Bolt Graphics Zeus: Das Start-up, das die RTX 5090 beim Pathtracing in den Schatten stellen will

Das Start-up Bolt Graphics hat den Tape-out seines Zeus-Test-Chips abgeschlossen. Die Versprechen: bis zu 5-mal schnelleres Pathtracing als die RTX 5090, 6-mal schnellere HPC-Leistung – und das bei unter 250 Watt.

Ihr habt vielleicht noch nie von ihnen gehört, aber sie wollen Nvidia mal eben so teils um das Fünffache schlagen: Das ist die Bolt Graphics Zeus. (© Bolt Graphics) Ihr habt vielleicht noch nie von ihnen gehört, aber sie wollen Nvidia mal eben so teils um das Fünffache schlagen: Das ist die Bolt Graphics Zeus. (© Bolt Graphics)

Bolt Graphics sitzt im US-kalifornischen Sunnyvale und arbeitet seit mehreren Jahren an ein einer GPU-Architektur namens »Zeus«. Bisher wurde sie hauptsächlich FPGAs getestet, also auf programmierbarer Hardware, die echte Chips emuliert.

Jetzt hat Bolt Graphics einen wichtigen Schritt hinter sich gebracht: Der Tape-out des Zeus-Testchips wurde per TSMCs 12-nm-Prozessknoten abgeschlossen, wie das Unternehmen in einer Mitteilung verlauten lässt.

Kurz gefasst: Beim Tape-out handelt es sich um den Zeitpunkt in der Designphase eines Chips, bei dem die Fotomaske des finalen Designs (gewissermaßen die Blaupause eines Chips) an den Auftragsfertiger übergeben wird.

Auf neue Gaming-GPUs schielt Bolt Graphics nicht. Zeus ist primär für Pathtracing, High-Performance Computing (HPC) oder KI-Arbeitslasten ausgelegt. Genau das macht das Projekt so spannend, denn das sind alles Bereiche, in denen Nvidia dominiert.

Video starten 49:00 Die MMO-Krise: Welche Spiele uns 2026 noch retten können

Pathtracing im Visier – und ein hybrides Speicherkonzept

Statt auf klassische Shader-Einheiten für Rasterisierung zu setzen, legt Bolt Graphics die Zeus-Architektur gezielt auf Ray- und Pathtracing aus. Dafür sorgen etwa die verwendeten RISC-V-Kerne, die Linux direkt auf der Karte laufen lassen. Dazu kommt ein 400-GbE-Port für direkte Kommunikation zwischen GPUs sowie ein hybrides Speicherkonzept.

Letzteres ist das interessanteste Merkmal: Zeus kombiniert verlöteten LPDDR5X-Speicher (je nach Modell zwischen 32 und 128 GByte) mit DDR5-SO-DIMM-Slots, die so bis zu 384 GByte Gesamtspeicher ermöglichen.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle findest du einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt.
Du kannst ihn dir mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von YouTube angezeigt werden.

Personenbezogene Daten können an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Link zum YouTube-Inhalt

Die Leistungsversprechen, die Bolt Graphics macht, sind zumindest auf dem Papier (das wccftech vorliegt) beeindruckend:

  • 5× schnelleres Pathtracing als die Nvidia Geforce RTX 5090 bei vergleichbaren Bedingungen
  • 6× schnellere HPC-Leistung gegenüber der RTX 5090
  • Maximal 250 Watt für das Dual-Chiplet-Modell, während die RTX 5090 bei rund 575 Watt läuft

Im Vergleich mit der RTX 5090, die Bolt Graphics in der Zeus-Ankündigung am häufigsten als Vergleichswert heranzieht, sehen die bisher gezeigten Datenblätter so aus:

Zeus 1c26-032Zeus 2c26-064Zeus 2c26-064Nvidia RTX 5090
FormfaktorPCIe Single-SlotPCIe Dual-SlotPCIe Dual-SlotPCIe Dual-Slot
FP64/FP32/FP16 (in TFLOPS)5 / 10 / 2010 / 20 / 4010 / 20 / 401.6 / 105 / 105
INT16/INT8 (in TFLOPS)307,2 / 614.4614,4 / 1.228,8614,4 / 1.228,8818,4 / 1.636,8
SpeicherBis 160 GByteBis 320 GByteBis 384 GByte32 GByte
TDP120 Watt250 Watt250 Watt575 Watt

FP32 (Floating Point 32-bit) misst die Rechenleistung bei einfacher Gleitkomma-Präzision und ist sozusagen der klassische Allrounder-Wert für Rendering, Simulationen und allgemeine GPU-Workloads. Das ist etwa für physikalisch korrekte Lichtsimulationen notwendig – also genau ds, was Pathtracing und HPC brauchen.

INT8 (Integer 8-bit) ist dagegen gewissermaßen der »KI-Wert«: Er beschreibt, wie schnell eine GPU quantisierte neuronale Netze berechnet. Moderne LLMs und Bildgeneratoren laufen in INT8 oder niedriger Präzision, weil das schneller und energieeffizienter ist als FP32.


Nvidia zeigte indes bereits, wohin die Reise mit den nächsten GPU-Generationen geht – und Vera Rubin will (mal wieder) einige Rekorde sprengen.


Die obigen FP32-Vergleichswerte machen es schon deutlich: Für klassische Rasterisierung, wie ihr sie für eure PC-Spiele benötigt, sind die Zeus-Karten nur bedingt zu gebrauchen.

Der genutzte LPDDR5X-Speicher wirft ebenfalls Fragezeichen auf: Die Bandbreite liegt unter der GDDR7-Anbindung der RTX 5090 (oder gar HBM3 bei den spezialiserten GPUs); Zeus dürfte also bei Aufgaben, die auf möglichst hohe Bandbreite angewiesen sind, nicht ganz so gut abschneiden.

Eine echte Antwort auf alle Fragen dürften mutmaßlich Ende nächsten Jahres feststehen – spätestens dann will Bolt Graphics mit Massenproduktion und Verfügbarkeit durchstarten.

zu den Kommentaren (0)

Kommentare(0)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.