Zum Thema WoW: Legion ab 35,95 € bei Amazon.de Als alteingesessener Closed-Beta- und Classic-WoW-Veteran hat es mich nach über zehn Jahren Abstinenz und einem sehr kurzen Comeback in Warlords of Draenor mit World of Warcraft: Legion nun wieder richtig gepackt. Natürlich habe ich die Entwicklung des Spiels seit Classic-Zeiten aus einer gewissen Distanz weiter verfolgt, bis ich mir bei meinem Draenor-Ausflug zum ersten Mal wieder selber ein Bild vom aktuellen Stand machte.

Fakt ist, World of Warcraft ist gut gealtert, Blizzard hat fast an jeder Ecke an den richtigen Schrauben gedreht und in Sachen Umfang und Features sucht dieses MMORPG seinesgleichen. Kein Wunder also, dass WoW auch nach mittlerweile fast 12 Jahren immer noch so viele Spieler bei der Stange hält.

Mein bisheriges Fazit zu Legion lautet: Jetzt ist der beste Zeitpunkt, wieder mit WoW anzufangen! Aber es kommt auf die Herangehensweise an, wie viel Spaß man damit haben kann. Was ich damit meine? Nun, ich erkläre es mit einem kleinen Rückblick auf Warlords of Draenor.

Zurück zu neuer Stärke: World of Warcraft: Legion im Test

Veteranen wie mir missfällt an der Entwicklung von World of Warcraft vor allem eines: Die Spieler reden nicht mehr miteinander. Beim Questen in Draenor hatte ich über weite Strecken das Gefühl, dass wir innerhalb derselben Welt alle unser persönliches, kleines Solo-Rollenspiel erleben. Abgesehen von dem gemeinsamen Beschweren über die ungenügende Funktionalität der Server im Allgemein-Chat nahm ich andere Spieler höchstens als Störfaktoren wahr, die mir meine Quest-Mobs vor der Nase wegkillen oder so zahlreich um einen Quest-NPC versammelt stehen, dass ich diesen kaum finden kann.

Nur in ganz seltenen Fällen lud man mich in eine Gruppe ein, um sich die für eine Quest benötigten Kills zu teilen und so schneller fertig zu werden. Ist die Quest erledigt, wird die Gruppe wieder aufgelöst, meist ohne dabei auch nur ein Wort zu verlieren. Teamspiel ist beim Questen nicht nötig, dafür sind die Quests zu einfach, die Gegner zu schwach. Es geht nicht um Erfolg oder Versagen, es geht um Effizienz. Wie erledige ich das hier möglichst schnell, damit ich weiterkann? Selbst Elite-Gegner in den als besonders anspruchsvoll gekennzeichneten Gruppen-Quests waren solo kein sonderliches Problem.

So entstand Warcraft: Die Ursprünge des Fantasy-Universums (Plus)

World of Warcraft: Legion : Julius Busch
@HeartshotMusic
Als ihm Onkel Jochen vor fast zwei Jahrzehnten heimlich eine CD mit Warcraft 2 unterschmuggelte, wurde die Spielereihe neben Age of Empires zur wohl meistgespieltesten in Julius Buschs Kindheit. Mit World of Warcraft wurde sein kindliches Vorstellungsvermögen dann endgültig gesprengt. Mit gerade mal 13 Jahren gründete er in der Closed Beta seine erste Gilde. Über all die Jahre hinweg nimmt das Spiel heutzutage immer noch einen ganz besonderen Platz in seinem Gamerherzen ein.

Dungeons ohne Gemeinschaft

Und wie war es mit den Dungeons? Hier ist man doch gezwungen, zusammen zu spielen, dann wird man doch wohl kommunizieren, oder? Fehlanzeige! Über den Dungeon Finder lasse ich gemütlich während meines Solo-Abenteuers Mitspieler suchen, um dann direkt mit den anderen Spielern in die Instanz teleportiert zu werden, sobald die Gruppe komplett ist. Auch die Aufgabenverteilung übernimmt das Spiel. Nach einer kurzen Begrüßung findet meist erst dann wieder ein Gespräch statt, wenn jemand einen Fehler gemacht hat und auf sehr unsanfte Art und Weise darauf hingewiesen wird.

World of Warcraft: Legion : Das vorangehende Addon »Warlords of Draenor« war zwar beim Questen cool, spielte sich aber eher wie ein Solo-Rollenspiel. Das vorangehende Addon »Warlords of Draenor« war zwar beim Questen cool, spielte sich aber eher wie ein Solo-Rollenspiel.
Versteht mich nicht falsch, gelegentlich habe ich auch mal eine nette Unterhaltung erlebt oder freundliche, konstruktive Kritik, aber das blieben eben leider Ausnahmen. Auch wenn ich den Reiz des immens erhöhten Komforts und der Ersparnis vieler Reisekosten und Zeit durchaus nachvollziehen kann, ertappe ich mich immer wieder beim Zurückdenken an die gute, alte Zeit, als in WoW für die Organisation eines erfolgreichen Gruppenspiels auch eine funktionierende Kommunikation unerlässlich war.

Die Zeit, als uns das Spiel nicht alles vorgekaut hat. Die eigentlich immer so gelungen in die dazugehörigen Questgebiete integrierten Dungeons werden auf diese Weise zu einer vom eigentlichen Spiel völlig abgekoppelten Parallel-Beschäftigung. Schade! Das war allerdings nicht der Fehler von Warlords of Draenor, nicht direkt zumindest. Es war mein Fehler, weil ich mit der falschen Haltung an das Spiel herangegangen bin.

Kümmert euch!

Es ist nämlich etwas ganz Anderes, WoW gemeinsam mit Freunden oder Bekannten zu spielen. Dann zerbricht die Barriere der Anonymität, und es findet Kommunikation statt. Die Interaktion untereinander ist für mich, auch nach 12 Jahren, immer noch das Reizvollste an diesem Spiel, nicht mein persönlicher Erfolg und auch nicht die Welt als solche ohne ihre Seele nämlich die anderen Spieler.

Zum Start von Legion bin ich daher aktiv geworden, habe alte Freunde und Mitspieler angeschrieben, bin im Spiel auf Andere zugegangen, immer mit dem Gedanken: »Ich kann doch nicht der Einzige sein, der die alten Stärken dieses Spiels vermisst.« Und in der Tat ist es mir gelungen, eine Gruppe Gleichgesinnter zu einer funktionierenden Gilde zu formen.

World of Warcraft: Legion : Gruppenbild mit Gilde: Nur gemeinsam macht WoW Spaß! Gruppenbild mit Gilde: Nur gemeinsam macht WoW Spaß!

Meine bisherigen Erfahrungen in Legion sind folglich nicht im geringsten mit dem etwas unergiebigen Draenor-Kurzbesuch zu vergleichen. Gemeinsame Dungeons, Weltquests oder – in Zukunft Raids – sind in der Gruppe mit Freunden und kommunikativen Mitspielern immer noch ein Heidenspaß. Es liegt nur an uns Spielern, der Versuchung des nur allzu komfortablen Solo-Abenteuers zu widerstehen und das Gespräch zu suchen.

Im Grunde ist WoW immer noch wie früher: Wer sich damals nicht aktiv um eine Gilde bemüht hat, der hat so schnell keinen Anschluss gefunden. Das ist heute immer noch so, nur dass die spielerische Beeinträchtigung dadurch geringer geworden ist: Ich kann jetzt alles auch ohne Gilde erleben. Nur macht's dann eben auch weniger Spaß.

Liebe WoW-Veteranen, lasst euch gesagt sein: Dieses Spiel hat immer noch das Potenzial, uns genauso zu packen wie vor 12 Jahren. Aber es liegt an uns, dieses Potenzial auch wirklich voll auszuschöpfen. Jetzt ist der wohl beste Moment, wieder einzusteigen. Und eine große Besonderheit des MMORPG trifft hier so gut zu wie noch nie: Die Spielwelt ist immer nur so gut wie die Spieler in ihr. Das ist unsere Chance, einer von den Guten zu sein.

World of Warcraft: Legion