Vor einigen Jahren zog mein Nachbar ein gigantisches, knallrotes Ei über seine Terrasse. Das Ding wog gefühlt so viel wie ein Kleinwagen, mein Nachbar schwitzte zumindest so als zöge er einen – grinste dabei aber über beide Ohren.
Natürlich musste ich fragen, was er da eigentlich gekauft hatte. Seine Antwort habe ich bis heute nicht vergessen:
»Das ist der letzte Grill meines Lebens.«
Die Geschichte hinter dieser Art Grill ist so besonders wie das Äußere. Nicht umsonst gelten sie mit als die besten Grills, die man überhaupt kaufen kann. Sogar in der Sterneküche genießen sie dieses Ansehen.
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Wenn wir heute übers Grillen sprechen, geht es gefühlt fast immer um Weber, Napoleon, Gas oder Holzkohle. Möglichst viele Brenner, eine 800-Grad-Zone fürs Steak und außen herum bitte eine halbe Tonne Edelstahl.
Dabei basiert einer der aus meiner Sicht spannendsten Grills überhaupt auf einer Idee, die älter ist als nahezu alles, was wir heute unter „Grillen“ verstehen. Denn heute möchte ich euch mal etwas über »Kamado-Grills« erzählen, auch bekannt unter »The Big Green Egg«.
Die Geschichte beginnt in Ostasien
Bei einem Kamado-Grill habt ihr mehrere Ebenen zum Garen.
Die ältesten Vorfahren des heutigen Kamados waren Erdöfen, die man aus lehmartiger Erde geformt hatte. Aus diesen entwickelten sich dann klassische Tongefäße.
Ein besonders wichtiger Vorläufer war schließlich der japanische Mushikamado: ein rundlicher Tonofen mit abnehmbarem Deckel, in dem unter anderem Reis gedämpft wurde. Denn Fleisch wurde damals in diesen Öfen noch gar nicht so häufig zubereitet.
Mit Lüftungsöffnungen ließ sich allerdings bereits damals beeinflussen, wie stark das Feuer im Inneren brannte. Und damit standen schon all die Dinge fest, die auch heute noch einen Kamadogrill ausmachen:
- Ein geschlossenes Gefäß.
- Eine massive Wand.
- Feuer beziehungsweise Holzkohle.
- Und kontrollierte Luftzufuhr.
Erst die Amerikaner machten aus den Öfen einen Grill
Nach dem Zweiten Weltkrieg lernten amerikanische Soldaten die japanischen Kamados kennen und brachten solche Öfen mit zurück in die USA. Dort traf die jahrhundertealte asiatische Garmethode auf etwas, das kaum besser dazu passen könnte: die amerikanische BBQ-Kultur.
1974 gründete Ed Fisher schließlich in Atlanta Big Green Egg und begann, Kamado-Grills zu importieren. Die ursprünglichen Modelle bestanden noch weitgehend aus Ton und waren entsprechend empfindlich. Später wechselte Big Green Egg auf moderne Hochleistungskeramik, wodurch die Grills erheblich robuster wurden und Hitze nochmals besser speicherten.
Das Geheimnis hinter dem Hype um die Kamado-Grills
Wer einen Kamado zum ersten Mal sieht, dem fallen vermutlich zwei Dinge auf. Erstens: Warum sieht der Grill aus wie ein gigantisches Osterei (und ist auch noch so bunt)?
Und zweitens: Warum zum Henker wiegt dieses Ding über 100 Kilogramm?
Die Antwort auf beide Fragen beantworten auch die Frage aus der letzten Überschrift. Bei einem klassischen Kugelgrill sitzt um euer Feuer im Wesentlichen relativ dünnes Metall. Ein Kamado besitzt dagegen eine massive keramische Hülle, die beim Aufheizen selbst sehr viel Energie aufnimmt und anschließend wieder abgibt.
Das Ganze verhält sich dadurch eher wie ein richtiger, massiver Steinofen als wie ein klassischer Kohlegrill.
Die Keramik puffert Temperaturschwankungen und die kuppelartige Form sorgt dafür, dass sich die Wärme im Garraum verteilt. Gleichzeitig lässt sich über einen Lufteinlass an der Unterseite und eine Abluftöffnung oben ziemlich genau bestimmen, wie viel Sauerstoff die Kohle bekommt. Weniger Sauerstoff bedeutet weniger Verbrennung und damit weniger Hitze, mehr Luft lässt die Temperatur steigen.
Kurz gesagt: Die Hitzeverteilung in einem Kamado ist einzigartig. Ihr gart ein Steak nicht nur von unten, sondern rundum.
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Die Kombination aus Holzkohle, Keramik und Luftregelung macht aus einem Kamado letztlich viel mehr als einen Grill.
Ihr könnt ihn sehr weit herunterregeln und beispielsweise Pulled Pork oder Spareribs über viele Stunden garen. Ihr könnt Räucherholz zwischen die Kohle legen und ihn als Smoker verwenden. Ihr könnt normal Würstchen, Gemüse und Steaks grillen.
Und am anderen Ende der Skala könnt ihr die Luftzufuhr öffnen, das Ei richtig hochheizen und mit einem Pizzastein einen kleinen Steinofen daraus machen. Moderne Kamados erreichen je nach Modell Temperaturen um 400 Grad Celsius oder sogar darüber. Und zwar nicht nur stellenweise, sondern Innenraumtemperaturen!
Welchen Kamado kann ich euch empfehlen?
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Ein "Big Green Egg" ist toll, keine Frage, aber auch sehr teuer. Es geht allerdings auch günstiger. Bedenkt allerdings: Bei günstigen Kamados ist die Keramikwand dünner oder weniger hochwertig. Dennoch kann man auch mit einem günstigen Kamado schon von den großen Vorteilen profitieren:
- Der günstige: Tisch-Kamado mit 39 Zentimetern Durchmesser von BBQ-Toro
- Der Mittelweg: 34 Zentimeter Durchmeser Kamado mit mobilem Standwagen
- Der Klassiker: Kamado Joe Classic 1 mit 46 Zentimetern Durchmesser
