Zum Thema Street Fighter 5 ab 21 € bei Amazon.de Street Fighter V für 29,99 € bei GamesPlanet.com Die neue Kampagne von Street Fighter 5 ist Spitzenklasse. Ohne Frage der umfangreichste und beste Story-Modus, den die Serie je bekommen hat. Ich kann gar nicht genug loben, was für ein Aufwand hier betrieben wurde, eine Brücke zwischen Street Fighter 4 und 3 zu schlagen, die wahrscheinlich nur die Hardcore-Fans herbeigesehnt haben. Ich begegne liebgewonnenen Veteranen wie Urien aus den alten Dreamcast-Tagen, spiele die reiferen Versionen von Juri (SF4), Alex (SF3) und Charlie Nash, der bisher nur in Alpha einen Auftritt hingelegt hat. Und alle anderen Charaktere bekommen ebenfalls prominente Auftritte.

Wer jetzt nur Bahnhof versteht, muss mir vertrauen: Das Update zu Street Fighter 5 ist Fan-Service par excellence. Die Story-Kampagne »A Shadow Falls« trumpft mit einem angemessenen Umfang von zwei Stunden, wird komplett in Spielgrafik inszeniert und wirkt an allen Ecken und Enden sorgfältig poliert. Zig neue Figuren wurden überhaupt erst für diesen Modus modelliert. Statt einen externen Dienstleister mit Anime-Cutscenes zu beauftragen, schöpft Capcom hier intern aus den Vollen. Und gibt mir als Fighting-Game-Fan eine Story, die im Genre Wellen schlagen dürfte - an diesen Inszenierungsaufwand kommen höchstens die Netherrealm-Titel Injustice: Gods Among Us und Mortal Kombat X heran.

Die erzählte Geschichte bewegt sich dabei auf dem Niveau der alten Anime-Adaptionen von Street Fighter. Das heißt, sie meidet die teils trashige und unfreiwillige Komik des bisherigen Story-Tutorials und bemüht sich stattdessen um einen zusammenhängenden Plot. Diese Rechnung geht auf, allerdings darf man natürlich kein revolutionäres Story-Meisterwerk erwarten.

Warum keine andere Wertung? Street Fighter 5 schafft im Nachtest den »beeindruckenden« Stunt, einerseits den Umfang mit tollen Neuerungen aufzupeppen und sich damit mehr Wertungssterne in diesem Bereich zu verdienen, aber auf der anderen Seite mit den unten skizzierten Problemen Abstriche in der Balance einzufahren. Deshalb haben wir uns entschieden, bei den 75 Punkten zu bleiben.

So, jetzt reden wir über Probleme

Dem Fan in mir blutet das Herz, aber als Journalist muss ich darüber schreiben, dass Street Fighter 5 nach wie vor große Baustellen hat, die dringend gefixt werden müssen. Fangen wir mal bei all dem an, was der Story-Modus nicht bietet: Spielerisch bleibt die Kampagne komplett belanglos. Zwischen den langen und toll inszenierten Zwischensequenzen findet ab und an ein Match statt, bei dem wir vorgegeben bekommen, welche Figur wir steuern. Kämpfe dieser Art dauern gerademal eine Runde und sind selbst für Einsteiger kinderleicht. Immerhin: Sobald man einmal mit dem Modus durch ist, kann man einen höheren Schwierigkeitsgrad anwählen.

Street Fighter 5 - Screenshots aus dem Storymodus

Ein echter Arcade-Modus ist die sogenannte Cinematic Story also immer noch nicht. Immerhin: Seit Release von Street Fighter 5 kam der Challenge- und Trial-Modus hinzu, in dem Neulinge immer härtere Kombos meistern können, um damit irgendwann mal im Multiplayer Erfolg zu haben. Das Singleplayer-Bootcamp bleibt ohne Arcade-Modus also noch immer etwas dünn, macht aber Fortschritte. Auch die neuen Charaktere wie Balrog spielen sich super, über das bei Release schon hervorragende Kampfsystem brauchen wir gar nicht reden - das ist nach wie vor top. Dass Street Fighter 5 für Neulinge mittlerweile völlig uninteressant sein dürfte, hat einen ganz anderen Grund - und der heißt Matchmaking.

Obwohl Capcom spürbar an der Server-Performance geschraubt hat, dauert die Matchvermittlung noch immer recht lange - sowohl im Casual, als auch im Ranked. Wer als Neuling die Zeit absitzt, tritt dann eventuell gegen einen Silber-Rang-Spieler an, der knapp 150.000 Plätze über ihm spielt und ihn logischerweise zu Hackfleisch verarbeitet. Immer und immer eine halbe Minute zu warten, damit man immer und immer wieder in einer halben Minute vernichtet wird - das dürfte Anfänger im Fighting-Game-Genre über alle sieben Berge in die Flucht schlagen. Zumindest ein Welpenschutz für die Rookie-Liga wäre wünschenswert.

Klar, das mag Hardcore-Spielern egal sein - die freuen sich zurecht über eine überarbeitete Performance. Ich finde es trotzdem schade. Street Fighter 5 hätte eine so tolle Plattform für Fighter aus allen Kämpferklassen sein können, stattdessen ist es jetzt schon ein elitärer Club, der selbst dem Dark-Souls-PvP von weit oben auf die Rübe spucken kann. Ich hoffe wirklich, dass künftige Patches daran noch ein wenig feilen.

Fight Money: Capcom, das geht nicht

Ich verwende das Wort Frechheit sehr selten - und besonders bei Street Fighter 5 habe ich zwischen all den Release-Problemen mit einer Wertung gewartet und für eine faire Berichterstattung plädiert. Aber was Capcom mit dem Ingame-Shop von SF5 abzieht, sprengt meiner Meinung nach den Rahmen der gerechten Spielerbehandlung. Natürlich kann man theoretisch die Fight Money auch durch Matches herankarren - aber wenn ich schon für ein blödes alternatives Kostüm 20.000 davon brauche und für einen Casual-Sieg schlappe 50 kriege, dann beiße ich mir vor Frust in den Hintern.

Auch der Season Pass für 30 Euro (!) ändert daran quasi nichts - dessen Besitzer erhalten nur sechs der neuen Charaktere, Kostüme und Stages, müssen den Rest aber wie alle anderen für extrem viel Ingame-Währung freikaufen. Aber zumindest gibt mir Capcom ein gutes Startguthaben: Wer sich durch die Character-Stories, Survival-Modi und Story-Kampagne kloppt, verdient damit knapp 300.000 Fight Money, mit der man man seine Favoriten abstauben kann. Das finde ich fair. Danach ist allerdings teils mühsames Farmen angesagt.

Die Bilanz zwischen Einkommen und Kosten bleibt nach diesen einmaligen Boosts frustrierend. Und als I-Tüpfelchen gibt es andere Inhalte, für die man zwangsläufig in die Echtgeld-Tasche greifen muss - und das bei einem Vollpreisspiel. Capcom unterscheidet zwischen notwendigen spielerischen Inhalten wie neue Charaktere, die allesamt über Ingame-Währung aktiviert werden, und kosmetischen Upgrades, für die man Euros zücken muss.

Das machen im Kern viele andere Spiele auch und ganz grundsätzlich lasse ich mir das auch gefallen, aber in diesem Ausmaß löst die Monetarisierung eines Vollpreis-Spiels wie Street Fighter 5, das bei Release ohnehin schon mehr eine Early-Access-Version war, üble Bauschmerzen aus. Das ist deshalb eine Frechheit, weil der Ingame-Shop von SF5 klar darauf ausgelegt wurde, dass ich zum Geldbeutel greife. Mit Features wie dem Story-Mode und den neuen Charakteren, die sich allesamt super spielen, kriegt Capcom langsam die Kurve - aber wenn sie sich dabei nicht beeilen, verliert Street Fighter 5 das letzte bisschen Prestige, das es da draußen noch bekommt.