Reign: Conflict of Nations im Test
Du kommst hier nicht reign
Medieval 2 à la Russland: Hinter dem knüppelharten Schwierigkeitsgrad und dem fummeligen Interface von Reign: Conflict of Nations versteckt sich ein brauchbares Echtzeit-Strategiespiel. Man muss es allerdings lange suchen.
Von
Jochen Gebauer
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Datum:
07.04.2011
Osteuropa um 1350: Kaum haben sich die Mongolen verkrümelt, klopft die Pest an die Tür. Eine stabile Zentralmacht existiert nicht, im Schatten des Schwarzen Todes kloppen sich die russischen Fürstentümer entweder untereinander oder auch mal mit den Polen, Deutschen und Schweden im Westen. In
Reign: Conflict of Nations
führen Sie einen der Provinzstaaten. Sollte Ihnen der Sinn nicht nach Jaroslawl, Galitsch-Mersky oder Tschernigow stehen, dürfen Sie sich alternativ mit Preußen oder der Hanseatischen Liga an die Eroberung Osteuropas wagen.
Das Szenario: Frisch, aber stimmungsarm
26 Fraktionen und ein unverbrauchtes Szenario – das klingt zunächst nach einem spannenden Abenteuerspielplatz für Echtzeit-Strategen, die in
Medieval 2: Total War
schon jede Burg zehnmal niedergebrannt haben.
Die erste Ernüchterung folgt jedoch prompt: Trotz Spezialeinheiten spielen sich die Königreiche verflixt ähnlich; um nicht zu sagen identisch. Was in erster Linie daran liegt, dass Sie in den Schlachten so gut wie keinerlei Kontrolle über besagt Spezialeinheiten – oder sonst eine Truppe – haben. Zu Beginn eines Gefechts wählen Sie aus einer Handvoll rudimentärer Befehle wie beispielsweise »Kampf bis zum Tod«. Der Ausgang wird anschließend kurzerhand berechnet. Da haben wir schon Stimmungsvolleres gesehen, vor allem in der Total-War-Serie.
Die Spielmechanik: So zugänglich wie Fort Knox
Bis es allerdings zu derlei minder spannenden Schlachten kommt, müssen Sie einen Einstieg überstehen, der mit »zäh« noch wohlwollend umschrieben wäre. Reign: Conflict of Nations gibt sich in den ersten Spielstunden jede erdenkliche Mühe, so wenig Spaß wie möglich zu machen.
Typischer Tooltip: »Stellt Gold her«. Okay, aber: Wie viel?
Zwar existiert ein Tutorial, das Sie leidlich in grundlegende Funktionen wie Diplomatie, Wirtschaft und Kriegsführung einweist – die eigentlichen Spielzusammenhänge müssen Sie sich allerdings mühsam selbst erarbeiten.
Ein Beispiel: Zu Beginn sollen wir in unserer Stadt einen Hochofen bauen. Begründung: Der bringt Gold. Fein, denken wir, Klimpermünzen kann man immer brauchen. Also schauen wir in der Beschreibung des Gebäudes nach und lesen: Es bringt Gold. Ja, gut, aber wir wüssten nun gerne, wie viel genau. Das steht da aber nicht. Diese Informationsknappheit zieht sich durch das gesamte Spiel. Nächstes Beispiel: Diplomatie. Um mit anderen Nationen zu verhandeln, schicken wir Botschafter über die Karte.
Marine-Einheiten existieren nicht. Wenn wir eine Einheit ins Wasser schicken wird sie durch Geisterhand zum Schiffchen.
So weit, so bekannt. Am Zielort angekommen und mitten in den Verhandlungen bekommen wir allerdings keinerlei Feedback darüber, warum gewisse Vorschläge angenommen oder abgelehnt werden.
Auch ein Blick in die Diplomatie-Übersicht hilft nicht weiter. Dort erfahren wir zwar, dass Semen Melekh von der Woiwodschaft Poltawa uns gegenüber gleichgültig ist – warum er aber trotzdem unbedingt ein Militärbündnis und eine Dynastie-Heirat will, aber ums Verplatzen kein Handelsabkommen, das verrät uns Reign nicht.