Zum Thema » Oddworld: New 'n' Tasty im Test Damals herausragend, heute besser » Apotheon im Test Metroidysseus Ori and the Blind Forest: Definitive Edition für 19,99 € bei GamesPlanet.com Ori and the Blind Forest schafft in den ersten fünf Minuten, was anderen Spielen selbst in 20 Stunden nicht gelingt: Es berührt, erobert unser Herz, bleibt im Gedächtnis. Zumindest, wenn man ein Faible für zuckersüße Knuddel-Geschöpfe hegt. Für Ori zum Beispiel.

Das kleine Tierchen fällt als Sternenschnuppe vom Himmel in ein idyllisches Wäldchen und sieht aus wie eine außerirdische Katze mit Schlappohren. Dort wird es von einer nicht minder drolligen Bärenkreatur umsorgt und aufgezogen. Gemeinsam gehen die beiden auf Nahrungssuche, bauen ein Baumhaus und kuscheln sich nachts aneinander - bis eines Tages das Schicksal eine tragische Wendung parat hält.

Traurig, aber schön

Ehe wir uns versehen, zerstört ein monströses Vogelungeheuer die märchenhafte Stimmung. Als das Biest auftaucht, schwindet das Licht des Waldes. Pflanzen verdorren, Seen vertrocknen. Aufgrund des Nahrungsmangels stirbt kurze Zeit später die Bärenmutter. Ori bleibt trauernd und allein zurück. Damit machen die Entwickler der Moon Studios schon im Prolog ihres Abenteuers deutlich, dass sie sich an eine erwachsene Geschichte herantrauen. An eine, die mit vielen dramatischen Momenten und überraschenden Wendungen aufwartet.

Ori and the Blind Forest
Ori kann nicht angreifen, das übernimmt die Leuchtbommel, die uns stetig begleitet. Auf diese Weise können wir Gegner auch aus der Distanz attackieren.

Bemerkenswert dabei: Obwohl der rote Faden ausschließlich aus kleinen Zwischensequenzen besteht, in denen kein einziges Wort gesprochen wird, verfehlen diese Szenen ihre Wirkung nicht. Es ist einfach herzerwärmend, wenn Ori einen ulkigen Spinnentroll aus einer vermeintlich aussichtslosen Lage befreit - und sich dieser später bei uns revanchiert.

Unser schlappohriger Held bleibt übrigens nicht allein. Recht flott erhalten wir Gesellschaft von einer leuchtenden Waldfee, die fortan stetig über unserem Kopf schwebt, und uns Hinweise gibt. Als Hüter des Lichtes müssen wir die Essenzen der Wärme, des Windes und des Wassers zurück an ihren Platz bringen, um das Märchenwäldchen vorm Absterben zu retten.

Dazu rennen, springen und knobeln wir uns von links nach rechts durch zauberhafte und enorm aufwändig gestaltete 2D-Kulissen. Alles ist von Hand gezeichnet, jeder Pilz, jeder Fels einzigartig. Zusammen mit den opulenten Partikel- und Spezialeffekten sowie den liebevollen Animation, etwa von Grashalmen, die sich im Wind wiegen, ist Ori and the Blind Forest zweifelsohne das schönste Spiel seiner Art.

Kommt Zeit, kommt Rat

Ori and the Blind Forest : Fluchtsequenzen wie diese müssen wir häufig auswendig lernen, denn jeder Sprung muss sitzen. Fluchtsequenzen wie diese müssen wir häufig auswendig lernen, denn jeder Sprung muss sitzen. Die Schauplätze gehen fließend ineinander über, ganz ohne Ladepausen hüpfen wir vom blühenden Hain in den modrigen Dornensumpf oder ins düstere Nebeltal.

Allerdings können wir die Spielwelt nicht sofort nach Lust und Laune unsicher machen. Nur mit den passenden Fähigkeiten, die wir »Metroidvania«-typisch im Lauf des Abenteuers erhalten, erreichen wir neue Gebiete und Geheimpassagen.

Mit dem Supersprung etwa, den wir erst sehr spät im Spiel freischalten, hüpfen wir endlich auf den turmhohen Baumstamm, bei dem wir uns anfangs noch fragten, wie zum Teufel wir dort hinauf kommen sollen. Außerdem entdecken wir nach und nach neue Abkürzungen. Müssen wir anfangs noch einen großen Umweg in Kauf nehmen, nachdem wir in ein Erdloch gefallen sind, können wir später einfach die Wände hochkrabbeln.

Ein großes Problem der meisten Metroidvania-Vertreter ist das Backtracking, also das erneute Durchlaufen bereits bekannter Gebiete, wenn man alle Geheimnisse entdecken und alle Extras aufstöbern will.

Ori and the Blind Forest hat dafür eine elegante Lösung parat: die sogenannten Weltereignisse, die die Spielwelt nachhaltig verändern. Haben wir beispielsweise die Kraft des Wassers wiederhergestellt, werden die giftigen Tümpel des Dornensumpfes gereinigt, sodass wir durch neue Abschnitte tauchen können.

An anderer Stelle verursachen wir ein Erdbeben und erobern die Kraft des Windes, um in die oberen Waldsphären aufzusteigen. Dadurch wird selbst das mehrmalige Durchlaufen eines Gebietes nicht langweilig, obschon eine Teleportfunktion noch besser gewesen wäre. Wer alle der unzähligen, versteckten Extras sammeln möchte (Gesundheits-Upgrades, Energiekristalle), muss den gesamten Weg zwangsweise zu Fuß zurücklegen.

Ori and the Blind Forest : Immer dann, wenn wir eine neue Fähigkeit erlernen, müssen wir sie gleich einsetzen. Hier springen wir mit dem Wandsprung von einer Leuchtpflanze zur anderen. Immer dann, wenn wir eine neue Fähigkeit erlernen, müssen wir sie gleich einsetzen. Hier springen wir mit dem Wandsprung von einer Leuchtpflanze zur anderen.