Frankreichs Senat hat einen Gesetzentwurf in erster Lesung verabschiedet, der Autohersteller künftig zum Verbau klassischer Rundfunkempfänger verpflichten soll. Ziel der Initiative ist es, den dauerhaften und kostenlosen Zugang zu UKW sowie dem digital-terrestrischen Standard DAB+ in Neufahrzeugen gesetzlich zu sichern.
Die Lücke in den bisherigen EU-Vorgaben: Seit Ende 2020 gilt in der Europäischen Union eigentlich eine Digitalradiopflicht für Neuwagen. Diese hat jedoch einen entscheidenden Haken: Sie schreibt lediglich vor, dass eingebaute Radios zwingend DAB+-fähig sein müssen.
Verzichtet ein Hersteller hingegen komplett auf einen analogen oder digitalen Tuner und setzt ausschließlich auf ein internetbasiertes Multimediasystem mit Streaming-Apps, greift die EU-Regelung nicht.
Für Verbraucher drohen dadurch schleichende Kosten: Während klassischer Rundfunk terrestrisch kostenlos, werbefrei empfangbar und ohne Datenerfassung anonym bleibt, binden internetbasierte Infotainmentsysteme die Fahrer an mobiles Datenvolumen oder kostenpflichtige Abos. Für die Sender wiederum steht die Existenz auf dem Spiel, da rund 35 Prozent des gesamten Hörfunkkonsums im Auto stattfinden.
Das Radio als unverzichtbarer Katastrophen- und Zivilschutz
Haupttreiber des französischen Vorstoßes ist die zivile Sicherheit. Bei extremen Wetterlagen, Hochwasser oder flächendeckenden Stromausfällen gehören Mobilfunkmasten erfahrungsgemäß zu den ersten Netzen, die durch Strommangel zerstört oder wegen punktueller Überlastung lahmgelegt werden.
Terrestrische Rundfunksender arbeiten dagegen nach dem broadcast-typischen »One-to-Many«-Prinzip: Ein einziges Sendesignal erreicht beliebig viele Empfänger zeitgleich ohne Bandbreitenverlust. Moderne DAB+-Systeme bieten darüber hinaus automatisierte Notfallwarnungen, die das Autoradio bei Katastrophenlagen selbsttätig aus dem Stand-by aufwecken können.
Passend zum Thema Mobilität: Dreirad der anderen Art: Ihr könnt bis zu 120 km/h schnell fahren, aber dafür müsst ihr die ganze Zeit in die Pedale treten
Der Blick über die Grenze
Die Gesetzesvorlage wandert als Nächstes in die französische Nationalversammlung. Passiert sie auch diese Kammer, müssen alle in Frankreich verkauften Neuwagen entsprechende Tuner an Bord haben. Eine Nachrüstpflicht für Bestandsfahrzeuge ist nicht vorgesehen.
Die Problematik ist auch in anderen Ländern ein Thema: In den USA kämpft die Katastrophenschutzbehörde FEMA gemeinsam mit Parlamentariern über den »AM Radio for Every Vehicle Act« für eine vergleichbare Vorschrift, nachdem insbesondere E-Auto-Hersteller das Radio aus Kostengründen aus dem Cockpit verbannt hatten.
Was meint ihr? Hört ihr während der Fahrt noch klassisches Radio über UKW oder DAB+ oder läuft bei euch ausschließlich Spotify, Apple Music & Co.? Wünscht ihr euch eine solche Hardware-Pflicht auch für Neuwagen in Deutschland? Schreibt es uns in die Kommentare!

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