Die Spielkultur hat inzwischen ganz eigene Slangs, Stile und Ikonen hervorgebracht, angefangen bei der »1337«-Sprache (Leetspeak), über Musikvorlieben (Turrican-Theme, Still Alive) bis hin zu individuellen Redewendungen (»Du kämpfst wie eine Kuh!«), die Außenstehende schwer nachvollziehen können.

Ganz oben steht bei deutschen Spielern dabei folgendes Szenario: Wenn jemand nicht gleich spurt oder sich gar komplett weigert, einem geäußerten Wunsch nachzukommen, steht schnell ein Satz im Mittelpunkt der Diskussion: »Dann hau’ ich Dir volles Pfund aufs Maul!« Ende der Durchsage, gemeinsames Gelächter, meistens ist man sich nun einig. Denn die gemeinsame Erfahrungsbasis, die zum Entschlüsseln des Codes notwendig ist, schafft Einvernehmen. Und Dinge mit Humor zu nehmen, hat ohnehin noch nie geschadet. Auch ein dickes Plus aller Piranha Bytes-Spiele: Bei aller rauen Direktheit des jeweiligen Szenarios schimmert doch immer eine gehörige Portion Selbstironie durch, der Humor kommt nie zu kurz.

»Volles Pfund aufs Maul« stammt also aus der Feder der Risen 2: Dark Waters-Entwickler Piranha Bytes: In Gothic 3kondensierte der eigenwillig-derbe Sprachstil der legendären Rollenspiel-Reihe in diesem einen Satz. Volles Pfund aufs Maul. Wie einfach die Dinge manchmal doch sein können.

Risen 2: Dark Waters
Die Risen-Welt lebt von ihrer teils bezaubernden Lichtstimmung.

Arschloch statt Eure Hoheit

Als 2001 der erste Gothicerschien, überraschte es mit seiner direkten und derben Sprache, abseits aller Mittelalter- und Fantasy-Klischees. Kein Minnesang, keine gestelzten Schachtelsätze, sondern mal eben ein hingeraunztes »Arschloch«.

Risen 2: Dark Waters : Auch Risen 2: Dark Waters ist ein typisches Piranha-Bytes-Spiel mit seiner unverwechselbaren Atmosphäre. Neben der glaubwürdigen Architektur und der dichten Vegetation trägt auch die schöne Lichtstimmung dazu bei. Auch Risen 2: Dark Waters ist ein typisches Piranha-Bytes-Spiel mit seiner unverwechselbaren Atmosphäre. Neben der glaubwürdigen Architektur und der dichten Vegetation trägt auch die schöne Lichtstimmung dazu bei. Diese Sprache passte einfach besser zur rauen Umgebung wie dem als Sträflingskolonie genutzten Minental mit seinen derben, bisweilen gewalttätigen Gesellen. Das hat Gothic so glaubwürdig gemacht – und macht nun auch Risen 2 glaubwürdig.

Denn bei dessen Piraten handelt es sich um nicht minder kernige Typen. Grog und Rum sind hier nicht zum »trinken« da, sondern zum »saufen«. Piraten sind nun mal, bis auf wenige Ausnahmen, nicht für ihre Etikette bekannt.

Neben dem geerdeten Sprachstil überzeugte bei Gothic auch die professionelle Vollvertonung sämtlicher Dialoge, auch die des namenlosen Helden. Der bekam durch seinen Sprecher eine eigene Sprach- und Charakterfärbung, die ihn fortan zum Kult unter deutschen Rollenspielern machte. Auch der namenlose Held in Risen 2 steht in dieser Tradition und setzt sie mit seinen markanten Sprüchen nahtlos fort. Wenn er mal wieder von seinen Auftraggebern oder vermeintlichen Freunden alleine auf todbringende Missionen geschickt wird, während die es sich bei Rum und Grog gemütlich machen, dann entfährt ihm nur ein lakonisch-sarkastisches »War ja klar« und zieht von dannen. Und lässt ihn ein »Türsteher« wieder mal nicht rein, wie am Eingang zum Piratenlager, dann gibt´s – richtig – volles Pfund aufs Maul. Die Methoden der Helden haben sich seit Gothic (Türsteher vor dem alten Lager) oder Gothic 2 (Türsteher vor der Kneipe in Khorinis) nur wenig geändert. Gut so.

Aber auch markante Stimmen wie die des Schwarzmagiers Xardas wurden zum Markenzeichen der Piranha Bytes-Spiele. Dessen Sprecher Bodo Henkel ist in Risen 2: Dark Waters selbstredend wieder mit von der Partie.