Zum Thema » Kino, DVD, Blu-ray Alle Filmkritiken auf GameStar.de Super Meat Boy ab 3,22 € bei Amazon.de James Swirsky und Lisanne Pijot von der kanadischen Video-Produktionsfirma BlinkWorks haben einen Traum: Das Duo, das zuvor TV-Serien, Image-Filme und Werbung produzierte, will endlich einen kreativen Dokumentarfilm in Spielfilmlänge drehen. Ein Film über ein Thema, das ihnen ganz besonders am Herzen liegt: Indie-Games.

Ein solcher Film kostet allerdings einen ganzen Batzen Geld. Geld, das James und Lisanne nicht allein aufbringen konnten. Noch bevor Kickstarter.com das Synonym für Indie-Finanzspritzen wurde und Adventure-Legende Tim Schafer über die Plattform sein neues Spiel finanzieren ließ, entwickelte sich Indie Game: The Movie zu einer Crowdfunding-Erfolgsgeschichte.

Am 18. Mai 2010 stellten James und Lisanne das Projekt bei Kickstarter ein. Das heißt: Sie stellten wildfremden Menschen ihr Projekt vor und boten potentiellen Geldgebern an, sich an dem Werk zu beteiligen. Ihr Ziel: 15.000 Dollar. Nach nur 48 Stunden trauten sie ihren Augen kaum: Die Community spendete massig und das Ziel war schon erreicht! In den folgenden Tagen schossen die Indie-Fans weltweit sogar noch über das Ziel hinaus: Die 297 Leute, die die Produktion des Films mit Beträgen zwischen einem und 300 Dollar im Voraus unterstützten, sammelten beachtliche 23.341 Dollar. Somit galt Indie Game: The Movie Mitte 2010 als einer der bestfinanzierten Filme auf Kickstarter.

Film über Steam, iTunes oder Webseite kaufen
Indie Game: The Movie ist über Steam als Bezahl-Download für 7,99€ (im Steam Summer Sale aktuell sogar nur für 3,99€) verfügbar. Wer iTunes nutzt, kann den Film auch dort kaufen. Alternativ gibt es Indie Game: The Movie als Direkt-Download über die offizielle Webseite. Dort lässt sich die Dokumentation auch als Blu-Ray oder DVD (auf Wunsch als Special Edition mit zusätzlichen Extras wie Interviews oder Behind-The-Scenes-Videos) vorbestellen.

Vier Entwickler, ein Traum

Indie Game: The Movie : Der Traum von James und Lisanne sollte also Wirklichkeit werden. Und Träume sind auch zentrales Thema ihres Films, der vordergründig vor allem vier Männer auf der Suche nach dem großen Glück in der Spiele-Entwicklung zeigt. Darüber hinaus erfahren wir in dieser Doku aber auch viel über Leidenschaft, Energie, Selbstverwirklichung, Glück (und Pech), sowie die Gleichberechtigung der Kunstform »digitales Spiel« mit den etablierten Ausdrucksmöglichkeiten.

Doch all dies wird nicht oberlehrerhaft inszeniert, sondern Indie Game: The Movie nimmt uns mit auf eine emotionale Berg- und Talfahrt, zoomt uns hautnah heran an herzergreifende Schicksale, lässt uns bei Tiefpunkten mit den Spieleentwicklern mitleiden um uns an den emotionalen Höhepunkten jubeln zu lassen.

Dabei fokussiert Indie Game: The Movie auf die Shooting-Stars der amerikanisch-kanadischen Indie-Szene, die das schier Unmögliche geleistet haben: Mit den kleinsten Teams entwarfen sie in kurzer Zeit immens erfolgreiche Spiele. Erfolge von einem Ausmaß, wie er früher eher großen Studios mit meist riesigen Teams und einer Entwicklungszeit von mehreren Jahren vorbehalten war.

Im Mittelpunkt des Films stehen Team Meat, Edmund McMillen und Tommy Refenes, mit ihrem hardcorigen Fleischklops-Platformer Super Meat Boy , und Phillipe Poisson, auch bekannt als Phil Fish, der sein Dimensionspuzzle FEZ heil auf die Welt bringen möchte.

Jonathan Blow, kreativer Kopf hinter dem erfolgreichen Zeitmanipulations-Titel Braid , funktioniert als narratives Bindeglied für die traurig-schönen Geschichten seiner Kollegen. Stellenweise streut er weise Anekdoten ein, ist sich selbst aber immer seiner eigenen Zerbrechlichkeit bewusst. Eines hat er den anderen Teams aber voraus: Sein Spiel hat es zum Zeitpunkt des Drehs bereits zu kommerziellem Erfolg gebracht. McMillen, Refenes und Fish stehen in Indie Game: The Movie noch ganz am Anfang ihrer Träume.

Geschichten vom Abgrund

Indie Game: The Movie : Edmund McMillen, kreative Hälfte von Team Meat und verantwortlich für all die verrückten Ideen in Super Meat Boy, ist sichtlich erschöpft.

Indie-Entwickler im Portrait: Ed McMillen
Edmund McMillen, kreative Hälfte von Team Meat und verantwortlich für all die verrückten Ideen in Super Meat Boy, ist sichtlich erschöpft.

Dass aller Anfang schwer ist, macht die Geschichte von Super Meat Boy schnell klar. Das Spiel, in dem ein kleiner roter Fleischklops tödliche Hindernisse überquert um seine Freundin »Bandage Girl« zu retten, steht kurz vor der Veröffentlichung für Microsofts Download-Service Xbox Live Arcade. Da sich Ed McMillen und Tommy Refenes mit der Entwicklung des Jump & Runs ganz nah am Rande ihrer finanziellen Existenz bewegen, sind sie auf eine Veröffentlichung noch im Jahre 2010 angewiesen.

Doch diese Rechnung haben sie ohne den Publisher gemacht, der das Team vor die Wahl stellt: Entweder wird sich das Spiel auf Anfang 2011 verzögern, oder Ed und Tommy stellen Super Meat Boy binnen zwei Monaten fertig und bringen es im Rahmen einer besonderen Xbox-Live-Promotion auf den Markt. Eine Promotion, die den Beiden gute Werbeplatzierungen im Xbox-Marktplatz und somit auch höhere Verkäufe verspricht. Doch dieser Weg hat auch seinen Preis: Um die Deadline von Microsoft zu schaffen, vernachlässigen Ed und Tommy »unwichtige« Dinge wie Schlaf und arbeiten ununterbrochen -- bis ans Ende ihrer Möglichkeiten.