Bolt Graphics sitzt im US-kalifornischen Sunnyvale und arbeitet seit mehreren Jahren an ein einer GPU-Architektur namens »Zeus«. Bisher wurde sie hauptsächlich FPGAs getestet, also auf programmierbarer Hardware, die echte Chips emuliert.
Jetzt hat Bolt Graphics einen wichtigen Schritt hinter sich gebracht: Der Tape-out des Zeus-Testchips wurde per TSMCs 12-nm-Prozessknoten abgeschlossen, wie das Unternehmen in einer Mitteilung verlauten lässt.
Kurz gefasst: Beim Tape-out handelt es sich um den Zeitpunkt in der Designphase eines Chips, bei dem die Fotomaske des finalen Designs (gewissermaßen die Blaupause eines Chips) an den Auftragsfertiger übergeben wird.
Auf neue Gaming-GPUs schielt Bolt Graphics nicht. Zeus ist primär für Pathtracing, High-Performance Computing (HPC) oder KI-Arbeitslasten ausgelegt. Genau das macht das Projekt so spannend, denn das sind alles Bereiche, in denen Nvidia dominiert.
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Pathtracing im Visier – und ein hybrides Speicherkonzept
Statt auf klassische Shader-Einheiten für Rasterisierung zu setzen, legt Bolt Graphics die Zeus-Architektur gezielt auf Ray- und Pathtracing aus. Dafür sorgen etwa die verwendeten RISC-V-Kerne, die Linux direkt auf der Karte laufen lassen. Dazu kommt ein 400-GbE-Port für direkte Kommunikation zwischen GPUs sowie ein hybrides Speicherkonzept.
Letzteres ist das interessanteste Merkmal: Zeus kombiniert verlöteten LPDDR5X-Speicher (je nach Modell zwischen 32 und 128 GByte) mit DDR5-SO-DIMM-Slots, die so bis zu 384 GByte Gesamtspeicher ermöglichen.
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Die Leistungsversprechen, die Bolt Graphics macht, sind zumindest auf dem Papier (das wccftech vorliegt) beeindruckend:
- 5× schnelleres Pathtracing als die Nvidia Geforce RTX 5090 bei vergleichbaren Bedingungen
- 6× schnellere HPC-Leistung gegenüber der RTX 5090
- Maximal 250 Watt für das Dual-Chiplet-Modell, während die RTX 5090 bei rund 575 Watt läuft
Im Vergleich mit der RTX 5090, die Bolt Graphics in der Zeus-Ankündigung am häufigsten als Vergleichswert heranzieht, sehen die bisher gezeigten Datenblätter so aus:
| Zeus 1c26-032 | Zeus 2c26-064 | Zeus 2c26-064 | Nvidia RTX 5090 | |
|---|---|---|---|---|
| Formfaktor | PCIe Single-Slot | PCIe Dual-Slot | PCIe Dual-Slot | PCIe Dual-Slot |
| FP64/FP32/FP16 (in TFLOPS) | 5 / 10 / 20 | 10 / 20 / 40 | 10 / 20 / 40 | 1.6 / 105 / 105 |
| INT16/INT8 (in TFLOPS) | 307,2 / 614.4 | 614,4 / 1.228,8 | 614,4 / 1.228,8 | 818,4 / 1.636,8 |
| Speicher | Bis 160 GByte | Bis 320 GByte | Bis 384 GByte | 32 GByte |
| TDP | 120 Watt | 250 Watt | 250 Watt | 575 Watt |
FP32 (Floating Point 32-bit) misst die Rechenleistung bei einfacher Gleitkomma-Präzision und ist sozusagen der klassische Allrounder-Wert für Rendering, Simulationen und allgemeine GPU-Workloads. Das ist etwa für physikalisch korrekte Lichtsimulationen notwendig – also genau ds, was Pathtracing und HPC brauchen.
INT8 (Integer 8-bit) ist dagegen gewissermaßen der »KI-Wert«: Er beschreibt, wie schnell eine GPU quantisierte neuronale Netze berechnet. Moderne LLMs und Bildgeneratoren laufen in INT8 oder niedriger Präzision, weil das schneller und energieeffizienter ist als FP32.
Die obigen FP32-Vergleichswerte machen es schon deutlich: Für klassische Rasterisierung, wie ihr sie für eure PC-Spiele benötigt, sind die Zeus-Karten nur bedingt zu gebrauchen.
Der genutzte LPDDR5X-Speicher wirft ebenfalls Fragezeichen auf: Die Bandbreite liegt unter der GDDR7-Anbindung der RTX 5090 (oder gar HBM3 bei den spezialiserten GPUs); Zeus dürfte also bei Aufgaben, die auf möglichst hohe Bandbreite angewiesen sind, nicht ganz so gut abschneiden.
Eine echte Antwort auf alle Fragen dürften mutmaßlich Ende nächsten Jahres feststehen – spätestens dann will Bolt Graphics mit Massenproduktion und Verfügbarkeit durchstarten.
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