Update: Mit dem Patch 2.31.0 werten wir das Spiel auf, mehr dazu lesen Sie weiter hinten im Text. Beachten Sie auch die Änderungen im Wertungskasten.

Ein Glück, dass Hochelfen lieber Zauber- als Brennstäbe schwenken. Dass Orks lieber Ritterköpfe als Urankerne spalten. Dass Hexer lieber Dämonen als Neutronen beschwören. Sonst erfände am Ende noch jemand Nuklearwaffen, und alle Helden wären mit einem Atomschlag arbeitslos. Im Grunde löschen die Recken in Action-Rollenspielen nämlich nur Monsterhorde um Monsterhorde aus – eine Fleißaufgabe, die sich mit einer entsprechend wuchtigen Bombe viel schneller und leichter lösen ließe.

Aber in Fantasy-Reichen gibt’s eben keine strahlenden Waffen, also müssen doch strahlende Helden ran. Warum das ein Glücksfall ist? Weil alle guten Action-Rollenspiele unterhaltsame Zeitfresser sind: Mit ihrem Sammelsog nach Ausrüstung und Talenten fesseln sie die Spieler stunden-, tage-, wochenlang vor den Bildschirm. So auch Sacred 2: Fallen Angel, das Sie zurück ins monsterverseuchte Reich Ancaria führt. Dabei verknüpft das Neuwerk des deutschen Entwicklers Ascaron klassische Elfen- Orks-Fantasy mit Science-Fiction- Anleihen wie der »Großen Maschine «, die ... Moment, das verraten wir lieber nicht. Mehr müssen Sie sowieso nicht wissen, denn wie im Vorgänger entpuppt sich die Handlung als konfuses Beiwerk, zumal sie nur in den gut vertonten, aber drögen Monologen der Questgeber erzählt wird.

Schnetzeln Sie einfach Monster, sammeln Sie Ausrüstung, lernen Sie Talente, erkunden Sie das schöne Ancaria und freuen Sie sich, dass hier trotz der Science- Fiction-Elemente noch keiner die Atombombe erfunden hat. Oder bedauern Sie es! Denn manchmal wird Sie Sacred 2 so nerven, dass Sie Ancaria am liebsten mit Nukleargewalt in eine erdnahe Umlaufbahn sprengen möchten. Denn neben diversen Schwächen leidet die Monsterhatz unter lästigen Bugs, die auch die Wertung drücken.

Finstere Übermacht

Dass Sie in Sacred 2 aus sechs interessanten Klassen samt Schutzgott wählen und dass Sie die Hauptkampagne als guter oder böser Held bestreiten können, all das haben wir bereits im Vorabtest gelobt.

Sacred 2: Fallen Angel : Schmiede schärfen Waffen oder setzen Amulette, Ringe oder Juwelen in gesockelte Gegenstände ein. Schmiede schärfen Waffen oder setzen Amulette, Ringe oder Juwelen in gesockelte Gegenstände ein. Daher verzichten wir an dieser Stelle auf wiederholte Details und sprechen gleich ein Urteil: Der Inquisitor entpuppt sich als schlichtweg übermächtig. Denn der kaltherzige Kuttenträger strudelt per »Machtsog«-Zauber problemlos ganze Gegnerheere ins Jenseits und häuft dadurch leicht und schnell Ausrüstungsbeute sowie Erfahrungspunkte an.

Das heißt aber nicht, dass die anderen Charaktere keinen Spaß machen. Es hat auch seinen Reiz, als Dryade Pfeile zu verschießen und Voodoo-Flüche auszustoßen. Oder als Hochelfe Flammen- und Eisstürme zu entfesseln. Oder als Schattenkrieger Geisterskelette zu beschwören und mit einem Kampfschrei ins Getümmel zu stürzen. Oder als Seraphim Heilsprüche zu zaubern und Blitze zu werfen. Oder als in ein Energieschild gehüllter Tempelwächter Elektroschocks zu verteilen. Die Klassenvielfalt reizt zum Ausprobieren, was den Wiederspielwert von Sacred 2 deutlich erhöht.

Kombinierte Ketten

Sacred 2: Fallen Angel : Trockene Quest-Monologe erzählen die Handlung, hier in einem Sumpfdorf der Echsenmenschen. Trockene Quest-Monologe erzählen die Handlung, hier in einem Sumpfdorf der Echsenmenschen. Standard-Ungeheuer können Sie aber auch einfach im Nahkampf vertrimmen. Denn mit Schwert, Axt & Co. teilt jeder Held ordentlich aus, was den Unterschied zwischen den Klassen wieder etwas verwässert. Stärkeren Einzelfeinden und Gruppen rücken Sie wie im Vorgänger mit Kombos zu Leibe: Je nach Ausbaustufe Ihres Talents »Konzentration« dürfen Sie zwei bis vier Kampfkünste zu Angriffsketten verknüpfen.

Das hebt Sacred 2 nicht nur vom Genre-Einerlei ab, sondern ist auch nützlich und spaßig. Es macht einfach Laune, mit dem Schattenkrieger in ein Koboldrudel zu springen, wild um sich zu schlagen und die erledigten Feinde schließlich in hilfreiche Zombies zu verwandeln – alles mit nur einem Mausklick, versteht sich!

Kopflose Kämpfe

Ihr Vorgehen müssen Sie jedoch nie an den Gegnertyp anpassen, eine einmal erstellte Kombo ist gegen fast jede Monstersorte gleichermaßen nützlich. Erst im letzten Spieldrittel geraten selbst die Scharmützel gegen Normalo-Rivalen so knifflig, dass Sie zumindest manchmal flüchten und Gesundheitstränke schlucken sollten – was man aber auch nicht gerade »Taktik« nennen kann.

Sacred 2
Wir bauen uns eine Megatöt-Waffe: Beim Schmied könnten wir unter anderem Schmuckteile an gesockelte Waffen flanschen.

Dafür stellen sich Ihnen im Kampagnenverlauf mehrere Bossmonster mit individuellen Talenten in den Weg. Ein Teufel etwa versengt Sie mit Feuerwellen, ein Nebelriese erweckt Zombies, ein Flugdämon verschießt Energieraketen. Doch auch hier brauchen Sie kein Köpfchen, sondern müssen lediglich dutzendweise (!) Heilelixiere bechern, während Sie unentwegt auf die meist gigantischen Obermotze einprügeln. Taktisch anspruchsvoll sind die Zwischenkämpfe folglich nicht, wohl aber spektakulär inszeniert und eine willkommene Abwechslung im Schnetzel-Einerlei.