»Technofeudalismus«: Apple verlangt 30 Prozent Anteil an Patreon-Zahlungen auf iOS – und die Community hat eine klare Meinung

Patreon-Creator sollen einen ordentlichen Anteil an ihrem Einkommen über iOS-Abos abgeben. Der Community gefällt das gar nicht.

Apple will nun auch Patreon zur Kasse bitten: Fast ein Drittel der Einnahmen aus Abos über iOS sollen bei Tim Cooks Konzern landen. (Bildquelle, Tim Cook: Wikimedia Commons) Apple will nun auch Patreon zur Kasse bitten: Fast ein Drittel der Einnahmen aus Abos über iOS sollen bei Tim Cooks Konzern landen. (Bildquelle, Tim Cook: Wikimedia Commons)

Eine kleine Spende: Apple hat angekündigt, in Zukunft 30 Prozent Provision auf alle Zahlungen einzubehalten, die innerhalb der Patreon-App auf dem iPhone oder iPad getätigt werden.

Patreon ist eine Plattform, auf der Menschen Künstler, Journalisten oder sonstige Creator direkt unterstützen können. Dass der Milliardenkonzern ausgerechnet dort fast ein Drittel der Zahlungen abgreifen will, stößt der Community auf Reddit sauer auf.

Die fühlt sich durch die Handlungen des Konzerns an dunkle Zeiten zurückerinnert – und hat Lösungen parat, um dem Einhalt zu gebieten.

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Das Wichtigste in Kürze:

Wie das Branchenmagazin TechCrunch berichtet, hat Patreon seine FAQs geändert – und das mit weitreichenden Folgen für die Creator und Nutzer:

  • Die 30-Prozent-Abgabe: Apple erzwingt eine Provision von 30 Prozent auf alle Fan-Zahlungen, die über die Patreon-App auf dem iPhone oder iPad getätigt werden.
  • Die Frist: Bis zum 1. November 2026 müssen alle Creator zwingend auf Apples In-App-Kaufsystem umstellen.
  • Existenzbedrohung für die App: Wer sich weigert, riskiert, dass die Patreon-App komplett aus dem App Store entfernt wird.
  • Apples Begründung: Apple betrachtet Fan-Unterstützung als Kauf digitaler Güter und Services und verlangt deshalb seinen üblichen Anteil am Umsatz.

Ihr arbeitet buchstäblich für einen König: Reddit-Community fühlt sich wie im Mittelalter

Auf Reddit trifft der Vorstoß von Apple auf massive Kritik – und die Community zieht sogar geschichtliche Vergleiche:

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Auch wenn es sich bei der drohenden Gebühr eher um eine Provision handelt, fällt in der englischsprachigen Diskussion ein Wort besonders häufig: Tax, also Steuer.

So schreibt etwa der Nutzer JohrDinh:

Ich finde es herrlich, wie man im Silicon Valley ununterbrochen über Steuern jammert, während sie selbst ständig auf ihre ganz eigene Art abkassieren – und zwar ohne jedes Schlupfloch. Merken die die Ironie eigentlich nicht?

Im Gegensatz etwa zu Europa, sind die USA ein klares iPhone-Land. Apple dominiert hier mit einem Marktanteil von über 50 Prozent. Entsprechend trifft die drohende Provision dort auch besonders viele Nutzer – und lässt nicht nur den Nutzer Skyfier42 einen Vergleich zur US-amerikanischen Geschichte ziehen:

Das ist buchstäblich eine Form von Besteuerung – und zwar eine ohne jegliches Mitspracherecht. Ihr arbeitet hier im Grunde für einen König, der euch nur benutzt, um sein Imperium noch weiter zu vergrößern.

Keine Besteuerung ohne Mitspracherecht (No taxation without representation) war der Slogan gegen die Besteuerung der Kolonialmacht Großbritannien im 18. Jahrhundert und bildete den zentralen Auslöser für den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.

Auch für Nutzer Dissonant-Cog ist der Sachverhalt klar. Er postet nur die Definition eines Begriffs, der Marktdominanz weniger Akteure vor allem im Silicon Valley mit dem tiefsten Mittelalter verbindet:

Technofeudalismus ist ein Begriff, der ein modernes Wirtschaftssystem beschreibt, in dem große Technologieunternehmen eine Macht besitzen, die der von Feudalherren in der Vergangenheit ähnelt. Anstelle von Land kontrollieren diese Unternehmen digitale Plattformen, Daten und Online-Märkte. Menschen und kleinere Unternehmen sind von diesen Plattformen abhängig, so wie Bauern früher von Feudalherren für Land und Schutz abhängig waren.

Nicht nur die Community hat Lösungsvorschläge

Der Tenor ist recht eindeutig: Die Community heißt Apples Vorstoß nicht gut. Neben emotionalen Vergleichen sehen andere aber auch durchaus Lösungen.

Einige finden, Patreon selbst sollte handeln, Nutzer RoughRefrigerator260 etwa kommentiert:

Tja, dann hoffe ich mal, dass Patreon seine App einfach aus Apples dämlichem Store abzieht.

Und auch Nutzer Lord_Blackthorn hat eine Idee für Patreon parat:

Klingt für mich so, als sollte der Abo-Mechanismus von Patreon einen dann einfach direkt auf ihre Website schicken.

Wie realistisch solche Vorschläge gerade bei Apples Dominanz auf dem US-amerikanischen Markt allerdings sind, ist fraglich.

Auch Nutzer Nyhlae sieht in Apples Absichten vor allem eine Aufforderung an sich und andere iOS-Nutzer:

Ab jetzt wird niemals mehr über das Handy abonniert. Verstanden.

In diese Richtung geht auch der Vorschlag von Patreon selbst: In den neuen FAQ empfiehlt das Unternehmen den Creatoren, ihre Preise in der iOS-App automatisch um rund 43 Prozent anzuheben.

Dieser massive Aufschlag gleicht Apples 30-Prozent-Abgabe aus und schützt das Einkommen der Künstler – während er die Fans faktisch zum günstigeren Web-Checkout drängt.

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