Die meisten von uns verbringen jeden Tag zig Stunden vor verschiedenen Bildschirmen. Dabei braucht das Gehirn auch mal eine Auszeit. Stefan Kiel und sein Team von Dude's Comic Corner
beweisen, dass Digital-Detox nicht immer bedeuten muss, im Wald zu verschwinden – manchmal reicht auch ein Comic-Buch aus Papier.
Der kleine Comic-Laden befindet sich in der thüringischen Studierendenhochburg Jena. Auf inzwischen knapp 100 Quadratmetern finden Comic-Fans alles, was das Herz begehrt. Was mal nicht vor Ort greifbar ist, wird bestellt.
Das Besondere: In Dude's Comic Corner gibt es ausschließlich physische Waren, also anders als bei Online-Versandriesen wie Amazon und Thalia, keine E-Books und Co.
Ich habe selbst schon einige Zeit in dem Comic-Laden verbracht. Im Nachgang interessierte mich: Wie kann das 2026 funktionieren? Wie kann dieses Geschäftsmodell gegen Giganten wie Amazon und Thalia, wo es sowohl digitale als auch analoge Bücher gibt, bestehen?
Genau das habe ich Stefan und seine Kollegin Jasmin gefragt. Ihre Antworten strotzen vor Herzblut und Inspirationen für andere Kleinunternehmer, offenbaren aber ebenso eine ausgeklügelte Geschäftsstrategie. Der Fokus dabei seid ihr, egal, wo ihr wohnt.
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Dude’s Comic Corner – Mehr als ein Comicladen
Aller Anfang ist schwer
Dude's Comic Corner startete am 1. Januar 2020 als reiner Online-Handel. Ausgerechnet im März 2021, also während die Corona-Pandemie gerade einen neuen Hochpunkt erreicht hatte, kam der Laden in Jena hinzu. Damals war er mit aufgerundet 50 Quardratmetern nur halb so groß wie heute.
Stefan: Ende 2023 haben wir mit einem größeren Umbau begonnen, der sich über mehrere Monate, inklusive der Bauanträge, Planung etc. sogar auf gut ein Jahr erstreckte. Im April 2024 waren wir damit weitgehend fertig. Dadurch konnten wir den Laden auf fast die doppelte Fläche erweitern und verfügen heute über knapp 100 Quadratmeter.
Trotz der schwierigen Ausgangssituation hatte sich das bescheidene Unternehmen große Ziele gesetzt, wie mir der Inhaber im Verlauf unseres Interviews erzählt. Teil dieser Ziele war das Herzstück des Unterfangens: Der stationäre Laden vor Ort sollte nicht einfach bloß die gewünschten Waren liefern, sondern auch zu einem tollen Erlebnis für Besucherinnen und Besucher werden.
Dude's Comic Corner – ein analoger Ort der Entspannung
In Jena konnte ich mir selbst einen Eindruck vom Geschäft und den Mitarbeitenden verschaffen. Im wunderschönen Damenviertel, einem der besterhaltenen und größten geschlossenen Gründerzeit- und Jugendstilviertel Deutschlands, steht der Comic-Laden.
Damit liegt er zwar nicht im Zentrum, ist aber dennoch bequem erreichbar – wie praktisch alles in Jena. Umsäumt von sanierten Altbau- und Eigentumswohnungen gehört das Damenviertel mit zu den teuersten Lagen der Stadt. Das Geschäft muss also zwingend einen gewissen Umsatz generieren.
Von außen vermittelt die Kulisse direkt Urlaubsstimmung. Strandstühle, kleine Kaffeetische sowie eine Kreidetafel mit der Getränkekarte lassen von außen nicht sofort vermuten, dass das hier ein Comic-Laden ist. Einzig das wiederkehrende Logo mit Stefans Gesicht und dem großen Dude's-Comic-Corner-Aufdruck auf den Stühlen sowie über dem Eingang zeigt, worum es hier geht.
Über eine kurze Treppe komme ich durch die an einer Hausecke gelegene Tür. Im Laden ist es angenehm hell und freundlich. Jede Wand ohne Fenster wurde mit Buchregalen zugepflastert. In der Mitte stehen T-Shirt-Ständer und andere Waren, die zum Grundsortiment passen.
Von jedem in Dude's Comic Corner werden meine Begleitung und ich herzlich begrüßt. Der Chef selbst ist ebenfalls vor Ort und arbeitet gerade eine Praktikantin ein.
Auch im Laden finde ich eine Sitzecke und ein Getränkeangebot. Auf den Kaffeepackungen hinter dem Verkaufstresen entdecke ich erneut Stefans Gesicht, das zugleich als Logo unter dem Namen prangt. Die Stimmung ist geschäftig, aber auch fröhlich. Man merkt, dass hier niemand arbeitet, der diesen Job nicht gerne macht.
Der Comic-Laden als Lebenswerk
Von Jasmin und Stefan möchte ich wissen, was ihnen ihr Job bei Dude's Comic Corner bedeutet. Ihre Antworten bestätigen den Eindruck, den ich bereits vor Ort gewinnen konnte:
Jasmin: »Den Horizont von Leuten durch Lesen zu erweitern und sie im Idealfall damit glücklich zu machen. Ich liebe es, wenn ich den passenden Comic für eine KundIn gefunden habe und sie später wieder kommen, um den nächsten Band zu kaufen. Den Geschmack der Leute zu treffen, gerade wenn sie dieses Medium noch nicht ausgiebig kennen, das ist richtig schön und macht mich glücklich.
Vor allem Kindercomics sind meine Leidenschaft, denn hier gibt es viele Sachen, die kleine Schätze sind, die ganze Kindheit prägen und die Liebe zu Büchern wecken können.«
Stefan: Für mich als Inhaber bedeutet Dude’s Comic Corner alles: Ich habe mir damit etwas aufgebaut, das meinen Kund:innen, meinen Mitarbeiter:innen und mir selbst jeden Tag Freude bereitet, und selbst in den stressigsten Zeiten hatte ich noch nie einen Morgen, an dem ich dachte: 'Mist, ich muss heute arbeiten gehen'.
Entscheidend ist für uns weniger die Ruhe an sich
Im Interview mit den Betreibern wird schnell klar, dass all diese Eindrücke keineswegs zufällig zusammentreffen. Obwohl im Laden eine sonnige Stimmung herrscht, merkt man auch, dass dort gewissenhaft gearbeitet wird. Das Team möchte nicht nur Comic- und Nerdkultur vorleben, sondern auch zeigen, dass sie ihre Community ernst nehmen.
Stefan sagt mir hierzu:
Stefan: »Von Anfang an war das Ziel, nicht einfach nur möglichst viele Artikel anzubieten. Wir wollten einen Laden aufbauen, in dem Comics, Manga und die Kund:innen, die sich dafür begeistern, ernst genommen werden. Dazu gehören persönliche Beratung, ein breites Sortiment, zuverlässige Bestellmöglichkeiten und ein Ort, an dem man sich gerne aufhält.
Uns ist wichtig, dass sich Kund:innen im Laden willkommen fühlen und nicht das Gefühl haben, möglichst schnell etwas kaufen und wieder gehen zu müssen. Man darf sich umsehen, Fragen stellen, Dinge entdecken oder auch einfach unterhalten.
Wir bieten Sitzgelegenheiten an und haben unser Getränkeangebot in der letzten Zeit erweitert. Dazu kommen Süßigkeiten und im Sommer auch Eis. Dabei handelt es sich um lokales Handeis (Seite des Betreibers), das direkt in Jena und mit regionalen Zutaten hergestellt wird.
Entschleunigung spielt dabei durchaus eine Rolle. Gleichzeitig ist unser Laden nicht immer still und ruhig. Es wird diskutiert, gelacht, gesucht, gespielt und manchmal herrscht auch ordentlich Betrieb. Entscheidend ist für uns weniger die Ruhe an sich, sondern dass Kund:innen Zeit und Raum für ihre Interessen bekommen.«
Keine E-Books im Angebot
Ich war alleine in diesem Jahr schon in etlichen Comic-Läden. Ob groß oder klein und egal, in welchem Bundesland: Für selbstständige Buchläden, die keinem großen Franchise angehören, ist es in Zeiten der Digitalisierung und des Fast Shoppings nicht leicht, bestehen zu bleiben. Viele Leute kaufen ihre Bücher lieber auf Amazon oder bei Thalia – oft elektronisch als E-Book.
Dude's Comic Corner scheint jedoch verstanden zu haben, wie die Sache dennoch rund läuft – und zwar ganz ohne digitale Waren. Ich wollte natürlich wissen, wie es zu dieser scheinbar radikalen Entscheidung gegen E-Book-Ausgaben kam.
Stefan: »Es war weniger eine grundsätzliche Entscheidung gegen digitale Bücher, sondern vor allem eine klare Entscheidung für unser eigentliches Profil. Unsere Stärke liegt bei physischen Comics, Manga und Büchern, bei persönlicher Beratung, bei besonderen Ausgaben und beim Aufbau einer Community.
Digitale Bücher funktionieren über andere Vertriebsstrukturen, Plattformen und technische Systeme. Dort würden wir am Ende wahrscheinlich versuchen, ein Angebot nachzubilden, das große Plattformen bereits sehr umfassend abdecken.
Bei physischen Produkten können wir dagegen einen echten Unterschied machen. Wir können Titel auswählen, empfehlen, präsentieren, bestellen, zurücklegen, verschicken und mit weiteren Angeboten verbinden. Wir wollen nicht alles anbieten, nur damit wir theoretisch in jedem Bereich vertreten sind.«
Wir konzentrieren uns lieber auf die Dinge, bei denen wir unseren Kund:innen einen tatsächlichen Mehrwert bieten können.«
Sammelleidenschaft von Comic-Fans
Da ich selbst unheimlich gerne Comics lese und teilweise auch sammle, war mir klar, dass der Sammelaspekt, den nur physische Bücher in der Form bieten, Comic-Läden wie Dude's entgegenkommt. Ganz nach dem Motto will ich im Regal stehen sehen und anfassen können
.
Jasmin bringt einen weiteren Punkt ins Spiel, den ich mich vor Bekannten nur selten traue, überhaupt als Pro-Argument für physische Bücher zu nennen: Der Duft eines neuen Comics. Er ist göttlich. Jasmin hat das tatsächlich schon häufiger bei der Arbeit gehört:
Jasmin: »Im Gespräch mit KundInnen wird schnell klar, dass viele zwar auch digital Comics und auch Manga konsumieren, aber trotzdem es bevorzugen den Comic als Buch in der Hand zu halten. Es wird oft damit begründet, dass es schöner und entspannender ist, in einem Buch zu lesen als in einem Tablet oder Handy.
Ganz häufig wird der Geruch von Büchern als positiv und wichtig erwähnt.
Dass Digital auf dem Vormarsch ist, hat dann aber auch vor allem den Grund, dass digital kostenlos sein kann und keinen Platz im Regal wegnimmt. Geliebte Online-Reihen werden trotzdem oft als Buch gekauft, sobald sie gedruckt erhältlich sind.
Ob die Generationen, die mit Tablet und Handy aufgewachsen sind, als Erwachsene auch so viel Bücher kaufen werden, wird sich zeigen. Aktuell jedenfalls haben wir auch viele Jugendliche und Kinder als Kunden.
Mehr als digitale Manga stehen aus meiner Sicht übrigens Anime in Konkurrenz zu den gedruckten Manga. Dass sie einen bestimmten Manga nicht lesen wollen/brauchen, weil sie den Anime kennen, sagen KundInnen aus meiner Erfahrung heraus häufiger, als dass jemand den Kauf ablehnt, weil er es digital liest.«
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Stefan: Gerade bei Comics und Manga spielt das Sammeln weiterhin eine große Rolle. Viele Kund:innen möchten eine Reihe vollständig im Regal haben, freuen sich auf neue Bände oder interessieren sich für besondere Ausgaben, Variant Cover, Schuber und limitierte Editionen. Ein Comic ist für viele nicht nur eine Geschichte, sondern auch ein gestaltetes Objekt.
Wie das Team im Comic-Laden privat liest
Und wie sieht es beim Team selbst aus? Wird da auch ausschließlich auf Papierbücher gesetzt? Mich interessierte, wie Stefan und Jasmin ihre Comics am liebsten privat konsumieren.
Immerhin, so nahm ich an, müsste es durch den Laden und Job ja einfacher sein, physische Bücher auch selbst lesen zu können, ohne eventuell alles privat kaufen zu müssen. Also fragte ich, ob die beiden privat auch gerne mal zum E-Reader oder Tablet greifen, oder kategorisch beim Papierexemplar bleiben.
Stefan: Ich selbst lese ausschließlich analog. Für mich gehört es zum Lesen dazu, ein Buch tatsächlich in der Hand zu halten. Außerdem verbringe ich schon berufsbedingt sehr viel Zeit am Bildschirm. Beim Lesen brauche und genieße ich deshalb ganz bewusst den Abstand davon.
Bei dem nächsten Teil seiner Antwort wurde mir meine verträumte Sicht auf den Job der beiden bewusst. Ich hatte es mir ein wenig vorgestellt, wie ein Kind, das davon träumt, irgendwann als Erwachsene in einer Eisdiele zu arbeiten, um sich hemmungslos an der eigenen Ware berauschen zu können.
Heute weiß ich natürlich, dass das Unsinn ist und so nicht funktionieren kann. Als Kind habe ich mir diesen Beruf aber als reinste Schlemmerorgie vorgestellt.
Im Falle von Dude's Comic Corner lag ich mit dieser Vorstellung zwar nicht komplett daneben, aber man muss schon differenzieren. Stefan fügt hinzu:
Stefan: »Die Arbeit im Laden bedeutet übrigens nicht, dass wir die Bücher einfach privat lesen können, ohne sie zu kaufen. Alles, was bei uns im Laden steht, ist Verkaufsbestand. Auch wir müssen deshalb auswählen, was wir privat kaufen und lesen möchten und wofür im Alltag überhaupt Zeit bleibt.
Einen Teil der Comics erhalten wir glücklicherweise als Lese- oder Rezensionsexemplare, wobei diese hauptsächlich an mich gehen. Diese werden auch in unserem Dude Magazin rezensiert. Der eigentliche Mehrwert liegt für uns aber nicht in der einzelnen Rezension, sondern darin, dass wir über unser Sortiment Bescheid wissen und unseren Kund:innen sowohl stationär als auch online fundierte Empfehlungen geben und ein kuratiertes Sortiment anbieten können.«
Bei Jasmins Antwort wird deutlich, wie ich mich heute als Angestellte in der besagten Traumeisdiele fühlen würde. Denn wie Stefan schon sagte, darf man sich auch in einem Comic-Laden nicht an der Verkaufsware bedienen.
Jasmin: »Die Arbeit in einem Comic-Laden hat eine Herausforderung, mit deren Intensität man am Anfang gar nicht rechnet: Man kommt ständig und dauerhaft mit neuen, tollen Comics in Kontakt und möchte diese am liebsten selbst lesen. Das bringt einen zwangsweise vor ein finanzielles Problem, wer kann sich schon alle Comics leisten, die man gerne hätte?
Stefan bestellt zwar immer wieder Leseexemplare, aber er kann ja auch nur eine bestimmte Menge anfragen. Da bleibt letztendlich auch nur die digitale Version oder Ausleihen. Ich konsumiere viele Comics, Manga und auch Anime, die nicht zwangsweise in meinem Lesespektrum drin sind, damit ich KundInnen beraten kann und selbst weiß, worum es geht.
Aber bei mir zu Hause im Regal landen nur Comics, die mir auch wirklich gefallen. Ein wichtiges Kriterium bei Manga: ich kann es gar nicht leiden, wenn ich anfange, eine Reihe zu sammeln, die dann kein absehbares Ende hat bzw. unvollendet bleibt. Daher bin ich beim Kauf von Manga eher zögerlich und schaue, ob man sie digital lesen kann, um am Ende keine Enttäuschung zu haben.«
Service und Community: Nicht nebenbei, sondern als Kern
Bei Dude's spielt aber ein weiterer Faktor eine noch viel größere Rolle: Kundennaher Service. Stefan gibt mir Einblicke in das Tagesgeschäft.
Stefan: Der Sammelaspekt alleine reicht aber nicht. Entscheidend ist, dass Kund:innen bei uns Orientierung bekommen. Das Angebot ist mittlerweile riesig. Wir helfen dabei, passende Titel zu finden, Reihen im Blick zu behalten und Neuerscheinungen nicht zu verpassen. Über unsere Abos und Vorbestellungen können sich Kund:innen Titel automatisch zurücklegen oder regelmäßig zuschicken lassen.
Das eigene Abo-Fach
Insbesondere das Abosystem scheint sich zu lohnen. Sammlerinnen und Sammler, die befürchten, etwas zu verpassen, geben bei Dude's einfach die gewünschte Comic-Reihe an. Gibt es dann eine Neuerscheinung, wandert die automatisch in das eigens dafür bereitgestellte Fach.
Link zum YouTube-Inhalt
Hier können Kundinnen und Kunden auch eine Weile sammeln, bevor das Paket verschickt wird. Das spart nicht bloß Versandkosten, sondern auch den Aufwand pro gepackter Lieferung.
Eine handgeschriebene Postkarte in jedem Paket
Der mit dem Warenversand verbundene Aufwand hat es bei Dude's nämlich in sich. Jedes Paket enthält nicht einfach bloß die bestellte Ware, sondern auch zig Gimmicks, darunter eine persönlich geschriebene Postkarte.
Auch die ist nicht zufällig handgeschrieben und analog. Stefan resümiert, warum ihm und dem Team diese Postkarte für jeden Kunden und jede Kundin so wichtig ist:
Stefan: »Eine unserer wichtigsten Methoden, um die Distanz und Anonymität des Onlinehandels zu überbrücken, ist unsere handgeschriebene, individuell auf die Bestellung abgestimmte Postkarte. Eine solche Karte liegt wirklich jedem einzelnen Paket bei.
Damit möchten wir zeigen, dass hinter der Bestellung keine anonyme Versandmaschine steht, sondern Menschen, die wissen, für wen sie das Paket zusammenstellen.
Dass das funktioniert, wird uns regelmäßig zurückgemeldet. Kund:innen erwähnen die Karten immer wieder direkt bei uns sowie in Google- oder eBay-Bewertungen und beschreiben, dass ihr Einkauf dadurch deutlich persönlicher wird. Gerade im Onlinehandel kann eine kleine persönliche Geste einen großen Unterschied machen. Dazu gehören für uns auch kleine Beigaben und das Bemühen, individuelle Wünsche möglich zu machen.«
Social Media und Co. sind unerlässlich
Das Community-Building funktioniert durch verschiedene Ansätze, ein großer Teil aber über Social Media. Wo manche Unternehmen aus Ressourcengründen bereits Schwierigkeiten haben, grundsätzliche Basics wie eine Webseite bereitzustellen, wartet Dude's Comic Corner mit einer opulenten Präsenzpalette auf:
- Dude's Comic Corner Homepage mit Online-Shop
- Google-Maps-Eintrag
- Dude's Comic Corner bei Instagram
- Dude's Comic Corner bei YouTube
- Kontakt über What'sApp
- Dude's Comic Corner Discord-Server
Man könnte meinen, hier müsse ein riesiges Team mit verschiedenen Angestellten für die anfallenden Aufgaben am Werk sein. Tatsächlich ist die Crew im Laden aber bloß zu viert.
Der enorme Aufwand scheint sich jedoch zu rentieren. Auch der Schritt, hier besonders präsent zu sein, war ein ganz bewusster.
Stefan: Unsere Social-Media-Kanäle und der Discord-Server helfen zusätzlich dabei, nicht nur Produkte zu zeigen, sondern auch Einblicke in den Laden und unsere Arbeit zu geben. Die Kund:innen wissen dadurch, bei wem sie bestellen, und wir wissen umgekehrt häufig sehr genau, für wen wir gerade ein Paket zusammenstellen.
Discord als Hauptkommunikationsweg
Insbesondere auf dem Discord-Server spielt sich einiges, das Tagesgeschäft betreffend, ab. Hier werden Mitglieder nicht bloß über Neuerscheinungen informiert, sie können sich auch über alle möglichen anderen Themen austauschen und etwa zeigen, was sie gerade privat lesen.
Stefan: Das Community Building gehört unmittelbar dazu. Kund:innen tauschen sich über gelesene Bücher aus, empfehlen sich gegenseitig Reihen, treffen sich bei Veranstaltungen oder kommen mit einer konkreten Frage in den Laden. Diese persönliche Verbindung lässt sich nicht vollständig durch digitales Lesen ersetzen.
Auf dem Discord-Server gibt es außerdem Mini-Spiele, eine monatliche Auktion und diverse Plauderecken. Zudem kann das Team einfach auf dem kurzen Wege angeschrieben werden. Sei es bei Fragen zur Bestellung, Verfügbarkeit von Produkten oder anderen Dingen, die wichtig sind.
Im Interview zeigt sich, dass dieser Punkt dem Ladengründer ein besonderes Anliegen ist:
Stefan: »Viele wissen, dass sie uns dort direkt erreichen können, ohne erst eine formelle E-Mail schreiben oder über eine andere Plattform Kontakt aufnehmen zu müssen. Sie können ihr Anliegen einfach kurz schildern und bekommen von uns eine Rückmeldung.
Discord läuft bei uns den ganzen Tag im Laden mit. Natürlich können wir nicht jedes Anliegen sofort abschließend bearbeiten, weil parallel der Ladenbetrieb, Bestellungen und viele andere Aufgaben laufen. Häufig antworten wir aber sehr zeitnah, oft innerhalb von 60 Minuten.
Gerade diese unkomplizierte Kommunikation ist für viele Kund:innen angenehm. Es braucht keine ausführliche Nachricht und keine besonderen Höflichkeitsfloskeln. Das Anliegen kann einfach genannt werden und wir helfen weiter.
Natürlich erreichen wir damit auch Kund:innen, die nicht in Jena wohnen. Gleichzeitig funktioniert Discord als Verbindung zum stationären Laden. Veranstaltungen und Aktionen werden dort besprochen und Kund:innen, die sich zunächst nur online kannten, treffen sich später teilweise bei uns vor Ort.
Ein besonders schönes Beispiel dafür war ein Kunde aus Berlin. Er hatte zunächst bei uns bestellt und wurde anschließend auch Teil unseres Discord-Servers. Seine Bestellung ließ er einige Wochen bei uns liegen, bis es zeitlich für ihn passte, sie persönlich im Laden abzuholen. Im Gespräch erzählte er uns dann, dass er tatsächlich ausschließlich wegen dieser Abholung nach Jena gekommen war.
Damit zeigt sich für uns sehr gut, dass digital und stationär keine Gegensätze sein müssen. Ein digitales Werkzeug kann sowohl den direkten Service für Kund:innen vereinfachen als auch dazu führen, dass aus einem zunächst rein digitalen Kontakt ein persönlicher Besuch im Laden wird.«
Online-Shop als integraler Bestandteil
Bei meinem Besuch in Dude's Comic Corner bekomme ich den Eindruck, dass der Fokus auf der Vor-Ort-Erfahrung beruht. Doch da irrte ich mich.
Stefan: »Heute verkaufen wir Comics, Manga, Kinder- und Jugendbücher, Trading Cards, Merchandise und weitere Produkte rund um die unterschiedlichen Themenwelten. Gleichzeitig versenden wir Bestellungen an Kund:innen in ganz Deutschland und darüber hinaus. Der Onlinehandel ist deshalb kein nachträglicher Zusatz zum Laden, sondern gehört seit dem ersten Tag zum Unternehmen.
Zu Beginn und auch noch nach der Eröffnung des Ladens machte der Online-Shop naturgemäß den größten Teil unseres Umsatzes aus, schließlich waren wir ursprünglich als reiner Onlinehandel gestartet. Der stationäre Laden entwickelte sich allerdings sehr schnell so positiv, dass uns zunehmend die zeitlichen Ressourcen fehlten, um das Sortiment im Online-Shop vollständig zu pflegen und sichtbar zu machen. Zeitweise entfiel deshalb nur noch ungefähr ein Drittel unseres Umsatzes auf den Onlinehandel.«
Doch dieses Verhältnis hat sich über die Jahre verändert, was mitunter an der starken Online-Präsenz liegt, wie mir der Chef verrät.
Stefan: Durch unsere kontinuierliche Arbeit auf Social Media, zahlreiche Weiterempfehlungen und schließlich eine technische Umstellung Ende 2025 hat sich das Verhältnis wieder deutlich verschoben.
Zunächst lagen der stationäre Laden und der Versandhandel ungefähr bei 50:50. Mittlerweile dürfte der Onlineanteil eher bei rund 60 Prozent liegen.
Durch die technische Umstellung konnten wir einen wesentlich größeren Teil unseres bereits vorhandenen Sortiments im Online-Shop sichtbar und kaufbar machen. Das hat sich deutlich bemerkbar gemacht: Der Umsatz im Online-Shop ist gegenüber dem Vorjahr um mehr als 70 Prozent gewachsen. Am Ende können Kund:innen nur das kaufen, was sie auch sehen.«
Es gibt viele Comic-Läden, die ausschließlich auf physische Waren setzen. Aber nicht alle sind damit erfolgreich. Lest auf der nächsten Seite, wie gut das Konzept des Buchladens ohne digitale Güter funktioniert.

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