Game over für Need for Speed: Electronic Arts zieht angeblich die Handbremse und stellt die erfolgreichste Rennspielserie aller Zeiten vorerst ein. Ich bin mir sicher: Die Betonung liegt auf »vorerst«. Denn EA kann es sich trotz oder gerade wegen der aktuell schlechten Geschäftszahlen eigentlich überhaupt nicht leisten, die neben Madden und Fifa meistverkaufte Marke einfach so aus dem Programm zu nehmen. Es wird also wohl »nur« einen etwas längeren Boxenstopp geben.

Aber warum merkt der zweitgrößte Spielehersteller der Welt nicht rechtzeitiger, dass seine einst so ruhmreiche Serie den Bach runter geht und immer schlechter wird? Die einfache Antwort: Weil seine Sicht von guten Verkaufszahlen vernebelt wird. Was scheren einen da nachlassende Qualität, Sorgfalt und Inspiration? Die Alarmglocken klingeln erst, wenn auch die letzten treuen Fans nicht mehr mitspielen -- im wahrsten Sinne des Wortes. Das Phänomen ist nicht neu: Für Eidos und Tomb Raider gab’s ebenso eine Verkaufszahlen-verordnete Zwangspause wie für die Colin-McRae-Serie von Codemasters oder Ubisofts Splinter Cell.

Eidos und Codemasters haben damals zwar ebenfalls zu spät reagiert, aber danach immerhin die richtigen -- wenn auch harten -- Maßnahmen getroffen: ein neues Entwicklerteam und mindestens drei Jahre Zeit, um der toten Serie mit neuen Ideen frisches Leben einzuhauchen. Die Ergebnisse sprechen für sich: Tomb Raider Legend und Colin McRae Dirt. Bleibt zu hoffen, dass Electronic Arts diesem Beispiel folgt und Need for Speed in fähige Hände weiterreicht -- zum Beispiel in die von Bugbear (Flatout-Serie) oder die von Criterion (Burnout). Und es bleibt zu hoffen, dass andere Publisher aus dem Need-for-Speed-Niedergang lernen und künftig sofort reagieren, wenn einer Erfolgsserie mangels neuer Ideen die Puste ausgeht. Denn mit Rainbow Six oder Company of Heroes stehen die nächsten Zwangspausen-Kandidaten schon Schlange.

Heiko Klinge, Redakteur