgehenden Spielmechanik, die sich erst nach stundenlangem Spielen langsam erschließt und für deren Beherrschung man Wochen oder Monate braucht – wie Mount & Blade, das jetzt mit Fire and Swordein Standalone-Addon zum zweiten Teil Warbandbekommt.

Der Markt verwendet für solche Spiele mittlerweile den Begriff »Nischentitel«. Wer sich aber an die Anfangszeit der Computerspielzeit erinnern kann, weiß, dass damals fast alle Spiele nach dem Prinzip funktionierten. In Titeln wie Elite, Ghengis Khan, Der Patrizier, Vermeer oder Pirates! musste sich der Spieler alles selbst (oder mit Hilfe eines dicken Handbuchs) erarbeiten. Geschenkt bekam man nichts, dafür gab es immer wieder etwas Neues zu lernen.

Das macht für die meisten Spieler auch die Faszination bei Mount & Blade aus, denn die Mittelalter-Simulation lässt das Retro-Spielgefühl von damals deutlich aufleben und entzieht sich gleichzeitig jeder heute üblichen Genrebeschreibung. Es hat einen Wirtschaftskreislauf wie Der Patrizier, eine Politikordnung wie bei Ghengis Khan (sogar mit Hochzeiten), ein Quest- und Charakter-System wie in Rollenspielen und ein »Skill«-basiertes Echtzeit-Kampfsystem. So ausgestattet sehen die Fans dem Spiel auch seine veraltete Präsentation nach, an der sich auch mit Fire and Sword kaum was ändert.

Die Handlung: History Fiction

Mount & Blade sowie seine aufpolierte und komplexere Neuauflage Warband haben sich innerhalb einer eingeschworenen Community zum Geheimtipp entwickelt, vor allem aufgrund der zahlreichen Mods, die es in allen Geschmacksrichtungen gibt: Vom hundertjährigen Krieg zwischen Frankreich und England über die Napoleonischen Kriege bis hin zu Star Wars. Fire and Sword basiert auf seiner solchen Fan-Mod zum Ur-Mount & Blade. Die erscheint nun völlig umgearbeitet und professionalisiert als alleine lauffähiges Addon auf Basis der Warband-Engine.

Fire and Sword spielt in den Tiefen Osteuropas, die uns Mitteleuropäern meist fremd sind. Fire and Sword spielt in den Tiefen Osteuropas, die uns Mitteleuropäern meist fremd sind.

Fire and Sword soll zwei Lücken gleichzeitig füllen, nämlich das Mittelalter um die Epoche des auslaufenden Frühbarocks und somit um Schusswaffen (Musketen) erweitern und einen motivierenden roten Handlungsstrang ins Spiel einbetten. Das Addon basiert nämlich auf zwei fiktiven historischen Romanen, von denen einer »With Fire and Sword« heißt und aus der Feder des bekannt »Quo Vadis«-Autors Henryk Sienkiewicz stammt.

Die Geschichte spielt in Osteuropa des Jahres 1655, in der das Großreich Polen-Litauen von einem Kosaken-Aufstand und in der Folge von zwei Kriegen gegen die beiden Nachbarn Schweden und Russland erschüttert wird. Ein bei uns weitgehend unbekanntes Szenario, das aber eine Menge Sprengstoff birgt.

Die katholischen Polen stehen nicht nur dem rebellischen Kosaken-Staat, sondern auch den protestantischen Schweden und orthodoxen Russen gegenüber, während auf der Krim-Halbinsel ein muslimisches Khanat herrscht, das sich seinerseits von den Kosaken und Russen bedroht fühlt. Entsprechend geht es auf der (weiterhin sehr unansehnlichen) Weltkarte zu, Städte sowie Festungen wechseln ihre Besitzer wie Münchener ihre Sonnenbrillen.

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