»Wenn dein System befallen ist, bist du sowieso gelackmeiert«: Wir alle nutzen sie, aber wie viel bringt sie uns? Community diskutiert über 2FA

2-Faktor-Authentifizierung: Ist sie sinnvoll oder nicht? Die Cumminity hat diskutiert, wir ordnen ein.

2FA mit dem Smartphone: Heute weit verbreitet, aber sinnvoll? In der GS-Community gehen die Meinungen auseinander. (Bildquelle: absent84, Adobe Stock) 2FA mit dem Smartphone: Heute weit verbreitet, aber sinnvoll? In der GS-Community gehen die Meinungen auseinander. (Bildquelle: absent84, Adobe Stock)

2-Faktor-Authentisierung: Ein ziemlich umständliches Wort für eines der wohl am weitesten verbreiteten Systeme für mehr Sicherheit eurer Accounts.

Das Prinzip hinter der 2FA ist eigentlich simpel: Neben dem Passwort braucht ihr noch einen zweiten Schlüssel, um zu beweisen, dass ihr es wirklich seid.

Aber wie viel bringt der Extra-Schritt im Ernstfall wirklich? In der GameStar-Community wurde über diese Frage leidenschaftlich gestritten. Wir ordnen die Diskussion für euch ein.

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Was ist 2-Faktor-Authentifizierung (2FA)

Die Zwei-Faktor-Authentisierung ist eine Methode, um die Identität eines Nutzers durch die Kombination von zwei unabhängigen Komponenten zu überprüfen. Das Ziel ist es, sicherzustellen, dass ein Zugang nur dann gewährt wird, wenn beide Faktoren erfolgreich abgefragt wurden (via Wikipedia).

Grundsätzlich stützen sich solche Multi-Faktor-Authentisierungsverfahren wie Wikipedia weiter definiert auf drei Säulen:

  1. Wissen: Etwas, das nur der Nutzer weiß (etwa das Passwort).
  2. Besitz: Etwas, das nur der Nutzer hat (etwa das Smartphone).
  3. Inhärenz: Etwas, das der Nutzer ist (etwa biometrische Merkmale wie Fingerabdruck oder Gesichtsscan).

Der Vorteil: Selbst wenn euer Passwort gestohlen wird (etwa durch einen Datenbank-Leak beim Anbieter), bleibt euer Account geschützt, da der Angreifer nicht im Besitz deines zweiten Faktors ist.

Wenn das eigene System befallen ist, nützt die 2FA auch nichts: 2FA ist kein Allheilmittel

Für manche Nutzer steht die Wirksamkeit technischer Hürden grundsätzlich infrage. Husky666 ordnet 2FA in eine Reihe mit anderen Sicherheitsdiensten ein, denen er tief misstraut:

„Die 'Sicherheit' ist also quasi nur vorgegaukelt, stattdessen steckt in den meisten Fällen eine weitere Klitsche drin.“

Er kritisiert damit einen wunden Punkt der modernen IT: das Vertrauen in Drittanbieter. Wer Passwörter und 2FA-Codes auslagert, begibt sich in die Abhängigkeit von Firmen, die selbst zum Ziel werden können.

Insofern ist Husky666 überzeugt, dass bei einer Infektion des Systems weder 2FA noch VPN helfen – Gehirn.exe bliebe eben das wichtigste Werkzeug. Zur digitalen Verwahrung von Zugangsdaten zieht er einen Vergleich: Passwortmanager seien genauso (un)sicher wie ein Zettel unter der Tastatur.

Was nach Provokation klingt, ist für andere eine bewusste Strategie der physischen Netztrennung. Engelmacher2 argumentiert:

Wenn ich mir die PWs aufschreibe kann niemand darauf zugreifen (solange niemand bei mir einbricht und den Zettel klaut). Dagegen können Soft-/Hardwarelösungen gehackt werden.

Für Nutzer wie der.Otti ist die Lösung daher schlicht ein Büchlein.

  • Fachlich gesehen stützt die analoge Fraktion sich auf das Prinzip des Besitzes, wie ihn Wikipedia definiert – ein physisches Objekt außerhalb des Netzwerks ist immun gegen Remote-Hacks.
  • Doch die Kehrseite dieser Medaille ist die menschliche Unfähigkeit zu echtem Zufall. Wie Wikipedia zur Multi-Faktor-Authentisierung erläutert, neigen Menschen bei selbstgewählten Passwörtern zu Mustern, die für moderne Angreifer leicht zu knacken sind.

Die Skeptiker treiben das Szenario schließlich bis zum technischen Offenbarungseid. So betont Liver die Grenzen der 2FA bei bereits kompromittierter Hardware:

Naja wenn das eigene System befallen ist nützt dir 2FA auch nichts, da man dann einfach eine gültige Session vom befallenen PC klaut.

An diesem Punkt bricht Thread-Ersteller Stonefire die theoretische Eskalation mit einem harten Realitätscheck ab:

Wenn dein System befallen ist, bist du sowieso gelackmeiert. Wenn man von diesem Fall ausgeht, braucht man die Diskussion nicht weiterführen.

Seine Aussage deckt sich mit den Analysen von G DATA: 2FA ist kein Allheilmittel etwa gegen das von Liver angesprochene Session Hijacking, ist aber dennoch generell eine wirksame Strategie zur Stärkung der Sicherheit.

2-Faktor-Authenfizierung bleibt ein starker Schutz

Auch wenn es manche gibt, die die Sicherheit durch die 2FA grundsätzlich infrage stellen, ist sie für andere genau an einer kritischen Stelle wichtig, auf die sie selbst keinen Einfluss haben: bei Fehlern der Anbieter.

Astorek86 erinnert an den Sony-Hack von 2011 und betont, dass man trotz aller Vorsicht Opfer von großflächigen Datenlecks werden kann. Gegen solche serverseitigen Leaks hilft dann auch die Gehirn.exe wenig.

Die Statistik gibt den Befürwortern recht: Schon 2019 belegte eine Untersuchung der New York University in Kooperation mit Google, dass selbst einfachste Hürden wie SMS-Codes fast 100 Prozent der automatisierten Bots abwehren.

Allerdings weist der Chaos Computer Club 2024 darauf hin, dass das SMS-Verfahren heute kritisch zu sehen ist, da Sicherheitslücken bei Dienstleistern SMS-Inhalte offenlegen können. Die Empfehlung lautet daher klar: App-basierte Verfahren nutzen.

Für Power-User wie Gelöscht 7573, der nach eigenen Angaben 469 Objekte in seinem Passwort-Safe verwaltet, ist Technik aufgrund der schieren Menge alternativlos. Moderator MadCat hat zum Schluss ebenfalls noch einen hilfreichen Tipp parat:

Und macht bitte nicht den Fehler, die 2FA-Funktionen von Passwort-Managern zu benutzen. Das hebelt den zweiten Faktor aus, weil alles auf einem Gerät zur Verfügung steht.

Diese Warnung deckt sich mit den Grundsätzen der Multi-Faktor-Authentisierung, die eine strikte Trennung der Komponenten fordert. Werden beide Faktoren im selben digitalen Tresor aufbewahrt, reduziert sich die Sicherheit faktisch wieder auf eine einzige Barriere: das Master-Passwort des Managers.

Fazit: Der Ausweg aus dem Passwort-Problem

Die hitzige Diskussion zeigt: Absolute Sicherheit ist eine Illusion, sobald das eigene Endgerät kompromittiert ist. Dennoch ist der Verzicht auf moderne Tools für die allermeisten keine Lösung. Der Trend geht laut dem Chaos Computer Club ohnehin weg vom klassischen Passwort hin zu Passkeys.

Hierbei wird ein individueller kryptografischer Schlüssel sicher auf dem Gerät gespeichert, sodass das Merken und Eintippen von Passwörtern komplett wegfällt. Vor allem aber könnten Passkeys kaum gestohlen oder versehentlich verraten werden, was das Problem von Phishing technisch löst.

Wir haben einen Guide für euch, wie ihr euer Google-Konto auf Windows, Mac und dem iPhone mit einem biometrischen Passkey absichert und so das klassische Passwort durch Face- oder Touch-ID ersetzt.

Solange Passkeys jedoch noch nicht überall Standard sind, bleibt der Rat der Experten und Foristen bestehen: Nutzt Passwortmanager für die Komplexität und eine separate App für den zweiten Faktor. Denn wie stonefire richtig resümiert: Wer infiziert ist, hat verloren – aber wer auf 2FA verzichtet, lässt die Haustür für die ganze Welt offen stehen.

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