Eine Mutter und ihre Tochter sammelten Müll und bauten daraus ein Haus mit sieben Zimmern und rund 8.000 Glasflaschen

Auf der Insel Itamaracá wird Müll zu Wänden und Dächern: Die »Casa de Sal« in Brasilien dient heute zugleich als Wohnhaus und Ziel für Ökotourismus.

Aus »Müll« gebaut: Edna Dantas (links) vor der »Casa de Sal« und ihre Tochter Maria Gabrielly. (Bildquelle: Edna Dantas) Aus »Müll« gebaut: Edna Dantas (links) vor der »Casa de Sal« und ihre Tochter Maria Gabrielly. (Bildquelle: Edna Dantas)

Was andere einfach so wegwarfen, wurde für Edna Dantas und ihre Tochter Maria Gabrielly zum Baumaterial für ihr eigenes Haus.

Auf der Ilha de Itamaracá, einer tropischen Insel und Gemeinde des brasilianischen Bundesstaats Pernambuco, errichteten die beiden Frauen ihre Casa de Sal.

Der Name bedeutet wörtlich »Haus aus Salz«, aus mehreren Berichten geht allerdings hervor, dass er zugleich auf das Meer vor der Haustür und auf den Sand als wichtigen Ausgangsstoff für Glas anspielt.

Das »Salzhaus« ist dabei rund 70 Quadratmeter groß, mit sieben Räumen und Wänden, in denen etwa 8.000 alte, leere Glasflaschen stecken.

Die Idee dazu entstand aber nicht am Reißbrett, sondern beim Anblick ihrer neuen »Nachbarschaft«.

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Das Baumaterial lag überall herum

Nach dem Umzug nach Itamaracá stießen Mutter und Tochter an Stränden wie in Mangroven und auf unbebauten Flächen auf achtlos weggeworfene Glasflaschen.

Edna brachte dabei bereits jahrzehntelange Erfahrung hinsichtlich Wiederverwertung mit: Ihre eigenen Eltern zeigten ihr früh, wie man aus vermeintlichem Müll etwas erschaffen kann. Das war zwar mehr der Notwendigkeit als dem Umweltschutz geschuldet, dennoch gehörte Wiederverwendung damit schon früh zu ihrem Alltag.

Später arbeitete Edna lange in mehreren Recyclingkooperativen und brachte das dort gesammelte Wissen auch in die Casa de Sal ein.

Da lag es nahe, für ihr eigenes Zuhause ebenfalls »Abfall« zu verwenden. Und so begannen im Jahr 2020 die Arbeiten.

Die gesammelten Flaschen wurden gründlich gereinigt und senkrecht in die Wände eingesetzt. Dort bilden sie große Teile der Wandflächen anstelle klassischer Mauersteine und sorgen zugleich dafür, dass Licht durch einzelne Bereiche fällt.

Die Außenansicht der »Casa de Sal« zeigt die Wände, die mit tausenden senkrecht verbauten, offenbar leeren Glasflaschen und weißem Mörtel erstellt wurden. (Bildquelle: Edna Dantas) Die Außenansicht der »Casa de Sal« zeigt die Wände, die mit tausenden senkrecht verbauten, offenbar leeren Glasflaschen und weißem Mörtel erstellt wurden. (Bildquelle: Edna Dantas)

Allerdings sind Glasflaschen nicht das einzige ungewöhnliche Baumaterial, das zum Einsatz kam: Für Trennwände beispielsweise verwendeten die beiden unter anderem Palettenholz. Und für das Dach Platten aus industriell wiederverwerteten Zahnpastatuben.

Tausende Flaschen wurden Teil des Hauses

Zwar erledigten Edna und Maria Gabrielly einen Großteil der Bauarbeiten selbst, bei einzelnen Aufgaben wie Dach und Boden legten ihre Nachbarn jedoch Hand mit an.

Bereits im Juli 2021 waren 6.000 Flaschen verbaut. Erst mit dem weiteren Ausbau wurden nach eigenen Angaben später 8.000 daraus.

Allerdings sammelten sie weit mehr als das. Im Rahmen des Hausbaus und weiterer Aktionen sollen insgesamt etwa 13.000 Flaschen zusammengekommen sein.

Heute dient die Casa de Sal längst nicht mehr nur als Zuhause. Edna und Maria Gabrielly nutzen sie zugleich als beispielhaftes Projekt für nachhaltiges Bauen, Umweltbildung und Ökotourismus – soll heißen:

Gäste können in der Casa de Sal übernachten, sollen aber auch mit der Umgebung in Kontakt kommen – mit Stränden, Mangroven, lokalen Restaurants, traditioneller Küche, Kunsthandwerkern sowie Menschen, die vom Meer und den Mangroven leben, etwa Muschelsammlerinnen.

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Die behauptete Weltpremiere ist nicht bestätigt

Bei einer besonders spektakulären Behauptung sollte man allerdings etwas Vorsicht walten lassen.

Denn nach eigener Recherche bezeichnen Mutter und Tochter die Casa de Sal als erstes Haus der Welt, bei dem Glasflaschen auf diese Weise verbaut wurden.

Unabhängig bestätigt ist das allerdings nicht. Senkrecht verbaute Glasflaschen finden sich bereits in deutlich älteren Bauwerken – etwa im Wat Pa Maha Chedi Kaew in Thailand. Die vertikale Verwendung selbst ist also nicht neu.

Dennoch bleibt offen, ob die Casa de Sal tatsächlich das erste Wohnhaus dieser Art ist.


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Für die Geschichte braucht es diese Bestätigung allerdings gar nicht.

Der springende Punkt ist ein anderer: Abfall ist nicht immer eine feststehende Eigenschaft eines Materials oder Werkstücks.

Manchmal ist es nur ein Zustand, in dem niemand mehr eine Verwendung dafür sieht. Dennoch sind rund 8.000 dieser weggeworfenen Flaschen heute keine Hinterlassenschaft mehr, sondern Teil eines Hauses.


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