Androids Erdbebenwarnung in Venezuela soll Millionen Menschen frühzeitig gewarnt haben

Google soll Erdbeben-Warnungen an mehr als 11 Millionen Venezolaner kurz vor und während der zwei Erdbeben herausgeschickt haben.

Die Erdbeben-Warnung auf Android-Handys kann auch Verhalten-Tipps geben. (Bildquelle: Google) Die Erdbeben-Warnung auf Android-Handys kann auch Verhalten-Tipps geben. (Bildquelle: Google)

Als im Juni 2026 die Erde in Venezuela bebte, wurden Millionen Menschen nicht von Sirenen gewarnt, sondern von einem Vibrieren in ihrer Hosentasche.

Am 24. Juni 2026 erschütterten zwei Erdbeben mit Magnituden von 7,2 und 7,5 die Nordküste des südamerikanischen Landes Venezuela, das kein flächendeckendes Frühwarnsystem unterhält. Trotzdem erhielten mehr als 11 Millionen Venezolaner Sekunden vor den ersten schweren Erschütterungen Warnungen auf ihr Android-Smartphone.

Ein aktueller Bericht der New York Times zeigt im Detail, wie Googles Technologie an diesem Tag Handys im ganzen Land in ein Frühwarn-Netzwerk verwandelt hat.

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Extra-Sekunden, die Leben retten können

Nach Angaben von Google haben Android-Handys Warnungen an 11,4 Millionen Menschen vor und auch während der Erdbeben geschickt.

Der verbaute Beschleunigungssensor soll dabei die ersten Erschütterungen in drei Sekunden erkannt und bereits sechs Sekunden später die ersten Warnungen in betroffene Gebiete ausgesendet haben. Genau die Zeit also, die Menschen helfen kann, besser auf das Erdbeben zu reagieren.

Google hat das Frühwarnsystem im Jahr 2020 in Android eingebaut.  Anders als klassische Frühwarnsysteme, die auf hochpräzise Sensoren und eine professionelle Infrastruktur setzen, nutzt Google ein Crowdsourcing-Prinzip.

Es funktioniert wie folgt:

  • Die Beschleunigungssensoren vieler Android-Handys können gemeinsam Bewegungsmuster erkennen, die auf die erste P-Welle eines Erdbebens hindeuten
  • Registriert eine große Anzahl Handys in einer Region eine Erschütterung, werden Daten an Google-Server geschickt.
  • Bestätigen die Server das Erdbeben, gehen Warnmeldungen an alle Handys im berechneten Gefahrenradius raus.

Nicht immer funktioniert diese Einordnung zuverlässig. Nach einem Erdbeben in der Türkei im Jahr 2023 musste Google einräumen, dass »Erkennungsalgorithmen das Ausmaß der Beben stark unterschätzt haben« so das Computer-Magazin Heise.

Laut Google werden Warnungen ab einer Magnitude von 4,5 ausgegeben. Dabei unterscheidet Google zusätzlich zwischen leichten und schwereren Beben.

Während Nutzer bei leichteren Beben einfache Anweisungen erhalten, wie sie sich verhalten sollen, geht die Warnung vor schwereren Erdbeben einen Schritt weiter. Sie spielt einen Warnton ab, aktiviert den Bildschirm und zeigt, auch bei eingeschaltetem »bitte nicht stören«, eine Warnung an.

Vor allem Menschen, die sich nicht direkt im Zentrum des Bebens befinden, können durch die Warnungen einige Sekunden Vorwarnzeit erhalten, so die New York Times.

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Unklar ist allerdings, wie viele Menschen die Warnung rechtzeitig wahrgenommen und ihr Verhalten geändert haben.

Apple verfolgt einen anderen Ansatz: iPhones empfangen Erdbebenwarnungen über offizielle Warnsysteme, während Google zusätzlich auf die Auswertung von Sensordaten vieler Android-Geräte setzt.


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